Washington

Trumps Lieblingsmoderator muss gehen

Der konservative Sender Fox News trennt sich nach einem Sex-Skandal von seinem Star Bill O'Reilly. Das trifft auch den US-Präsidenten

Washington. Am Ende konnte ihm auch der Papst nicht mehr helfen. Bill O'Reilly, beim rechtspopulistischen Kabelsender Fox News in den USA seit Jahren Quotenbringer und Meinungsbildner, hat seinen Job verloren.

Der 67-Jährige wird nach seinem Urlaub, der ihn am Mittwoch in den Vatikan nach Rom geführt hat und die Hand von Papst Franziskus schütteln ließ, nicht mehr an seine Wirkungsstätte in New York zurückkehren. Er stolperte über einen Sex-Skandal, dessen Ausmaß noch immer nicht wirklich erfasst ist.

Nach "gründlicher und sorgfältiger Bewertung der Vorwürfe" habe man sich zur Trennung entschieden, teilte der von Medien-Mogul Rupert Murdoch (86) und seinen Söhnen geleitete Sender am Mittwoch mit. Damit geht in den USA eine Ära zu Ende.

Der Moderator soll wiederholtFrauen sexuell belästigt haben

O'Reilly, mit 18 Millionen Dollar Jahresgehalt einer der bestbezahlten Medienmenschen in den USA, hat in seiner nach ihm benannten News-Show allabendlich bis zu vier Millionen Zuschauer mit einer Mischung aus Unterhaltung und rechtslastiger Propanganda in den Bann gezogen und seinem Arbeitgeber damit zuletzt binnen zwei Jahren Werbeeinnahmen von fast 500 Millionen Dollar beschert.

O'Reillys abrupter Abgang (er ist erst seit 11. April nicht mehr auf Sendung) rückt auch US-Präsident Donald Trump in ein ungünstiges Licht. Der New Yorker Geschäftsmann, seit Jahren mit dem Fernseh-Star beruflich verbandelt und regelmäßiger Interview-Partner, hatte O'Reilly öffentlich demons­trativ die Stange gehalten ("Er ist ein guter Mensch"), als die "New York Times" kürzlich die Bombe hochgehen ließ: Danach hatte Fox News insgesamt 13 Millionen Dollar (12,2 Millionen Euro) als Schweigegeld an fünf Frauen gezahlt, die dem verheirateten Moderator sexuelle Belästigung vorgeworfen hatten. Im Gegenzug verpflichteten sich die Betroffenen, die Angelegenheit diskret zu behandeln und keine Klagen einzureichen. Bei den Frauen handelte es sich entweder um Mitarbeiterinnen der Show "The O'Reilly Factor" oder um weibliche Gäste, schrieb die "New York Times". Die Strickart war den Recherchen der Zeitung zufolge stets die gleiche: O'Reilly machte den Damen eindeutige Avancen. Ließen die Frauen ihn abblitzen, soll sich der Medienstar als nachtragend und karrierebremsend gezeigt haben.

O'Reilly hat die Vorwürfe bis heute im Detail nicht konkret bestritten. In Stellungnahmen sucht er Zuflucht bei der Behauptung, seine Prominenz mache ihn zum Opfer übler Nachrede. Sein Anwalt spricht von einer "Charakter-Zerstörung".

Präsident Trump, im Wahlkampf von ähnlichen Vorwürfen verfolgt, teilt diese Ansicht offenbar. "Ich glaube nicht, dass Bill irgendetwas falsch gemacht hat", sagte er vor wenigen Tagen. Dass O'Reilly mit besagten Frauen eine außergerichtliche Einigung erzielt habe, nannte Trump einen Fehler. Ähnlich hatte sich Trump bereits geäußert, als der frühere Boss von Bill O'Reilly, der ehemalige Nixon-Berater Roger Ailes, im vergangenen Sommer ebenfalls wegen sexueller Belästigung einen derben Karrierknick erlebte – die Murdochs ließen den langjährigen Fox-News-Chef eiskalt fallen; allerdings erhielt der 76-jährige Ailes ein Abfindungs-Trostpflaster im Gegenwert von 40 Millionen Dollar (37,2 Millionen Euro).

O'Reilly wird in Bevölkerungskreisen, die für rechtspopulistisch-patriotische Töne empfänglich sind, vergöttert. Auf der Gegenseite hat er erbitterte Feinde, die den regelmäßig auf die persönliche Integrität von Andersdenkenden zielenden Fernsehmann mitverantwortlich machen für das vergiftete politische Klima in den USA.

Die Werbepartner zogen sich in Scharen zurück

Als die Schweigegeld-Geschichte Runden zog und weitere Vorwürfe laut wurden, die O'Reilly als klassischen Obermacho am Arbeitsplatz erscheinen ließen, zogen fast 60 renommierte Werbekunden – darunter die Autokonzerne Mercedes-Benz, BMW, Toyota und Hyundai sowie der französische Pharmakonzern Sanofi und die beliebte Allstate-Versicherung – ihre Aufträge zurück. Einige Unternehmen, hieß es in US-Medien, fürchten, dass ihre Marken von O'Reilly, der sich gern zum ethisch einwandfreien Saubermann stilisiert, in Mitleidenschaft gezogen werden. Weder Fox News noch O'Reilly haben bisher zu der neuen Entwicklung öffentlich ausführlich Stellung genommen.

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