70 Künstler

"Luther und die Avantgarde" im Ex-Knast

Eine von Jonathan Meese gestaltete Haftzelle.

Foto: dpa

Eine von Jonathan Meese gestaltete Haftzelle.

Klingende Namen: Arbeiten von Ai Weiwei, Markus Lüpertz und Jonathan Meese gehören zu den ausgestellten Werken in Wittenberg.

Wittenberg. Moderne Kunst im ehemaligen Gefängnis: Unter dem Motto "Luther und die Avantgarde" sind seit Donnerstag Werke von rund 70 internationalen Künstlern in Wittenberg zu sehen. Dazu gehören Arbeiten von Ai Weiwei, Markus Lüpertz und Jonathan Meese.

Die Hälfte der Werke sei in dem früheren Gefängnis entstanden. Dazu gehören Malereien, Skulpturen und Installationen, wie die Organisatoren mitteilten. An der Schau beteiligten sich Künstler aus allen Teilen der Welt verschiedener soziokultureller Herkunft.

Anliegen sei es, sich kritisch mit der Gesellschaft sowie dem Thema Freiheit auseinanderzusetzen. Dies habe der Theologe Martin Luther (1483-1546) auch vor 500 Jahren mit seinen 95 Thesen getan, die Auslöser für die weltweite Reformation von Kirche und Gesellschaft waren. "Die kritische Haltung von Künstlern ist heute in einer Welt, in der Pluralität, Demokratie, Freiheit und Gleichberechtigung auf dem Prüfstand stehen, für unsere Gesellschaft zentraler denn je", erklärte das international besetzte Kuratorium der Schau.

So hat der chinesische Menschenrechtler Ai Weiwei in einer Zelle seine eigene Inhaftierung mit der Arbeit an einem Betonblock zum Thema gemacht. Der als Skandalkünstler bekannte Meese schuf eine überbordende, manifesthafte Gesamtinstallation aus Wandmalerei, Plastik und Multimedia. Lüpertz erklärte, Luther sei für ihn "in seiner ganzen Angreifbarkeit ein Heros".

Die Wittenberger Schau ist bis 17. September zu sehen. Sie gehört zum Programm "500 Jahre Reformation 2017" in Deutschland. Eigens für die Ausstellung wurde das Ex-Gefängnis als Kunstmuseum in Stand gesetzt. In dem Gebäude saß den Angaben zufolge vor 50 Jahre der letzte Häftling ein.

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