Ein Brite in Nashville

Robyn Hitchcock erfindet sich immer wieder neu

Intellektueller Pop: Robyn Hitchcock.

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Intellektueller Pop: Robyn Hitchcock.

Er selbst sieht sich als "Zug mit vielen Abteilen". Robyn Hitchcock ist lange dabei, und legt jetzt ein starkes Album vor.

Berlin. Er ist seit über vierzig Jahren im Musikgeschäft unterwegs, der britische Singer/Songwriter Robyn Hitchcock hat alle Höhen und Tiefen des Künstlerlebens überstanden. Lange Jahre stand der gebürtige Londoner mit seiner Band "The Soft Boys" auf der Bühne, ohne aber den ganz großen Durchbruch zu schaffen.

Als Geheimtipp für eine überschaubare Schar von Fans gilt Hitchcock immer noch, durchaus zu Unrecht. Jetzt legt der Brite, der seine Albumcover gerne selbst gestaltet, sein neues, selbstbetiteltes Album vor, das immerhin 21. in einer langen Karriere. Und ganz klar eines seiner besten seit vielen Jahren.

Das neue Werk sei "a summary of my career", sagte Hitchcock dem Deutschlandradio Kultur, eine Zusammenfassung, die alle Stärken dieses vielseitigen Mannes aufscheinen lässt. Hitchcock ist vor einigen Jahren nach Nashville gezogen, ist mittlerweile bestens vernetzt in der dortigen Szene etabliert und hat sich für sein Album Schützenhilfe geholt von Leuten wie Wilco-Gitarrist Pat Sansone, der Countrysängerin Emma Swift oder dem Multiinstrumentalisten Grant Lee Phillips.

So ist im Studio in Nashville ein schöner, ausgereifter Sound zwischen Pop, Rock und einer Prise Psychedelic entstanden. Dazu kommen Hitchcocks Songtexte, die alles andere als Dutzendware sind. In "Virginia Woolf" denkt Hitchcock sehr einfühlsam über den Freitod von Autoren wie Virginia Woolf und Sylvia Plath nach, auch andere Songs wie "Mad Shelley's Letterbox" drehen sich um die Sinnsuche von Künstlern und die Möglichkeit des Scheiterns. Bei Hitchcock liegt die Literatur in der Familie, sein 1992 gestorbener Vater Raymond war Schriftsteller. In dem bewegenden Song "Raymond and the Wires" erinnnert sich Robyn an seine Kindheit und seinen "lonesome dad".

Aber wehleidig oder retrospektiv klingt das alles nicht, auch ein scheinbar nostalgischer Song wie "1970 in Aspik" bewahrt sich seinen intellektuellen Biss, eine Eigenschaft, die im heutigen Musik-Business doch eher selten zu finden ist. Richtige schöne Popsongs mit leicht psychedelischem Westcoast-Einschlag hat Hitchcock auch mit im Gepäck, wie das fünfminütige "Autumn Sunglasses" beweist. Und zum Abschluss rockt Robyn mit "Time Coast" noch mal richtig ab.

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