König von Hamburg

Sechs Richtige: "360 Grad" von Lotto King Karl

Lotto King Karl hat am Wochehende mit seinem Auftritt im Stadtpark die Open Air Saison in Hamburg eröffnet.

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Lotto King Karl hat am Wochehende mit seinem Auftritt im Stadtpark die Open Air Saison in Hamburg eröffnet.

Lotto King Karl hatte alle Hände voll zu tun, deshalb dauerte es sechs Jahre, bis wieder ein neues Album der Hamburger Ikone erschienen ist. Das Warten aber hat sich volles Rooäää gelohnt.

Berlin. Lotto King Karl zum ESC? Ja, warum nicht? Jetzt, wo nach dem erneuten Debakel eifrig neue Ideen, Konzepte und Musik gesucht werden. Immerhin hat es der Hamburger vor einigen Jahren schon mal versucht, musste sich beim Vorentscheid aber Stefan Raab mit "Wadde hadde dudde da?" beugen.

Genug tolle Songs hätte Lotto King Karl im Angebot, wovon man sich auf seinem neuen Album "360 Grad" überzeugen kann. Nach einer sechsjährigen Pause können sich seine Fans jetzt wieder ins Lottofieber stürzen. 16 Lieder über das Leben, die Liebe und den Tod. Mal sinnreich, mal sinnfrei. Mal wehmütig, mal hoffnungsfroh.

Auch auf "360 Grad" schlägt Lotto King Karls Herz wieder heftig für Hamburg - zuverlässig liefert der Barmbeker seit über 20 Jahren den Soundtrack für die Hansestadt. Und der ist diesmal durchaus ein wenig sentimental geraten.

"100.000 Nächte" etwa ist eine Reise durch die Tanz- und Kneipenkultur der 80er Jahre zwischen Bermuda-Dreieck (Subito, Kir, Luxor) und dem Madhouse: "Tequila-Flens gegen Abstinenz" singt er über die feucht-fröhlichen Nächte der Hamburger Szene. Und den HSV schmuggelt er auch noch mit rein, der damals noch "'ne Hand an der Schale" hatte. Lang ist es her...

Ist die Zeit des Feierns damit vorbei? Keineswegs: "Ich hau' mir heut die Hucke voll/Denn im Himmel gibt's keinen Alkohol", singt er gleich im Song danach. Die alten Helden sind also noch nicht müde, denn "dieses Leben ist 'ne 1".

Noch 'ne Liebeserklärung? "Und wenn ich den Michel wieder seh', bin ich wieder zu Haus'!", singt Lotto King Karl in dem orgeligen Pop-Rock-Song "Nichts so schön wie hier". Folk, Country und ein bisschen Elektro hat Lotto King Karl auf dem ganz entspannten Album, durch das auch schon mal ein Saxophon weht, auch noch im Gepäck. Trinkselige Gassenhauer treffen auf smarte Milieuschilderungen, überdrehter Aberwitz auf sinnliche Poesie, Barbie auf "Eier Carl" und Elvis auf Manuel Neuer. "360 Grad" - eine runde Sache.

Mit einer wehmütigen Country-Ballade klingt das Album aus. Das Lied "Hermann" hat der Stadionsprecher beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV, der Heimspiele stets mit der Fußballversion von "Hamburg, meine Perle" einläutet, einer HSV-Ikone gewidmet - dem 2014 gestorbenen Kultmasseur Hermann Rieger. "Das war mir ein persönliches Anliegen", sagte der Musiker. "Hermann war mit uns auf Tour, mit uns auf der Bühne, er hat bei über 100 Konzerten mitgemacht."

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