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Zaun an Zaun

Kenan (Adnan Maral) ist nicht ganz unschuldig daran, dass es bei Lissi (Esther Schweins) gebrannt hat. Nun bietet er seiner Nachbarin Unterschlupf in seinem Haus an.

Foto: dpa

Kenan (Adnan Maral) ist nicht ganz unschuldig daran, dass es bei Lissi (Esther Schweins) gebrannt hat. Nun bietet er seiner Nachbarin Unterschlupf in seinem Haus an.

Spießer und Lebenskünstlerin: Lissi und Kenan haben nichts miteinander gemein, außer, dass sie seit Jahren nebeneinander leben. Witzige Nachbarschafts-Komödie mit Esther Schweins.

Berlin. Seit vielen Jahren leben Lissi (Esther Schweins) und Kenan (Adnan Maral) als Nachbarn in einem Doppelhaus. Die Schriftstellerin und der verwitwete Bauleiter piesacken sich über den Gartenzaun. Sie bezeichnet ihn als Spießer.

Ein Feuer bei Lissi verändert plötzlich alles zwischen den beiden. Das Erste strahlt die Komödie "Zaun an Zaun" an diesem Freitag (20.15 Uhr) aus.

Kenan ist Bauleiter und er liebt es, zuhause zu putzen. Akkurat pflegt er die Rosen im Garten und befolgt jede Verkehrsregel - Typ akribischer Kleinbürger. Ein krasser Kontrast zu seiner Vermieterin Lissi, die das Leben etwas lässiger angeht. Sie hat eine Schreibblockade und ist immer noch sauer auf ihren Ex-Mann (Richy Müller), der sie betrogen hat. Dumm nur, dass er zugleich ihr Verleger ist und ihr wegen des nächsten Buches im Nacken sitzt.

Der Film wird vom Sender als Cross-Culture-Komödie bezeichnet. Kenan ist türkischstämmig, Lissi ist Deutsche - in dem Film werden immer wieder kulturelle Gepflogenheiten aufs Korn genommen. Kenan zum Beispiel schenkt seiner Vermieterin einen Mehrfachstecker "made in Germany", als mal wieder der Strom ausfällt. Doch ausgerechnet dieser Stecker ist die Ursache für einen späteren Zimmerbrand. Solche Details werden immer wieder eingestreut.

Als Kenan zufällig von einem Banker erfährt, dass Lissi schon lange nicht mehr die Raten für den Hauskredit abbezahlt hat und ihm deshalb der Auszug drohen könnte, ist er verzweifelt. "Ich wohne seit 15 Jahren hier. Meine Kinder sind hier aufgewachsen. Meine Frau ist hier in diesem Haus gestorben. Ich kann hier nicht weg."

Kenan will jetzt alles dafür tun, dass Lissis Schreibblockade gelöst wird. Sie entgegnet: "Schreiben ist kompliziert. Das ist ein Kampf. Das ist als müsstest du als Ameise versuchen, einen Drachen zu bezwingen."

Nach dem Zimmerbrand kommt sie vorübergehend bei ihm unter, findet aber sein penibles und sauberes Zuhause sehr schräg. "Sind sie so ein stiller Nachbar mit Säurefässern im Keller, in dem sich langsam zersetzende Leichenteile stapeln?"

Witziges Detail: Ein dritter Nachbar steht hin und wieder am Gartenzaun. Ihm schüttet Kenan sein Herz aus, der Nachbar gibt Tipps. Der Mann ist aber nicht zu sehen, sondern nur zu hören.

Weil Kenan gerade Urlaub hat, bietet er Lissi an, ihr Haus zu renovieren. Sie willigt ein. "Aber ohne Sex." Kenan verdreht die Augen.

In einem Schutzanzug begibt er sich in ihr Haus und räumt das Chaos auf. Nach und nach schafft es Lissi, ihre Schreibblockade zu lösen und ihren Liebesroman weiter zu schreiben. An die Liebe glaubt sie aber nicht und bezeichnet das Ganze als Produkt hormoneller Überproduktion. Aus ihr spricht Enttäuschung.

Und dann passiert das: Zwischen Kenan und Lissi entwickelt sich ein Flirt, als er beginnt, ihr Buch gegenzulesen. Das gefällt seinen Kindern gar nicht, weil die doch so gerne eine türkische Frau für ihren Vater hätten.

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