Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 26. Januar 2017

Gabriel will weiter mitmischen

25. Januar: Machtwechsel SPD: Sigmar Gabriel ver­zich­tet auf Kanz­ler­kan­di­da­tur und möchte nun Au­ßen­mi­nis­ter werden. Martin Schulz soll gegen Merkel antreten

Am Ende hat Herr Gabriel lediglich ein aussichtsloses Unterfangen aufgegeben. Kanzler hätte er niemals werden können. Sigmar Gabriel will sich eine krachende Wahlniederlage ersparen, die das Ende seiner politischen Karriere bedeutet hätte. Lieber möchte er weiterhin im Politikgeschäft verbleiben und entsprechende Einkünfte aus dem Staatssäckel erhalten. Mit seinem launenhaften Auftreten als Minister und künftig als Außenminister lässt dies nichts Gutes für Deutschland erwarten. Ob die SPD allerdings beim Wähler mit ihrer Wahl punktet, bleibt abzuwarten.

Peter Groth, Ellerau

Scholz ist kein Lückenbüßer

25. Januar: Bür­ger­meis­ter Olaf Scholz ist Realist – und wartet ab. Der Sozialdemokrat hat nichts gewonnen, aber auch nichts verloren in dieser Runde

Ich bin heilfroh, dass Olaf Scholz bei uns in Hamburg bleibt. Von mir aus noch lange. Warum hätte er den Lückenbüßer geben sollen in einer Sache, die so gut wie aussichtslos ist?

Dr. Heidi Peters, per E-Mail

Rauschen gehört dazu

25. Januar: Post von der Chef­re­dak­tion

Also ich habe meine Plattensammlung und auch die meines verstorbenen Vaters nicht in den Keller verbannt. Mit jeder Schallplatte ist ja auch ein Stück Erinnerung und gelebtes Leben verbunden. Ich denke da insbesondere an die Bourbon Skiffle Company, Lonnie Donegan, Bob Dylan, Pasadena Roof Orches­tra. Auf CDs hat sich diese Musik furchtbar angehört. Ein bisschen Rauschen gehört dazu – das ist stimmungsvoll, denken Sie auch mal an die Schallplatte "Passion" von Rod Stewart. Natürlich habe ich auch viele MC-Kassetten und gut 200 CDs. Musik ist pures Glück. Mein Vater hat nach der Währungs­reform mit Gitarre und Gesang in Gaststätten gespielt. Insofern bin ich der Musik sehr verbunden und auch früh mit Chris Barber und Satchmo in Berührung gekommen. Meine Generation – ich bin 1950 geboren – freut sich bestimmt über die Rückkehr der Vinylschallplatten. Was ist schon ein Stück im PC und die Musikwiedergabe? Vielleicht kommt ja auch die analoge Fotografie bald wieder? Ich freue mich jeden Tag über Ihren Newsletter.

Sylvia Stein, per E-Mail

Mehr Rücksichtnahme

25. Januar: Planten un Blomen wird ,Schutz­zone für Fuß­gän­ger '

Es ist noch nicht allzu lange her, da plante man in Hamburg, die Lange Reihe zu einer Straße für alle Verkehrsteilnehmer zu machen – vom Auto über den Radfahrer bis zum Fußgänger. Inzwischen werden die Radfahrer auf die Fahrstraßen gezwungen und Velorouten geschaffen, auf denen "Fahrrad-Fighter" auf dem Weg ins/vom Büro, ebensolche "E-Bike-Runner" und "food-delivery-Fahrer" mit breiten Thermokästen auf dem Rücken sich gegenseitig übertrumpfen wollen. Das entschleunigte schlichte Radfahren bleibt so zunehmend auf der Strecke, von der signifikanten Zunahme von Radunfällen ganz zu schweigen. Breite Wege längs der Alster, durch den Stadtpark oder eben in den weitläufigen Wallanlagen werden dagegen zu "Schutzzonen für Fußgänger" und schwitzende Jogger deklariert. Wie wär's denn mit mehr gegenseitiger Rücksichtnahme und im Zweifel mit Tempo 15 oder so in "Schutzzonen für Fußgänger" und anderswo auch?

Ulrich Reppenhagen, per E-Mail

Bildungssystem macht mutlos

24. Januar: Jeder fünfte Hamburger trinkt zu viel Alkohol. Neue Suchtstudie. Immer weniger Raucher, aber hoher Cannabis-Konsum

Es erstaunt mich sehr, dass der Hamburger Senat erst eine Studie mit Steuergeldern erstellen lassen muss, obwohl seit Jahren die längsten Regale in den Discountern die mit Wein und hochpro­zentigen Spirituosen sind. Bei meinem Einkauf in den Lebensmittelgeschäften liegen vor und hinter mir fast immer Wein-, Wodka- und Branntweinflaschen anderer Kunden mit auf dem Förderband. Ich bin davon überzeugt, dass unser rot-grünes Bildungs- und Sozialsystem die Menschen mutlos macht und in die Sucht treibt. Schon in den Schulen haben die Kinder keine echten Erfolgserlebnisse mehr, weil sie nur noch nachmachen müssen, statt selber zu denken. Die Denk- und Lernanforderungen wurden ideologisch auf fast null abgesenkt und haben so unendlich Frust erzeugt. Später gibt es ganz leicht Sozialleistungen, aber keinerlei Ermutigungen, die zu Stolz führen könnten. Diese Suchtpro­blematik ist politisch verursacht.

Kay Bauer, per E-Mail

Erfolge beflügeln das Hirn

24. Januar: Soziale Herkunft prägt den Ler­ner­folg. Schülervergleichsstudie Kermit belegt große Unterschiede. Problemfach Nummer eins in Hamburg ist erneut Mathematik

Gerade weil die Leistungsunterschiede schon in Klasse drei so groß sind, macht es Sinn, unser altes Lehr- und Schulsystem einmal auf den Prüfstand zu stellen, das mehr oder weniger eine homogene Schülerschaft voraussetzt. Statt die De­fizite ständig zu beklagen, sollten wir lieber­ ein System installieren, das die Heterogenität als Vielfalt und Chance wahrnimmt. Statt teurer Lernstands­erhebungen, die seit Jahren alle ergeben, dass Schüler aus sozial schwachen Schichten geringere Schulleistungen erbringen, könnte man gemeinsam mit der Hirnforschung nach Wegen suchen, wie alle Schülerinnen und Schüler zu Lernerfolgen gebracht werden. Erfolge beflügeln nämlich das Hirn zu wachsen. Was besonders pikant bleibt: Mängel und Defizite werden immer nur den einzelnen Schülern angelastet, keineswegs liegt es am untauglichen System. Oder eben doch?

Viola Kleffel, Hamburg

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