Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. Februar 2017

Antiquierte Vorstellungen

14. Februar: Viele Richter sind unmotiviert. Buch untersucht Verzögerungen in der Justiz: Beamtenmäßiges Arbeitsverständnis

Dieser Aussage kann ich nur vehement widersprechen. Ohne den überobligatorischen Einsatz der Richterinnen und Richter, ihr hohes Arbeitsethos und Verantwortungsbewusstsein wäre das Landgericht Hamburg bei seiner in allen Bereichen viel zu knappen Personalausstattung längst in die Knie gegangen. Seit Jahren schon stellt die hamburgische Justiz die juristische Crème de la Crème ein. Glauben Sie wirklich, dass diese hoch kompetenten und motivierten Kollegen es an einer effizienten Arbeitsweise fehlen lassen? Das Gegenteil ist der Fall, wie mir auch immer wieder aus der Anwaltschaft bestätigt wird. Bei allem Verständnis dafür, dass Autoren ihre Bücher mithilfe reißerischer Aussagen verkaufen wollen: Hier handelt es sich um antiquierte Vorstellungen, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben und sowohl Richter als auch Beamte, deren Arbeitsverständnis in unzulässiger Weise pauschal herabgewürdigt wird, diskreditieren.

Sibylle Umlauf,

Präsidentin des Landgerichts Hamburg

Berechtigte Kritik

15. Februar: Müll auf Hamburgs Straßen – so viele Be­schwer­den wie seit Jahren nicht

Die Kritik ist berechtigt. Jedoch nicht wegen der Stadtreinigung. Der Grund liegt doch eher bei einigen Mitbürgern, die aus Nachlässigkeit ihren Müll, egal welcher Art, auf den Straßen entsorgen. Da sollte man etwas mehr Achtsamkeit walten lassen, dann gäbe es auch weniger Müll.

Dieter Knüppel, Hamburg-Barsbüttel

Müll zwischen geparkten Autos

Die Stadtreinigung redet das Thema schön. Statt auf einen ominösen Sauberkeits-Level zu schauen, sollte sie mal in die Straßen gehen und stichprobenweise den horrenden Dreck registrieren. Jahrealter Müll liegt zusammen mit jahre­altem verklebten Laub zwischen geparkten Autos. Gern lade ich die Herrschaften von der Stadtreinigung zu einem Rundgang in Eppendorf ein.

Dieter Brandes, Hamburg

Schuld der Wegwerfgesellschaft

Die zunehmende Vermüllung der Stadt liegt in der Mentalität ihrer Bewohner begründet: Wir leben im wahrsten Sinne des Wortes in einer Wegwerfgesellschaft. Auch die zusätzlichen Straßenfeger und Papierkörbe werden daran nichts ändern. Selbst wenn ein Papierkorb nur wenige Meter entfernt ist, landet der Abfall in Form von Tempotüchern, Zigarettenpackungen usw. in der Regel auf der Straße – wer macht sich in unserer schnelllebigen Zeit schon die Mühe, zehn Meter unnütz zu gehen. Das größte Ärgernis sind die Coffee-to-go-Pappbecher – die verschandeln das Stadtbild in zunehmendem Maße. Hier muss ganz schnell ein Becherpfand von mindestens einem Euro eingeführt werden, dann wird sich die Anzahl spürbar verringern. Ein weiteres Unding ist, dass der Gesetzgeber grundsätzlich pfandpflichtige Dosen vorschreibt, es aber in zunehmendem Maße skrupellose Geschäftemacher gibt, die dieses Pfand erfolgreich umgehen und Dosen aus dem Ausland anbieten, die dann ebenfalls wieder auf der Straße landen. Und was macht der Gesetzgeber dagegen? Nichts. Wie sagte Ex-Bundespräsident Herzog so richtig: Durch unsere Gesellschaft muss ein Ruck gehen.

Helmut Jung, Hamburg

Steuern zurück

14. Februar: Zitat des Tages und Quer­schläger zum aktuellen Ticketverkauf der Elbphilharmonie

Ich möchte mich nicht auf Platz 4658 der Warteliste befinden, und ich wünsche auch keine Audienz beim Papst. Ich möchte nur eine Karte für die Elbphilharmonie. Sollte dies nicht möglich sein, dann möchte ich meinen – in der Elbphilharmonie – verbauten Steueranteil zurück.

Lothar Gomse, per E-Mail

Absturz führt zu großem Unmut

14. Februar: Elbphilharmonie-Karten: Aus­ver­kauft nach 28 Minuten

Wie oft müssen Website/Server der Elbphilharmonie noch wegen Überlastung abstürzen, bis die Verantwortlichen tätig werden? Das sollte doch nach dem ersten Ansturm im Oktober 2016 klar sein, dass die Seite so nur zu großem Unmut führt. Ein Beispiel: Am 15.2.2017 mit mehreren Freunden, alle im Urlaub, vor den iPads gesessen und über eineinhalb Stunden versucht, Karten zu bekommen. Was für eine Freude, siebenmal waren wir so weit, dass wir uns Sitzplätze aussuchen durften. Klasse, und was passiert? Man fliegt raus. Diese Website ist einem Konzerthaus von Weltrang nicht würdig und schadet dem Ansehen der Stadt. Erst dauert es Jahre, bis das Haus fertig ist, und dann schaffen es die Verantwortlichen nicht, eine anständige Website aufzubauen, die dem zu erwartenden Ansturm gerecht wird. Senator Carsten Brosda, bitte machen Sie das zur Chefsache.

Lutz Johannsen, per E-Mail

Gerichtliches Trauerspiel

10. Februar: Diese Pflanze blockiert die Elbvertiefung

Umwelt- und Naturschutz sollen eine hohe Priorität haben, aber dass zum Schutz des Schierlings-Wasserfenchels die Elbvertiefung verhindert wird, ist ein gerichtliches Trauerspiel. Von der Funktionalität des Hamburger Hafens hängt der wirtschaftliche Erfolg einer ganzen Region ab. Arbeitsplätze geraten in Gefahr, wenn Schiffe Hamburg nicht mehr anlaufen können und Wilhelmshaven als Alternative angedacht wird. Der wirtschaftliche Niedergang einer Metropolregion darf doch nicht wegen Pflanzenschutz riskiert werden. Der Fenchel lebt, und ich bin arbeitslos? Perverse Konstellation.

Dietmar Johnen-Kluge, per E-Mail

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