Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. März 2017

Respekt, Frau Merkel!

18./19. März: Im Oval Office bleibt der Hand­schlag aus. Merkel traf in Wa­shing­ton erstmals US-Prä­­si­­dent Trump

Donald Trump hat schon in der Vergangenheit, insbesondere in seinem Wahlkampf, bewiesen, dass er keine Manieren kennt und sich überwiegend wie ein Elefant im Porzellanladen benimmt. Die ihn besuchenden Politiker müssen notgedrungen gute Miene zum bösen Spiel machen, denn schließlich ist dieser Mann als Präsident der Vereinigten Staaten der mächtigste Mann der Welt. Frau Merkel kann man nur Respekt zollen: In Anbetracht dieser Umstände hat sie ihren ersten Besuch bei Trump gut gemeistert. Man kann nicht verstehen, wie es diesem Haudrauf-Typen gelingen konnte, so viele Wählerstimmen zu erhalten, die Bevölkerung hat sich offensichtlich blenden lassen und erlebt nun ihr böses Erwachen. Gerade die kleinen Leute erhalten jetzt ihre Quittung in Form von Wegfall der Krankenversicherung und Kürzung der Sozialleistungen zugunsten des Verteidigungshaushalts. Man kann nur hoffen, dass die Bevölkerung lernfähig ist und diesen Macho-Präsidenten in vier Jahren wieder abwählt.

Helmut Jung, Hamburg

Schneeball in meinen Träumen

17. März: Steinewerfer droht vor Gericht. Angeklagter verursachte schweren Unfall

Das Schicksal der Familie Öztürk geht mir sehr nahe. Denn nur wenige Wochen ist es her, dass Kinder von einer Brücke auf das Auto meines Mannes einen mit Steinchen verbackenen Schneeball warfen. Er traf mit lautem Knall. Außer dem Schrecken ist uns nichts passiert. Glück gehabt? Ja und nein, in meinen Träumen zerplatzt der Schneeball noch immer oft direkt vor mir an der Scheibe, und ich schrecke aus dem Schlaf hoch. 35.000 Euro Nachbarschaftshilfe für die Familie Öztürk sind großartig, aber reichen längst nicht für einen behindertengerechten Bungalow.

Dr. Irene Strenge, Hamburg

Der Freie und der Knecht

17. März: Gastbeitrag von Strafverteidiger Gerhard Strate Wie Erdogan die deutsche Sou­ve­rä­ni­tät un­ter­gräbt

Der Gastbeitrag von Dr. Strate spricht mir aus der Seele. Endlich einmal ein Jurist, der die Dinge beim Namen nennt. Warum nur hält unsere Regierung so still, lässt alle Demütigungen über sich ergehen? Dazu passt ein Wort unseres Heimatdichters Theodor Storm: "Der eine fragt: Was kommt danach? Der an­dre fragt nur: Ist es recht? Und also unterscheidet sich der Freie von dem Knecht". Seine Worte sind auch heute noch gültig – oder?

Hans-Joachim Münster, per E-Mail

Klare Reaktionen

Herr Strate spricht der überwiegenden – leider stillen – Mehrheit unserer Bevölkerung aus der Seele. Es ist zum Verzweifeln mit unserer laschen und entschlussschwachen Regierung. So wie die Niederländer mit der Türkei umgegangen sind, d. h. klare Reaktionen auf die unverschämten Anfeindungen der türkischen Regierung und deren Unterstützern, ist genau das, was auch in Deutschland passieren sollte. Haben wir es nötig, uns von einigen Geschichtsresistenten derart vorführen zu lassen, wie Erdogan und seine Helfer es zurzeit betreiben? Die Zielrichtung des türkischen Größenwahns ist leicht durchschaubar, aber vermutlich nicht von unseren Regierungsorganen. Den Ärger auszusitzen, was Merkel/Gabriel und andere Volksvertreter so gern praktizieren, verschlimmert nur die Situation. Wann bietet Deutschland Erdogan und Co. ein deutliches "Bis hierher und nicht weiter" und vereinbart bei weiteren Beleidigungen Gegenmaßnahmen? Ich habe das Gefühl, dass wir Deutschen uns in eine Opferrolle gebracht haben und nicht wissen, wie wir uns gegenüber der türkischen Regierung verhalten sollen. Die EU sollte mit allen Drohungen, wie zum Beispiel der Aufkündigung des Flüchtlingsdeals etc., wirkungsvoll umgehen. Ich kann den Herrschaften in Berlin nur empfehlen: Hört auf das Volk.

Chris Ueltzen, per E-Mail

Raum für scharfsinnige Analyse

Donnerwetter, Abendblatt! Dass Sie dieser brillanten, höchst kritischen Beschreibung des Zustands unserer staatlichen Souveränität von Gerhard Strate so viel Raum geben, finde ich bemerkenswert, enthält diese scharfsinnige Analyse doch äußerst scharfe Kritik an denen, die derzeit die Politik bestimmen. So nennt Strate im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise es den "Sündenfall wider die eigene Souveränität", den "Grenzschutz aus der Hand zu geben". Er spricht auch von "reiner Ignoranz" in Europa. Das Thema ist wahrhaftig von überregionaler, allgemeiner politischer Bedeutung, geht es doch immerhin um die Sorgen, die man sich um den Zustand unserer Souveränität machen muss.

Jochim Trede, per E-Mail

Förderung zu spät erkannt

17. März: Wenn die SIM-Karte den
Mo­tor­rol­ler steuert

Die Argumente des Vodafone-Chefs sind schlüssig und einleuchtend. Dabei geht es nicht nur um den Sättigungsgrad beim Einsatz von SIM-Karten. Herr Ametsreiter lenkt zu Recht den Fokus auf die Beschaffenheit deutscher Festnetzinfrastruktur. Mit der steht es offenkundig nicht zum Besten. Warum sehen wir hier im internationalen Vergleich so erbarmungswürdig aus? Offenbar wurde bei dieser Schlüsseltechnologie die Förderungsnotwendigkeit zu spät erkannt und das Setzen von Anreizen zu lange verschleppt. Hat die Lobby geschlafen? Wie heißt es so schön: Der Mensch ist so alt wie seine Gefäße. O.­ k., das ist so. Und ein Export-Weltmeister ist digital so zukunftsfähig wie die Qualität seiner Datennetze. Auch das Präventionsgebot für deutsche Firmen bei der Abwehr von Missbrauch durch Hackerangriffe ist hinterfragungswürdig. Bei der rasant wachsenden Vernetzung der Dinge sind rechtzeitige Schutzmaßnahmen aktueller denn je und bekanntlich nicht nur vereinzelt überfällig.

Peter Hülcker, Norderstedt

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