Meinung
Kommentar

Ein erster Erfolg

Aber beim Turbo-Abi sind noch viele Fragen offen

Das ist endlich eine gute Nachricht für Hamburgs Schüler und ihre Lehrer: Statt immer nur zu hören, dass sie in bundesweiten Leistungsvergleichen weit hinten rangieren, gibt es nun einen wissenschaftlichen Beleg, dass das Turbo-Abi am Gymnasium eine leichte Verbesserung der Leistungen in Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften bringt.

Die differenzierte Betrachtung führt zwar dazu, dass es auch Teilbereiche gibt, in denen die Schüler, die neun statt acht Jahre Zeit bis zum Abitur hatten, leicht vorne liegen.

Für die Befürworter der lange umstrittenen Schulzeitverkürzung am Gymnasium ist aber schon allein die Tatsache, dass es keinen massiven Leistungseinbruch gegeben hat, ein Erfolg. Genau das war angesichts des gestiegenen Zeitdrucks befürchtet worden. Und der Erfolg wird noch erstaunlicher, wenn man berücksichtigt, dass seit 2005 die Zahl der Abiturienten um ein Drittel gestiegen ist.

Vieles spricht daher dafür, dass die 2009 im Zuge der Profil-Oberstufe eingeführte Stärkung der Kernfächer Englisch, Mathematik und Deutsch bis zum Abitur, die alle Schüler seitdem durchgängig belegen müssen, erste Erfolge zeigt.

Ist das Turbo-Abi angesichts der überwiegend positiven Testergebnisse nun als Erfolg zu werten? Nein, dazu ist es zu früh, weil wichtige Faktoren fehlen, die für eine Gesamtbetrachtung erforderlich sind. Die jetzt vorgestellte Studie hat nicht die Schüler im Blick, die wegen des zu starken Leistungs- und Zeitdrucks die Gymnasien freiwillig verlassen haben oder verlassen mussten.

Zweitens fehlt die Analyse der Rahmenbedingungen: Wie stark sind die Schüler durch die Komprimierung der Lernzeit belastet, auch weil zum Beispiel ein Ausgleich durch Sport oder Musizieren fehlt?

Und schließlich: Wie sieht es mit der Allgemeinbildung, der vertieften Kenntnis in anderen Fächern, aber auch mit sogenannten weichen Faktoren wie der sozialen Kompetenz oder der Teamfähigkeit aus? Erst wenn es zufriedenstellende Antworten auch auf diese Fragen geben sollte, lässt sich das Projekt Schulzeitverkürzung seriös beurteilen.

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