Meinung
Kommentar

Entwarnung ist nicht angesagt

An Hamburgs Schulen gibt es zu viele Gewalttaten

Keine der Zahlen, die der SPD-geführte Senat jetzt zur Entwicklung von Gewaltdelikten an Hamburger Schulen mitgeteilt hat, kann Eltern oder Lehrer, die ja auch Opfer werden, beruhigen. Die Gesamtzahl registrierter Taten von Schülern ist erneut gestiegen – um fast 14 Prozent. Das ist schlimm genug. Schwere Delikte wie Raub, Erpressung und schwere Körperverletzung haben zugenommen, wenn auch nur leicht, Schubsereien und Rangeleien dagegen stark. Entwarnung ist also keinesfalls angesagt. Besonders bedrückend ist, dass Gewalt unter Schülern und gegen die Lehrer schon an den Grundschulen ein nicht mehr zu ignorierendes Thema ist.

Es war richtig, dass der schwarz-grüne Senat 2009 die Meldepflicht für Übergriffe von Schülern eingeführt hat. Damit war der jahrelang verbreiteten Neigung an Schulen, eher zu verschweigen, was zu verschweigen ist, um das eigene Image nicht zu gefährden, ein wirksamer Riegel vorgeschoben. Die jährlich abgefragten Zahlen zu Gewalt an Schulen haben das Dunkelfeld endlich erhellt. Das darf nun umgekehrt nicht dazu führen, insgesamt ein Horrorgemälde zu entwerfen. Es gibt einzelne Taten und Tatversuche, die fassungslos machen. Sie lassen sich durch noch so kluge Politik nicht völlig verhindern.

Erwarten muss man hingegen von Senat und Bürgerschaft eine wirksame Strategie, um den negativen Trend zu stoppen und umzukehren. Ein Abbau präventiver Maßnahmen wäre mit Sicherheit der falsche Weg. Zu fragen ist aber auch, ob wir genug über die Gründe für ein verändertes Gewaltverhalten besonders von Jungen wissen. Das wäre die Voraussetzung für ein Anti-Gewalt-Konzept.

Unabhängig davon muss jede Schule selbst, müssen alle Kollegien, aber auch Eltern und Schüler eine Kultur des Hinschauens entwickeln. Viele Schulen haben sich längst auf den Weg gemacht. Es gibt Hausordnungen, die Gewalt in jeder Form ächten. Und es gibt Schulen, die es erreicht haben, ihre Schüler für das Einhalten dieser Regeln zu begeistern, und so ein friedliches Klima des gegenseitigen Verstehens geschaffen haben. Dies ist gerade dort wichtig, wo unterschiedliche Kulturen und Traditionen aufeinanderstoßen.

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