Meinung
Kommentar

Priorität für die Rechtschreibung

Foto: Andreas Laible,Andreas Laible / A.Laible

Nötig ist vor allem auch ein Wandel des Bewusstseins

Der Befund ist so eindeutig wie dramatisch: Die Schüler beherrschen die Rechtschreibung bei Weitem nicht mehr so sicher wie in früheren Jahrzehnten. Unternehmen und Betriebe beklagen die zum Teil erheblichen Schwächen von Lehrstellenbewerbern auf diesem Feld. Das ist nicht nur in Hamburg so, aber eben auch hier.

Die Maßnahmen, mit denen Schulsenator Ties Rabe (SPD) das korrekte Schreiben an Schulen nun stärken will, sind richtige Schritte. Ein verbindlicher Kernwortschatz, den Jungen und Mädchen am Ende der vierten Klasse sicher beherrschen sollen, gibt den Schulen eine klare Zielorientierung vor. Eine jährliche Überprüfung des Lernstandes mittels Diktaten auch in der Mittelstufe liefert den Lehrern Hinweise darauf, bei wem noch Defizite bestehen. Denn eines wird in der insgesamt doch recht aufgeregt geführten öffentlichen Debatte – "Rechtschreibkatastrophe" titelte der "Spiegel" vor einem halben Jahr – leicht übersehen: Richtiges Schreiben ist keinesfalls nur eine Aufgabe der Grundschule. Die Pflege dieses Basiswissens ist gewissermaßen eine schulische Daueraufgabe. Das schließt ein: Nicht nur im Fach Deutsch, in allen Fächern, in denen Schüler schreiben, muss ein Augenmerk auf die Rechtschreibung gelegt werden.

Es erscheint aus heutiger Sicht kaum mehr sinnvoll, die Erst- und Zweitklässler zunächst einmal vom Lehrer unkorrigiert drauflosschreiben zu lassen, wie sie die Wörter gerade hören und verstehen. Diese Methode mag begabten Schülern nicht schaden, viele wird sie eher verwirren. Dabei wäre es pragmatisch und konsequent, die endlosen Methodendebatten endlich zu den Akten zu legen und sich auf Bewährtes zu konzentrieren. Dazu zählt übrigens auch die beständige Übung des Erlernten.

In Wahrheit ist vor allem ein Bewusstseinswandel bei Pädagogen und an Schulen erforderlich, der erfreulicherweise hier und da schon eingesetzt hat. Lange galt korrektes Schreiben als eher zweitrangig, Fehler wurden gar als lässliche Defizite angesehen. Mit Folgen: Wer als Vater oder Mutter ein Kind durch die Schuljahre begleitet, ist manchmal erschrocken über die Rechtschreib- und Kommafehler in Texten von Lehrern ...

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