Meinung
Kommentar

Der Hafen als Dreckschleuder

Jens Meyer-Wellmann

Foto: Bertold Fabricius

Jens Meyer-Wellmann

Wir brauchen endlich hohe Umweltstandards für Schiffe

Wer einmal durch Peking oder andere Metropolen in Asien oder Afrika gelaufen ist, wird sich über die Qualität der Luft in Hamburg nicht so schnell beschweren. Die Umweltbelastungen haben sich hier in den vergangenen Jahrzehnten deutlich reduziert. Wir haben dafür gesorgt, dass Lkw und Pkw weniger Gift ausstoßen und die Indus­trie moderne Filter verwendet. Dass die Luft gleichwohl noch immer stark belastet ist, zeigt das EU-Verfahren gegen Deutschland wegen zu hoher Stickoxid-Werte in Metropolen wie Hamburg. Wenig beruhigend sind auch Zahlen, wonach 400.000 Todesfälle in Europa auf Atemgifte aus Industrie, Auto- und Schiffsverkehr zurückzuführen sind.

Gerade den Schiffsverkehr haben wir beim Umwelt- und Gesundheitsschutz lange Zeit vergessen. Deswegen stoßen selbst moderne Schiffe proportional mehr Gift aus als Autos – auch weil sie nicht mit Rußfiltern ausgestattet sind, wie sie bei Pkw Standard sind. Ist ja egal, was über den Weltmeeren für Gift rausgepustet wird: So hat man lange gedacht. In Wahrheit fahren die Dreckschleudern der Seeschifffahrt aber mitten durch unsere Stadt – und hinterlassen ihre Spuren in den Lungen der Menschen. Das ist in wenigen Städten so offensichtlich wie in Hamburg. Umso erstaunlicher, dass auch wir das Thema lange ignoriert haben und es im Hafen nicht einmal eine Messstation für die Luftbelastung gibt.

Die neueste Studie zu Schiffsabgasen unterstreicht: Wir brauchen endlich Umweltstandards für Seeschiffe, die denen für Autos vergleichbar sind. Die kann Hamburg zwar weder selbst durchsetzen noch im Alleingang ohne Wettbewerbsnachteile einführen. Die Stadt aber kann auf allen Ebenen darauf drängen. Und sie kann selbst viel tun: Hamburg sollte als Erstes dafür sorgen, dass die eigenen Schlepper und Fähren mit Rußfiltern ausgestattet werden, dass der Hafen eine Luftmessstation bekommt – und die Strafen für Luftverschmutzung so ausfallen, dass sie Reedern und Kapitänen richtig wehtun und auch durchgesetzt werden. Dass der Kapitän der "YM Utmost", die im Oktober eine riesige Rußwolke über Hamburg hinterlassen hat, bis heute nicht belangt wurde, ist in diesem Zusammenhang kein gutes Zeichen.

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