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Evergreen Gitte Hænning singt in Ahrensburg

Lebenslange Arbeit an dem, was man liebt, scheint jung zu erhalten: Gitte Hænning in einer Foto-Inszenierung von Jim Rakete

Foto: Jim Rakete / HA

Lebenslange Arbeit an dem, was man liebt, scheint jung zu erhalten: Gitte Hænning in einer Foto-Inszenierung von Jim Rakete

Das Abendblatt hat vor ihrem Auftritt am Sonnabend im Alfred-Rust-Saal mit der dänischen Künstlerin gesprochen.

Ahrensburg.  Ob der Auftritt am 25. März im Alfred-Rust-Saal ihr Debüt in Ahrensburg ist, das kann Gitte Hænning nicht beantworten. "Da bin ich überfragt. Ich weiß nur, dass ich überall schon war", sagt sie mit spöttischem Unterton. Leider sitzt sie dabei am Telefon in ihrer Wahlheimat Berlin, so dass dem Gesprächspartner vermutlich ein ironisch-blitzender Blick entgeht.

Eines kann sie jedoch mit Sicherheit sagen: Der Veranstaltungsort – sie wählt das englische Wort ,venue' – wird ihren Wünschen entsprechen, weil ihr Management weiß, was Gitte schätzt. "Es liegt in meinem Interesse, kleinere gute ,Venues' zu bespielen, Theater zum Beispiel, wo wir näher am Publikum sind und es in unserer eigenen Regie liegt, eine intime Atmosphäre zu erzeugen", sagt sie und fügt hinzu: "Es muss persönlich sein, ich muss mich wohlfühlen, dann verliere ich nicht die Liebe zu den Inhalten."

Die Inhalte, das sind Songs aus einer langen Karriere, begonnen 1954 als acht Jahre alte Sängerin an der Seite ihres Vaters, des dänischen Gesangslehrers und Liedermachers Otto Johansson. In den 60er-Jahren machte Gitte als Schlagerstar mit Hits wie "Ich will 'nen Cowboy als Mann" in Deutschland Karriere, und

: anspruchsvolle Popsongs, Blues, Soul und Jazz.

Der "Cowboy" aus dem Jahr 1963 tritt als Selbstparodie auf

Es spricht für die Qualität ihrer Songs, dass sie in aktuellen Programmen auf Altbewährtes aus dem Riesenfundus zurückgreift, gern auch mit neuem Zugang. Für Ahrensburg kündigt sie zwei Sets an: zunächst deutsche Lieder, darunter auch ihren "Cowboy" von 1963, den sie in einer überdrehten Selbstparodie präsentieret, ebenso verjazzt wie die Hits "Lampenfieber" und "Aufwärts". Nach der Pause folgen Jazz-Arrangements in englischer Sprache.

Gitte Hænning ist sich sicher, dass bei dieser Mischung für jeden etwas dabei sein wird. Ihr selbst sind Genre-Grenzen fremd. "Da halte ich es mit Leonard Bernstein: Es gibt nicht E und U, sondern nur gute und schlechte Musik." Der Titel ihres aktuellen Programms unterstreicht, dass sie von all dem, was sie macht, auch wirklich überzeugt ist: "All by Myself".

Die Liebe zum Jazz hat sie früh verinnerlicht. "Ich hatte das große Glück, von Kindesbeinen an unfassbar tolle Musiker direkt zu erleben und später mit ihnen zu arbeiten. "In klassischen Konzerten fühlte ich mich unwohl. Still zu sitzen fiel mir schwer. Ich bin ein rhythmischer Mensch, deshalb passe ich gut zum Jazz", sagt sie.

Eine Lebensaufgabe, sich in der Musik von Zwängen zu befreien

Gitte Hænning lebte den Jazz . Sie war jahrelang mit dem legendären Bassisten Niels-Henning Ørsted Pedersen liiert ("wir waren ein so süßes Paar, beide 17 Jahre alt, damals in Kopenhagen"). Ihr gefällt, wie viele Einflüsse und Genres der Jazz aufnimmt, dass er eine so reichhaltige Musik ist, die ebenso intellektuell wie unmittelbar körperlich wirkt. "Jazz schafft Freiheit und Unabhängigkeit." Und das passt ideal zu ihrem eigenen Arbeitsanspruch: "Ich möchte mich nicht wie in einem Gefängnis fühlen. Ich empfinde es als Lebensaufgabe, es mir nicht leicht zu machen und mich von Zwängen zu befreien ." Kurz: "Keine Kompromisse."

Gitte hat zwar nicht nur einen Koffer, sondern eine kleine Bleibe in Berlin. Doch eigentlich sei sie Kosmopolitin, deren Heimat die Musik sei. Sie liebt luxuriöse Hotels und könnte sich vorstellen, ausschließlich dort zu leben. Und sie genießt es, vielsprachig unterwegs zu sein. In ihren Songs erkundet sie die unterschiedlichen Mentalitäten in Sprachen, die sich sehr unterschiedlich für verschiedene musikalische Genres eignen.

Nach ihren eigenen musikalischen Vorlieben gefragt, folgt sofort eine lange Liste, in der sich Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan, Miles Davis, Ray Charles, Strawinsky und Boulez (und viele andere mehr) bunt mischen. Sie lobt aber auch den kürzlich verstorben Roger Cicero, dem es geglückt sei, Jazz und deutsche Sprache überzeugend zu verbinden. Und Gitte erzählt, dass sie sich auch für ganz andere Performances begeistern kann: "Bei der Sendung ,Sing meinen Song' saß ich manchmal wie ein kleines Mädchen dicht vor dem Fernseher." Keine Frage, dass sich ihre eigene Begeisterungsfähigkeit und Wahrhaftigkeit auch am Sonnabend in Ahrensburg übertragen wird.

Gitte Hænning & Band Sa 25.3., 20 Uhr, Alfred-Rust-Saal, Wulfsdorfer Weg 71, es gibt nur noch einzelne Karten, im Online-Ticket-Service und bei Stojan (Hagener Allee 3a)

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