Studie

Jugendliche in Deutschland trinken weniger Alkohol

Marlene Mortler (CSU), Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

Foto: imago stock / imago/Müller-Stauffenberg

Marlene Mortler (CSU), Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

Die Zahl der 12- bis 17-Jährigen, die Alkohol trinken, ging in den letzten Jahren stark zurück. Doch Experten geben keine Entwarnung.

Berlin.  Karl ist 16 Jahre alt, wohnt in einer ostdeutschen Großstadt, hat eine Freundin, spielt Fußball – und er trinkt kaum Alkohol. Er mag weder Bier, noch Wein, schon gar keinen Wodka. "Ich sehe nicht ein", sagt er, "dass etwas mehr Spaß machen soll, nur weil ich Kontrollverlust habe". Es gibt aber an seiner Schule Mitschüler, die schon in der großen Pause etwas trinken. "Nur Bier", sagt Karl. Aber auf Privatfeiern seiner Freunde bekommt jeder Alkohol angeboten. "Ist eben Teil der Kultur."

Jeder Dritte hat noch nie Alkohol getrunken

Karl ist nicht allein in seiner Altersgruppe, die offenbar vorsichtiger umgeht mit der Volksdroge Alkohol. Laut der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, trinken Jugendliche weniger Alkohol als noch vor zwölf Jahren. Diesen Trend bestätigt eine Studie der Bundesregierung zum Alkoholkonsum junger Menschen, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wird und dieser Redaktion vorliegt.

Demnach sagen zehn Prozent der 12- bis 17-Jährigen, dass sie mindestens einmal pro Woche Alkohol trinken. Allerdings sank der Anteil der Jugendlichen, die sich mindestens einmal im letzten Monat in einen Rausch getrunken haben: von 22,6 Prozent (2004) auf aktuell 13,5 Prozent. Darunter sind mehr Jungen (16,5 Prozent) als Mädchen (10,3 Prozent). Zudem gibt jeder dritte der 12- bis 17-Jährigen an (36,5 Prozent), noch nie Alkohol getrunken zu haben. Im Jahr 2001 waren es noch 13 Prozent. Jugendliche trinken auch später als jemals zuvor den ersten Schluck Alkohol – aktuell mit 14,9 Jahren (2004: 14,1 Jahre).

Die Drogenbeauftragte Mortler freut sich über den Trend und führt ihn auch auf die Aufklärung zurück. "'Alkohol? Kenn Dein Limit' gehört zu den Kampagnen, die es schaffen, über Risiken aufzuklären, ohne dröge oder oberlehrerhaft daherzukommen." Sie hoffe, "diesen positiven Trend fortzusetzen".

Bei anderen Drogen steigt die Zahl der Konsumenten

André Cronenberg von der Alkohol- und Drogenberatung der Caritas arbeitet ausschließlich mit Jugendlichen bis 25 Jahre zu diesem Thema. "Zu uns in die Beratung", sagt er, "kommen aber nur Leute, die eben nicht erreicht werden." Er merkt an, dass aus seiner Erfahrung diejenigen, die viel trinken, nicht weniger trinken. Er lobt aber die Kampagne, weil sie "das generell positive Image von Substanzen entzaubert". Besonders in diesem Alter, sagt Cronenberg, seien Jugendliche besonders empfänglich für Suchtmittel jeder Art.

Gleichzeitig ist es wichtig, in diesem Zusammenhang auf die gestiegene Zahl der jugendlichen Konsumenten bei anderen Drogen hinzuweisen. Eine weitere Studie zeigte kürzlich, dass Cannabis aktuell weiter verbreitet ist als noch 2011. Jeder vierte Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren hat laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung schon mal illegale Drogen angeboten bekommen. Zugegriffen haben dann nur rund 7,5 Prozent der Jugendlichen.

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Mögliche Prävention: den Markt verkleinern

Moderne Präventionsprogramme setzen dabei dort an: das Neinsagen zu lernen, Gruppendruck auszuhalten. Was laut Cronenberg zudem gut funktioniert habe, sei, den Markt zu verkleinern. "Bei Alkopops konnte man das sehen, allein durch die Erhöhung des Preises, ging der Gebrauch zurück." Die ständige Verfügbarkeit mache Alkohol so attraktiv. "Warum müssen alle Kunden durch den Supermarkt marschieren – und vor der Kasse sind die Schnapsregale?", fragt Cronenberg.

Zum Thema Werbung für alkoholische Getränke signalisierte die Drogenbeauftragte Mortler jedoch keine Veränderung. Allerdings: "Ich arbeite unter Hochdruck daran, dass wir noch in dieser Wahlperiode zu einem Verbot der Tabakaußenwerbung kommen." Deutschland ist das letzte Land in der EU, in der Tabak-Außenwerbung noch erlaubt ist. Über Werbung in anderen Bereichen, will sie "keine Grundsatzdiskussion".

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