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Foto: Hendrik Jonas

Die Wege sind unterschiedlich, das Ergebnis das gleiche: Ungeachtet des ideologischen Streits um G8 und G9 führen Stadtteilschule wie Gymnasium die Kinder zum Abitur. Die Pädagogen sind sich einig: In erster Linie gilt es, das Kind anzuschauen.

Es ist wohl ein Grundbedürfnis von Eltern: nur das Beste für mein Kind. Das fängt schon in der Schwangerschaft an und potenziert sich in der Grundschule bei manchen ins Unermessliche. Insbesondere bei der Wahl der weiterführenden Schule herrscht große Unsicherheit bis hin zur Panik. Viele Pädagogen jedoch raten zu Besonnenheit – und zu einer ehrlichen Einschätzung zum Wohle des Kindes.

"Jedes Jahr im Januar stellen sich alle weiterführenden Schulen mit Tagen der offenen Türen und Infoveranstaltungen vor", erklärt Schulbehördensprecher Peter Albrecht. Anfang Februar seien dann die Anmeldungen. "Das kann ein wenig knapp werden, weil viele Eltern mit ihren Kindern dann zu einem Schulmarathon aufbrechen, wenn die Zeit drängt", gibt er zu bedenken. Deswegen empfiehlt er, sich durchaus schon eineinhalb Jahre vor dem bevorstehenden Wechsel verschiedene Schule anzusehen. Diese Eindrücke ließen sich dann in dem folgenden Jahr vertiefen. Auch mit Eltern und Schüler, die die jeweilige Schule schon kennen.

"Natürlich stehen in dieser Zeit auch immer Gespräche mit dem Lehrer und vor allem mit den Kindern selber an", sagt Stefan Kauder, Leiter der Landesgruppe des Grundschulverbandes in Hamburg. Es gelte zu fragen, was die Jungen und Mädchen selber wollten, ob sie unbedingt mit Freunden aus der Grundschule zusammenbleiben wollten, was sie interessiere, wo sie ihre Stärken sehen.

Vertrauen in Schule und Kinder haben

Regina Tretow von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnt außerdem zu Vertrauen in die Schule und die Kinder. "Kinder machen Sprünge in der Entwicklung. Wenn es da mal eine Zeit nicht gut läuft, sollte man nicht in Panik verfallen", sagt die Grundschulpädagogin. Vielmehr gehe es darum, sich das Kind genau anzusehen und die Empfehlung der Lehrer zu berücksichtigen. "Es macht nur ganz selten Sinn, ein Kind ohne entsprechende Empfehlung auf ein Gymnasium zu schicken", warnt auch Kauder. Wenn ein Kind dann schon in der sechsten, siebten Klasse scheitere und auf die Stadtteilschule zurückgestuft werden müsse, sei das eine Frustration, die für viele Kinder nur ganz schwer zu verkraften sei.

Doch was sind denn nun die Vorteile und Nachteile von Stadtteilschule und Gymnasium? "Die Gymnasien, die die Kinder in acht Jahren zum Abitur führen, sind ganz klar leistungsorientierter als Stadtteilschulen, der Unterricht ist sehr viel kompakter", erklärt Behördensprecher Albrecht. Und das beginne schon mit der Klasse fünf. Da sollte man sich den Entwicklungsstand des Kindes ganz genau anschauen: Kann es selbstständig arbeiten, ist es leicht zu motivieren, konzentrationsfähig und zu einem gewissen Maß aus eigenem Antrieb ehrgeizig? "Das hat nichts mit der Intelligenz des Kindes zu tun", warnt Albrecht.

An den Stadtteilschulen hingegen hätten die Jungen und Mädchen ganz einfach ein Jahr mehr Zeit, um sich auf das Abitur vorzubereiten. "Und es gibt mehr Lehrer an diesen Schulen", sagt Albrecht. Das ließe eine individuellere Förderung zu, die Berufsorientierung sei verstärkt. Zugleich können Schüler und Schülerinnen bei entsprechenden Noten auch immer noch nach der zehnten Klasse in eine gymnasiale Oberstufe wechseln.

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