Wohnen und Immobilien

Vom Zauber des Wohnens zwischen Sofas und edlen Stoffen

Marokkaner Mohamed Chafra Zuhause. Er hat in Eppendorf ein Einrichtungsgeschaeft. Immobilien / Bethune / Chan Sidiki

Foto: Andreas Laible

Marokkaner Mohamed Chafra Zuhause. Er hat in Eppendorf ein Einrichtungsgeschaeft. Immobilien / Bethune / Chan Sidiki

Zu Besuch bei dem Marokkaner Mohamed Chafra, der mit seiner Familie in Langenhorn wohnt.

Wer bei Mohamed Chafra zu Gast ist, wird zunächst einmal gebeten, marokkanische Hausschuhe überzustreifen – eine Sitte, die aus seinem Heimatland stammt. Denn in Marokko ist es nicht üblich, das Haus mit Straßenschuhen zu betreten. Die "Babouches", die er uns gibt, sind aus Leder beziehungsweise Filz. Sie laufen nach vorn spitz zu und sind teilweise mit Stickereien, Pailletten und Glitzersteinen verziert. Mit den Babouches geht es ins Wohnzimmer. Gut riecht es hier, nach orientalischen Gewürzen und Blüten. "Der Salon ist für die Marokkaner der wichtigste Raum im ganzen Haus. Hier trifft sich die Familie, um gemeinsam zu essen und zusammenzusitzen. Außerdem werden im Salon Freunde empfangen und fürstlich bewirtet", berichtet Mohamed Chafra.

Der gebürtig aus Casablanca stammende Wahl-Hamburger lebt seit 38 Jahren in Deutschland. 2002 hat er mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen eine Wohnung im damals neuen Heidberg-Village im Stadtteil Langenhorn bezogen. "Wir haben hier eine sehr nette Nachbarschaft", sagt Mohamed Chafra. Zudem seien die Schulen nicht weit entfernt und auch das vor der Tür liegende Naturschutzgebiet habe seinen Reiz. Bevor er uns sein privates Reich zeigt, serviert er eine Mischung aus Pfefferminztee und grünem Tee in bunten Gläsern – sehr lecker! Wir nehmen auf den beiden großen, mit farbenprächtigen Stoffen bezogenen Sofas Platz und Mohamed Chafra erzählt von seinem Land, in dem verschiedene Kulturen und Zivilisationen – von den Berbern und Arabern über die Römer bis hin zu den Spaniern – ihre Spuren hinterlassen haben. "Casablanca und die Königstädte Meknès, Fès und Marrakesch mit ihren prächtigen Palästen und Moscheen, den blühenden Gärten und herrlichen Souks und Riads sind unbedingt einen Besuch wert", sagt Mohamed Chafra. "Die Menschen sind sehr gastfreundlich und die dort ansässigen Handwerker Meister ihres Fachs."

Wahrlich meisterhafte, in Handarbeit gefertigte Kommoden, Schränke und Tische aus edlen Hölzern finden sich auch in der Wohnung der Familie Chafra. Diese weisen teilweise Intarsien aus Perlmutt, Malereien und Schnitzereien auf. Oder sie sind mit filigran gearbeitetem Metall verziert beziehungsweise mit Leder überzogen, so wie der schöne Eckschrank im Salon. "Wir Marokkaner lieben kleine Beistelltische über alles, davon können wir gar nicht genug haben. Sie sind ideal, um ein Glas Tee abzustellen oder um ein Deko-Objekt ins rechte Licht zu rücken", erzählt Mohamed Chafra, der lange im Gastronomie-Service tätig war und ein leidenschaftlicher Hobby-Koch ist. Davon profitieren auch die Nachbarn, mit denen die Chafras gern sonntags zusammenkommen.

Auch Leuchter und Lampen gibt es zuhauf. Die unnachahmlichen Leuchten erfüllen eine doppelte Funktion: Einerseits sind sie brillante Skulpturen, wenn sie nicht eingeschaltet sind. Besonders schön strahlen sie aber, wenn das Licht Effekte an Wand und Decke zaubert.

Ein Teegeschirr gehört in jedes marokkanische Haus

Neben den typischen Sofas mit dicken Polstern, gemütlichen Kissen und Armrollen, den Tischen und den Leuchten zählen Eisenregale mit Böden aus Massivholz zum marokkanischen Mobiliar. Und nicht zu vergessen: Die kunstvollen Fliesen an den Wänden und auf dem Boden. Beliebte, der Natur entlehnte Motive sind beispielsweise Blüten, Ranken und Blätter, aber auch komplizierte geometrische Muster, die auch die für den orientalischen
Lebensstil typischen Stoffe und Teppiche zieren.

Chafra selbst hat an den Wänden im Flur farbenprächtige Fliesen, die für ein stimmungsvolles Entrée sorgen. Kordeln, Poufs aus Leder sowie Accessoires aus Edelmetallen, beispielsweise silberne Teekannen, Tabletts, Etageren und Kerzenhalter, oder auch kleinere Schälchen, in denen Süßes oder Nüsse serviert werden, runden den Look der Einrichtung ab. "Darüber hinaus finden sich in fast jedem Haushalt ein edles Teeservice und eine kunstvolle Tajine mit konisch geformtem Deckel, die bei ihm aber nur als Dekoration genutzt wird", berichtet Mohamed Chafra weiter. Auch die Kunst der Kalligrafie kennzeichne den orientalischen Einrichtungsstil ebenso wie die Hand Fatimas, die eine schützende Wirkung gegen alles Böse haben soll. Daher ist sie natürlich auch in Mohamed Chafras Wohnung gleich mehrfach präsent.

Die orientalische Farbwelt umfasst eine intensive Farbpalette von strahlendem Gelb über starkes Rot und Orange bis zu tiefem Azurblau. Noch heute werden Stoffe und Leder traditionell auf den Dächern der Gerberviertel in Marokko eingefärbt. Neben den so entstehenden ausdrucksstarken Farben gehören zum orientalischen Stil aber auch Gold- und Silbertöne. Sie setzen glänzende Highlights auf Möbeln und Accessoires.

"Anders als die meisten Deutschen lieben wir es, Farben, Materialien und Muster zu kombinieren. Wem das zu opulent ist, der kann sich auf einzelne Elemente konzentrieren und so in seinem Heim orientalische Akzente setzen", rät Mohamed Chafra. Eine Auswahl an marokkanischen Möbeln, Stoffen, Fliesen, Lampen, Wohnaccessoires, Tees und Gewürzen hält er in seinem Laden "Marrakech Markt" bereit. Außerdem besteht hier die Möglichkeit, Sofas und Kissen zu bestellen, die mit individuellen Stoffen bezogen werden. "Einfach hereinschauen und sich vom Zauber des Orients verzaubern lassen", so der Geschäftsinhaber. Gern verrät er auch das eine oder andere Rezept für Couscous oder eine leckere Tajine. Im Angebot hat er übrigens auch Babouches und Fatimas Hand. Schutz vor allem, was böse ist, kann in unserer Welt nie verkehrt sein.

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