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Kupfer dominiert die Wohnungstrends des Jahres 2017

Sehr retro und cool: Drehsessel Eye Ball aus Kupfer (ca. 1850 Euro).

Foto: Kare.de / HA

Sehr retro und cool: Drehsessel Eye Ball aus Kupfer (ca. 1850 Euro).

Mit seinem rötlich schimmernden Ton setzt das Halbedelmetall warme Akzente. Da es keimtötend wirkt, ist es für Küche und Bad geeignet.

Hamburg.  Edelstahl? So was von gestern! Kupfer ist heute angesagt. Rötlich-warm, meistens spiegelnd und glänzend – so schmeichelt sich das einzigartig wandelbare Metall heute in jeden Raum des Hauses. Nach zwei Dekaden, in denen kühle und steril wirkende gebürstete Edelstahloberflächen zu Hause und im Büro den Ton angaben, wächst die Sehnsucht nach Abwechslung.

Kupfer entspricht diesem Wunsch und wird von Designern und Herstellern in allen nur erdenklichen Facetten eingesetzt. Als Erster wagte sich Tom Dixon an das lange ländlich, antik und ein bisschen kitschig geltende Material heran. Seine Hängeleuchte Copper Shade – Weiterentwicklung seiner Stehleuchte Mirror Ball – hing plötzlich tausendfach in Bars und Hotellobbys. Dort also, wo Interior-Trends oftmals ihren Ursprung haben und von vielen Menschen aufgesogen werden.

Doch nicht nur im Wohnbereich verbreitet Kupfer eine fast schon magische Atmosphäre – auch an Hausfassaden kommt es zum Einsatz. "Kupfer besticht durch seine Langlebigkeit, seine Nachhaltigkeit und seine Anmutung, die sich täglich verändert und je nach Lichteinfall andere Farbtöne wiedergibt", schwärmt Architektin Regina Schineis, die zusammen mit Stefan Hiendl das Material gern im Fassadenbereich anwendet. "Wie sich das Material im Laufe der Zeit verändert und eine Patina entwickelt, fasziniert uns", sagt sie.

Kupferausführung führt zu Wertsteigerung

Zugegeben: Mancher Bauherr ist anfangs skeptisch wegen des hohen Preises. Doch Architekt Stefan Hiendl verweist dann gern darauf, dass eine Kupferfassade jahrzehntelang hält und hundertprozentig recycelt werden kann. Beide Architekten sind überzeugt: "Jedes Bauwerk, jedes Detail, das mit Kupfer ausgeführt wird, wird eine Wertsteigerung erleben, die wir heute noch gar nicht in Worte oder Zahlen fassen können." Eine gute Investition also.

Zurück zu den Wohnaccessoires. Beliebt sind wegen ihres schönen, warmen Lichts vor allem Leuchten aus Kupfer. Als flexibel einstellbare Wandleuchte schenkt Modell Facet vom dänischen Hersteller Le Klint gutes Leselicht oder auch indirektes Licht (545 Euro). Sie besteht wie Modell Clava Copper von Vita Copenhagen (99 Euro) aus gebürstetem Kupfer und wirft durch ihr Lochmuster bezaubernde Muster an die Wand. Das Label e15 wiederum wirbt mit der skulpturalen Bodenleuchte North (1023 Euro), entworfen von dem Erfolgsduo Eva Marguerre und Marcel Besau aus Hamburg. Die zwei aneinandergelehnten Scheiben, die je nach Blickrichtung unterschiedliche Lichtstrahlen aussenden, deuten die unterschiedlichen Mondphasen an.

Inspiriert von den dekorativen Details süditalienischer Haustüren entwarf Frederico Floriani für das französische Label La Petit Friture wiederum den Spiegel Mask (396 Euro). Der Name geht auf die an eine Maske erinnernden grafischen Linien auf dem zart getönten Glas zurück. Er ähnelt damit zugleich einem Bild an der Wand und taucht den Betrachter wie auch den Raum in warmes Licht.

Früher alle Griffe in Krankenhäusern aus dem Material

Ohnehin voll im Trend sind zurzeit zierliche Beistelltische. Philipp Mainzer, Mitbegründer von e15, griff die Idee handbeschlagener Kupferauflagen von orientalischen Teetischen auf und brachte sie in eine moderne Form. Herausgekommen ist Modell Habibi (ab 1392 Euro), bestehend aus einem Untergestell und einem Tablett. Letzteres lässt sich auch gesondert bestellen (214 Euro) und wirkt sogar auf einem simplen Küchentisch sehr stylisch.

Apropos Küche: Kupfer ist keimtötend. Ein Grund, weshalb früher alle Griffe in Krankenhäusern aus diesem Material gefertigt waren. "Deshalb hat es nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch in unseren Küchen und Wohnungen neben ästhetischen einen hohen gesundheitsfördernden Wert", sagt Anton Klassert, Geschäftsführer des Deutschen Kupferinstituts.

Wer das weiß und über das entsprechende Budget verfügt, entscheidet sich vermutlich schon aus diesem Grund für das wandlungsfähige Halbedelmetall. So bietet Dornbracht die edle Armatur Cyprum (Preis auf Anfrage) an. Das Kunstwort setzt sich aus Cuprum und Aurum zusammen: 18 Karat Gold gemixt mit Kupfer. Eine wahrlich langlebige Anschaffung für die High-End-Küche. Passend dazu schimmern Kupfertöpfe der französischen Manufaktur de Buyer auf dem Herd. Diese bauchigen Töpfe, Pfannen, Stielkasserolen und Saucieren der Serie Prima Matera (ab 225 Euro) werden seit 1830 hergestellt. 2010 erhielten sie die Auszeichnung "Grand prix Table & Cadeau".

Wer Kupfer in die Küche lässt, wird vielleicht auch auf entsprechend gefertigtes Besteck nicht verzichten wollen – vor allem, wenn es so schön aussieht wie Sambonet Flat Linear von Rosenthal (24-teilig; 454 Euro).

Hersteller bieten dazu passendes Glas und Stoffe an

Sehr schön machen sich auch eckige Spülbecken aus Kupfer in Kombination mit schwarzen Arbeitsflächen, wie auf der internationalen Möbelmesse in Köln zu Beginn des Jahres zu sehen war. Regina Schineis und Stefan Hiendl schwören zudem auf ihre kupferne Arbeitsplatte, die sie seit 15 Jahren im Büro haben. "Durch Bier und Zitronensaft glänzt sie wie neu", schwärmen sie.

Eine interessante Option, um langweilige Türen oder Raumteiler zu ersetzen, kommt aus dem Textilbereich: Nya Nordiska und Glassolution/Saint Gobain entwickelten gemeinsam ein Glas mit Textilmuster – natürlich mit Kupfertönen. Tex Glass, heißt es. Zu sehen ist mit zarten Mustern bedrucktes Glas.

Nya Nordiska präsentiert passend dazu auch einen zarten, leicht schimmernden Stoff namens Opera. Das glamouröse Gewebe entfaltet mit seinen Kupferstreifen einen Hauch von Opulenz an jedem Fenster. Laut Inneneinrichtern entfaltet das warm schimmernde Metall seine ganze Pracht zu Wänden in Dunkelblau, Grün, Gelb und Rosé.

Bauherren und Eigentümer müssen wissen, dass Kupfer leider ein begehrtes Diebesgut ist. Vor allem auf Dachrinnen und Fallrohre haben sie es meist abgesehen. In der Lausitz soll bald wieder mit dem Kupferabbau begonnen werden. Kupfervorkommen finden sich auf allen Kontinenten, der Hauptproduzent ist Chile.

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