Planung

Warum nicht eine schwebende Treppe einbauen?

Die schön geschwungene Treppe lässt den Bereich hell und wohnlich wirken

Foto: Ulrike Krages Design / HA

Die schön geschwungene Treppe lässt den Bereich hell und wohnlich wirken

Ein neuer Aufgang für eine alte Villa in Othmarschen? Kein Problem. Das Hamburger UK Architektur- und Designbüro gibt Sanierern Tipps.

Hamburg.  Noch wird gewerkelt an der alten Villa, gebaut 1910, die sich nach Abschluss aller Arbeiten als KfW-Effizienzhaus 85 präsentieren soll. Mit der kompletten Erneuerung der Außenhaut (spezieller Dämmputz, neue Fenster mit Dreifachverglasung, Dachdämmung) inklusive der Installation einer neuen Heizungsanlage – Gas-Brennwertheizung mit Solaranlage für Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung – wird das Haus zum Schluss nur 85 Prozent der Energie eines vergleichbaren Referenzgebäudes nach der Energieeinsparverordnung benötigen.

Mathias und Silja H. sind zuversichtlich, dass dieser Wert erreicht wird: Schließlich stand ihnen die Zebau GmbH als Energieberater zur Seite: Sie lieferte das Energiekonzept, erstellte den Förderantrag für die Bauherrn, das Lüftungskonzept und erbrachte die KfW-geförderte Baubegleitung. Eine Rundumversorgung also, die einen nahezu reibungslosen Verlauf verspricht. Doch die Begehung des Hauses zeigt: Fehler können trotzdem passieren. So entdeckt Mathias H., dass die neuen Fenster im Essbereich höhenmäßig nicht perfekt auf die Fenster an der Wand gegenüber abgestimmt wurden. Sehr unschön, insbesondere bei Modellen mit Sprossen. "Da muss nachgebessert werden", sagt der Bauherr.

Aus alten Objekten das Bestmögliche herausholen

Keine Frage: Für das Hamburger Paar ist die Kernsanierung der alten Villa in Othmarschen eine Herausforderung, dennoch wirken sie bei der Begehung eher unaufgeregt. Wie sich zeigt, aus gutem Grund: Obwohl beide nicht mit Immobilien handeln, ist dies schon die dritte Immobilie in den vergangenen zehn Jahren, die sie nach ihren Vorstellungen umgestalten – und dann selbst beziehen. "Wir haben Spaß daran, aus alten Objekten das Bestmögliche zu holen. Mit dem Gewinn, den wir jeweils mit dem Verkauf einer Immobilie erzielen, finanzieren wir den Umbau der nächsten", erläutert das Paar. Unterstützt wird es dabei von dem Architekten Christian Preuss. "Er ist mittlerweile ein guter Freund geworden. Mit ihm haben wir einen Planer an der Hand, der uns über Ausschreibungen auch gute Handwerker auf die Baustelle bringt."

Während sich Mathias H. um den technischen und organisatorischen Part kümmert, ist seine Frau für die Gestaltung des Hauses zuständig. Obwohl die 46-Jährige gern eintaucht in die Welt der Fliesen, Farben und Tapeten, ist sie doch bei diesem Objekt vor allem hinsichtlich der Gestaltung des Treppenaufgangs zum Dachgeschoss ein wenig ratlos. "Ideal wäre es, wenn in diesem Bereich auch Stauraum entstünde und alles sehr einladend wirkt", sagt Silja H.

Ein Wohngefühl auch in Treppenhäusern erzielen

Das Hamburger UK Architektur- und Designbüro – es besteht aus einem Team von Hochbau- und Innenarchitekten und gehört zu jenen Experten, mit dessen Hilfe die Wohnseiten des Abendblattes ab sofort bei Planungs- und Gestaltungsfragen helfen (s. Infotext) – skizziert auf dieser Seite eine mögliche Lösung: Die Treppe schwingt sich danach schwebend nach oben und vermittelt durch ihre Geschlossenheit Ruhe und Eleganz. "Gleichzeitig wird so das Licht hinter der Treppe bestmöglich genutzt", sagt Geschäftsführerin Ulrike Krages. Idealerweise sorge eine verglaste Doppeltür dafür, dass trotz der Abgrenzung zum Flur genügend natürliches Licht einfalle und dieser Bereich wohnlich wirke. "Platz für Stauraum ist auch ausreichend gegeben", so Krages.

Es sei wichtig, dass Treppenhäuser zum gesamtheitlichen Wohngefühl beitrügen, betont die Expertin. "Das gelingt, indem man sie zu den anliegenden Räumen gestalterisch öffnet."

Weiterer Clou: Die Türstürze wurden um fünf Zentimeter nach oben verlegt, um dem Raum mehr Transparenz und Großzügigkeit zu verleihen.

Schön findet die Expertin, dass in der Villa trotz der Sanierung der Charme des Alten bewahrt werden soll. So schwebt Silja H. vor, die geschwungene Holztreppe, die das Erd- mit dem Obergeschoss verbindet, nur ein wenig "aufzumöbeln", indem sie mit einem Anstrich in Schwarz versehen wird. "Die Wände würde ich gern – so wie die Voreigentümer auch – in einem zarten Türkiston streichen lassen."

Tapete in Pastelltönen weniger aufdringlich

Krages rät indes bei dieser Farbkombination zur Vorsicht. "Türkis ist eigentlich eine eher kalte Farbe. In Kombination mit der schwarz gehaltenen Treppe könnte der Kontrast als zu kühl empfunden werden", befürchtet sie. Ihr Tipp: Die Wände mit einem Umbragrau oder einem "Greige", einem Mix aus Grau und Beige, versehen. "Das wirkt sehr edel zum Schwarz der Treppe." Klar sind die Vorstellungen des Eigentümerpaares hinsichtlich der Wandgestaltung im Esszimmer und im Gäste-WC. Silja H.: "Hier dürfen gern schöne, gemusterte Tapeten ihre Wirkung entfalten. Im kleinen Bad könnte ich mir Schwarz-Weiß im Streifenmuster und im Esszimmer wiederum eine Tapete vorstellen, bei der Grün den Ton angibt und auf der Palmen, Pflanzen oder Blumen zu sehen sind."

Die Design-Unternehmerin rät in diesem Fall, sich für eine Tapete in Pastelltönen zu entscheiden. "Sonst erschlägt die Tapete alles andere im Raum." Bei der Gestaltung der Küche im modernen Anbau empfiehlt sie, einen sogenannten Potrack über dem großen Arbeitstisch anbringen zu lassen. "Damit ähnelt dieser Bereich, bestückt mit Kräutern, herunterhängenden Pfannen und am Abend leuchtenden Kerzen, dem einstigen Feuerplatz, um den sich die Menschen immer schon gern versammelt haben." Ein archaisches Element im 21. Jahrhundert. Silja H. gefällt diese Idee. "Ich denke, in einem sehr schlichten Design könnte das dem Raum etwas mehr Wärme geben."

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