Stormarn
Stapelfeld

Großbaustelle A 1: Stapelfeld wird abgehängt

Anschlussstelle ab 24. April in beide Richtungen nacheinander mehrere Monate gesperrt. Umleitungen über Ahrensburg und Barsbüttel

Stapelfeld. Auf dem Betriebsgelände des Logistikunternehmens Sterac im Gewerbegebiet Stapelfeld/Braak reihen sich die Lastwagen aneinander – unter anderem aus Polen, Portugal und Litauen. Bis zu 100 solcher schweren Fahrzeuge kommen dort jeden Tag an und fahren auch wieder ab. In den beiden Gemeinden mit ihren 70 Betrieben sind es sogar mehrere Hundert. Noch nutzt der Großteil davon die Autobahn-1-Anschlussstelle Stapelfeld. Ab 24. April werden die Lastwagen vermehrt auf umliegenden Straßen unterwegs sein. Im Zuge der A-1-Sanierung (wir berichteten) werden die Auf- und Abfahrten in Stapelfeld in beide Richtungen nacheinander für mehrere Monate gesperrt. Auch Autofahrer müssen dann über die Anschlussstellen Ahrensburg und Barsbüttel Umwege in Kauf nehmen.

Somit wird nicht nur die Autobahn selbst zur Staufalle. Das lassen folgende Zahlen erahnen: Aus Richtung Lübeck nehmen pro Tag im Schnitt 6700 Fahrzeuge die Abfahrt nach Stapelfeld und Braak, 7900 fahren dort aus den Gemeinden nach Hamburg auf. Und auf der anderen Seite sind es 9000, die aus der Hansestadt kommend abfahren, sowie 5600, die Richtung Lübeck Tempo aufnehmen. Für sie geht es demnächst langsamer voran. "Ich rechne mit Einschränkungen zu den Stoßzeiten morgens und abends auch innerorts", sagt Stapelfelds Bürgermeister Jürgen Westphal (Wählergemeinschaft Stapelfeld). Langfristig sei die Grunderneuerung der Autobahn aber von Vorteil für die Gemeinde, weil lärmmindernde Materialien eingebaut würden. Die Arbeiten auf der A 1 im Süden Stormarns erstrecken sich über 4,4 Kilometer Länge nördlich der Anschlussstelle Barsbüttel bis hinter jene in Stapelfeld. Das Projekt kostet bis zu 17 Millionen Euro.

Los geht es auf der Fahrbahn nach Hamburg, der Verkehr wird dann über die andere Seite auf je zwei Spuren in beide Richtungen geregelt. Es gilt ein Tempolimit von 80 Kilometern pro Stunde. Die offiziellen Umleitungsstrecken sind festgelegt. Wer aus Richtung Norden kommend nach Stapelfeld will, sollte die Autobahn in Ahrensburg verlassen und dann über Siek in die 1700-Einwohner-Kommune fahren. Wer dort raus und auf die Autobahn 1 will, wird über Braak und Stemwarde nach Barsbüttel geführt.

"Die Routen haben wir im vergangenen Jahr bei einem Verkehrslenkungstermin mit den Ämtern und Kommunen abgestimmt", sagt Jens Sommerburg, Leiter des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr (LBV) in Lübeck. Auch der Rettungsdienst und Vertreter der Stadt Hamburg seien bei dem Treffen dabei gewesen. Ende August soll die eine Seite grunderneuert und wieder befahrbar sein. Dann wird die Fahrbahn Richtung Lübeck in Angriff genommen. Autos werden dann nur jenseits der Mittelleitplanke auf je zwei Spuren fahren können.

Wer aus Richtung Süden kommend Stapelfeld als Ziel hat, dem wird empfohlen, die Autobahn bei Barsbüttel zu verlassen. Autofahrer aus Stapelfeld sollten dann in Ahrensburg auffahren. Die Umleitungsstrecken sind identisch mit denen des ersten Bauabschnitts – nur verlaufen sie in die andere Richtung. Das Projekt soll Ende November abgeschlossen sein. Auf dem A-1-Teilstück zwischen Barsbüttel und Stapelfeld sind pro Tag rund 80.000 Fahrzeuge in beide Richtungen unterwegs, davon 10.000 bis 12.000 Lastwagen. 100 Lastwagen gelangen täglich über die Autobahn zur Müllverbrennungsanlage (MVA) Stapelfeld, weitere 50 nutzen ausschließlich Straßen. Zusammen liefern sie im Jahr 350.000 Tonnen Abfall. Die Anlage hat werktags von 6 bis 18 Uhr geöffnet, nur die Stadtreinigung Hamburg darf bis 22 Uhr ihren Müll dort entsorgen. Das wird sich ändern. "Während der Autobahnsanierung dürfen alle Kunden bis 22 Uhr anliefern", sagt Holger Heinig, technischer Geschäftsführer.

Er hat genauso Verständnis für die Sanierung wie Oliver Giese, Marketingleiter bei der 130 Mitarbeiter zählenden Logistikfirma Sterac mit einem Jahresumsatz von 35 Millionen Euro. Der 34-Jährige sagt: "Wir haben Interesse, dass die Autobahn instandgehalten wird." Die Sperrung sei jedoch zum wirtschaftlichen Nachteil. Sterac verliere dadurch pro Fahrt zwischen 30 Minuten und einer Stunde, schaffe damit weniger Sendungen als jetzt. "Nachhaltig wird es uns aber nicht treffen, weil wir die Kunden rechtzeitig informieren", so Giese gegenüber dem Abendblatt. Das Unternehmen versucht jetzt, Touren anders zu disponieren. Das erfordert laut Giese mehr Planungsaufwand.

Glück hat die Boltze-Gruppe, ein Großhändler für Wohnaccessoires im Gewerbegebiet Stapelfeld/Braak. Neben der Firmenzentrale entsteht gerade ein modernes Lager, für das jenes in Bad Oldesloe aufgegeben wird. Die Erweiterung kostet 23 Millionen Euro. Der Betrieb in der 20 Meter hohen Halle soll Ende 2017 aufgenommen werden. Also dann, wenn die Autobahn saniert ist.

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