Stormarn
HANDBALL

Reinfeld steigt als Meister in die Oberliga auf

Der Meisterjubel fiel bei den Reinfelder Handballfrauen nach der abschließenden Niederlage etwas gedämpft aus

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Der Meisterjubel fiel bei den Reinfelder Handballfrauen nach der abschließenden Niederlage etwas gedämpft aus

Handballfrauen holen den Titel in der Schleswig-Holstein-Liga, obwohl sie das letzte Saisonspiel gegen den TSV Alt Duvenstedt verlieren.

Reinfeld.  "Der Handballgott muss ein Reinfelder sein", sagt Handballerin Rika Tonding vom SV Preußen mit einem Lachen und fügt hinzu: "Anders kann ich es mir nicht erklären, dass wir trotz des verkorksten Saisonfinales doch noch die Meisterschaft in der Schleswig-Holstein-Liga für uns entschieden haben."

Der Auftritt des Tabellenführers in eigener Halle ging am letzten Spieltag gründlich daneben. Mit 17:20 (9:10) unterlagen die Reinfelderinnen dem Tabellenneunten TSV Alt Duvenstedt. Den Aufstieg in die Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein hatten die Stormarnerinnen allerdings schon vor Beginn der Partie sicher in der Tasche, da feststand, dass auch der Tabellenzweite in die vierthöchste Spielklasse aufsteigt. Und Vizemeister war der SV Preußen auf jeden Fall.

Gegen den Liganeuling aus Alt Duvenstedt hatten die Reinfelderinnen wieder einmal die Nerven nicht im Griff. Insbesondere im Angriff wirkten sie fahrig und verunsichert. Sobald es den Spielerinnen gelang, nach einem Rückstand den Anschluss herzustellen, unterliefen ihnen prompt wieder technische Fehler und unnötige Ballverluste. Anstatt für eine vorzeitige Entscheidung im Kampf um die Meisterschaft zu sorgen, waren die Stormarnerinnen plötzlich auf Schützenhilfe aus der Landeshauptstadt angewiesen.

Nach dem Schlusspfiff begann in der Sporthalle an der Schützenstraße das große Zittern. Meister oder Vizemeister - die Entscheidung hing allein vom Ausgang des Verfolgerduells zwischen der HSG Holstein Kiel/Kronshagen und dem HC Treia/Jübek ab. Dann die erlösende Nachricht: Kiel hatte die Partie mit 29:27 gewonnen und begleitet Reinfeld nun als Vizemeister in die Oberliga.

"Der Aufstieg war das Ziel aller Träume, der Meistertitel ist das Sahnehäubchen", sagt Detfred Dörling. "Den Doppelerfolg haben wir uns aber auch redlich verdient." Reinfelds Coach spricht die Gedanken vieler Anhänger offen aus. Fakt ist: Seit dem Aufstieg in die Schleswig-Holstein-Liga vor fünf Jahren hat seine Mannschaft bei der Vergabe der Meisterschaft immer eine wichtige Rolle gespielt. 2013 und 2015 gelang ihnen sogar sportlich die Qualifikation für die Oberliga, aufgrund der Konstellationen in den oberen Ligen blieben sie aber fünftklassig.

Im Landespokalwettbewerb feierten sie ebenfalls große Erfolge: Zweimal zogen die Reinfelderinnen in das Final Four – die Endrunde der vier besten Mannschaften – ein.

Seit 15 Jahren ist der Name Detfred Dörling eng verbunden mit den sportlichen Erfolgen des Vereins. "Im fünften Anlauf endlich unser Ziel geschafft zu haben, ist zugleich Genugtuung und auch Motivationsschub", sagt der Coach. "Nun müssen wir uns schnellstmöglich uns auf die neue Herausforderung konzentrieren, denn diese wird in der Oberliga enorm groß werden."

Die Personalplanungen laufen auf Hochtouren. Dörling muss den Kader gezielt verstärken, um die Mission Klassenerhalt zu ermöglichen. Die Ausgangslage zurzeit ist nicht ganz so rosig: Mit Lina Tonding und Kerstin Albrecht nehmen zwei Leistungsträgerinnen der vergangenen Jahre aus privaten Gründen eine Auszeit vom Handballsport.

Shootingstar Meike Braun geht für ein halbes Jahr in die USA. Und Maike Waldeck, Urgestein der Reinfelder Mannschaft, beendet im Alter von 49 Jahren ihre sportliche Laufbahn. "Wir benötigen deshalb dringend eine hochgewachsene Rückraumspielerin, die über die nötige Wurfstärke aus der Distanz und über Qualitäten als Spielmacherin verfügt", sagt Dörling. "Ebenso suche ich ein oder zwei schnelle Spielerinnen für die Außenbahnen, zudem als Ersatz für Kerstin eine Kreisspielerin, die auch die Abwehr dirigieren kann." Wer Interesse hat, kann mit Reinfelds Trainer per E-Mail unter der Adresse detfred.doerling@web.de Kontakt
aufnehmen.

Dörling plant, ein professionelleres Umfeld in Reinfeld zu schaffen. Dabei spielt die ehemalige Spielerin Antje Beth eine wichtige Rolle. Die 51 Jahre alte Physiotherapeutin übernimmt die Aufgabe, die Spielerinnen über spezielle Bewegungsanalysen und spezifische Trainingsprogramme verletzungsfrei zu halten. "Koordination und Flexibilität haben in der Oberliga einen noch höheren Stellenwert", sagt die Mitarbeiterin der Asklepios Klinik Bad Oldesloe. "Je besser die Koordination desto schneller die Reaktion."

Gesucht wird auch ein Sportdirektor. Dörling: "Jemand muss sich intensiv um die Sponsorensuche kümmern und Gespräche mit der Stadt führen, damit wir eventuell auf eine andere Sportstätte auszuweichen können, die mehr Zuschauern Platz bietet."

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