Stormarn
Motorsport

Ein Hoisdorfer gibt immer Vollgas

Foto: ADAC / HA

Der 25-jährige Davide von Zitzewitz zählt zur nationalen Spitze der Motocross-und Endurofahrer. Zurzeit lebt er in Hoisdorf.

Hoisdorf.  Motocross ist nichts für schwache Nerven. Tiefe Bodenwellen, Geschwindigkeiten im Grenzbereich und meterhohe Sprünge stellen das Material auf eine ebenso harte Probe wie die Physis und Kondition der Fahrer. Der Sport birgt Risiken. Bei bis zu Tempo 100 ist er nur etwas für echte Adrenalin-Junkies

"Viermal habe ich mir schon das Schlüsselbein gebrochen, einmal die Schulter ausgekugelt", sagt Davide von Zitzewitz und lacht. "Damit bin ich in den ganzen Jahren aber recht glimpflich davongekommen, andere Sportarten halte ich für gefährlicher."

Der 25 Jahre alte Hoisdorfer ist zurzeit in bestechender Form. Im ersten von vier Rennen zur deutschen Motocross-Meisterschaft, die auf abgesperrten Rundkursen ausgetragen wird, fuhr von Zitzewitz auf den zweiten Rang. Noch erfolgreicher lief es für den Hoisdorfer in den ersten drei von zehn Wettbewerben zur Deutschen Enduro Meisterschaft. Alle drei Rennen im Freigelände auf unbekanntem Terrain entschied der 25-Jährige mit seinem Motorrad der Marke KTM 350 EXC-F für sich.

Bei den kürzlich in Mölln ausgetragenen ADAC MX Masters verpasste der Hoisdorfer dagegen die Punkteränge. "Ich hatte einfach meinen Rhythmus nicht gefunden, die ganze Zeit über gegen das Motorrad gearbeitet und mich dabei total verausgabt", sagt von Zitzewitz. "Mit der richtigen Fahrtechnik hätte ich viel Kraft sparen können, aber das ist mir in Mölln leider nicht so gut gelungen."

Davide entsammt einer Motorsport-Dynastie

Motorradsport hat in der Familie von Zitzewitz eine lange Tradition. Großvater Volker war Deutscher Enduro-Meister und Kapitän die Deutschen Nationalmannschaft. Vater Bert wurde zwölfmal Deutscher Enduro-Meister und gewann 1990 bei der Weltmeisterschaft die Silbermedaille. Davides Onkel Dirk ist 15-facher Deutscher Enduro-Meister und siegte 2009 bei der legendären Rallye Dakar.

Das jüngste Mitglied der Motorsport-Dynastie gewann im Alter von 13 Jahren seinen ersten Pokal. "Von da an hat mich der Motorradsport nicht mehr losgelassen", sagt Davide von Zitzewitz, der an der Fachhochschule Lübeck im vierten Semester Wirtschaftsingenieurwesen studiert.

Die Frage nach der späteren beruflichen Laufbahn beantwortet der Hoisdorfer diplomatisch. "Natürlich denke ich darüber nach, später in Karlshof den Motorradhandel meines Vaters zu übernehmen", sagt er, fügt aber mit einem Augenzwinkern schnell hinzu: "Eine Hintertür sollte ein junger Mensch sich aber immer offen lassen."

Fünf Jahre noch plant Davide von Zitzewitz den Motorradsport auf hohem Niveau auszuüben. "Im Motocross sind die 30 Jahre für Fahrer eine magische Altersgrenze", sagt der Student. "Den Endurosport kann man länger ausüben, da die Erfahrung eine wesentlich größere Rolle spielt."

Der 25-Jährige studiert in Lübeck Wirtschaftsingenieurwesen

Angst bei riskanten Manövern verspürt der 25-Jährige nicht. "Angst grenzt ein", sagt von Zitzewitz. "Ein ausreichendes Maß an Respekt und gut überlegter Risikobereitschaft sollte aber jeder Fahrer haben." Die nötige Fitness für die kräftezehrenden Rennen auf unebenen Strecken holt sich von Zitzewitz durch Ausdauersport.

Der 25-Jährige läuft regelmäßig längere Distanzen oder hält sich mit dem Rennrad und nicht, wie man es vermuten könnte, mit dem Mountainbike fit. Davide von Zitzewitz grinst, als er einräumt: "Im Gelände bevorzuge ich einen starken Motor zwischen den Beinen, damit ich mich bergauf nicht so abstrampeln muss."

Das Fitnesscenter Parador in Ahrensburg zählt zu den Unterstützern des blonden Motorsportlers. "Ich lebe nicht nach Plan, aber regelmäßiges Kraft- und Ausdauertraining sind in meiner Sportart von immenser Bedeutung", sagt von Zitzewitz.

Übrigens: Die Leidenschaft für den Motocross-Sport verdankt von Zitzewitz nicht nur seiner motorsportbegeisterten Familie. Auch der Vorname Davide ist verpflichtend. Vater Bert orientierte sich bei der Suche nach einem Namen für seinen Filius an dem italienischen Weltklasse-Motocrossfahrer Davide Trolli, der in den 1980er-Jahren große Erfolge feierte.

"Somit bin ich dem Motorsport also doppelt verpflichtet", sagt Davide von Zitzewitz und schmunzelt. "Das kann für mich nur bedeuten, weiter Vollgas zu geben."

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