Nach Anschlag

Borussia Dortmund: Viele kleine Gesten – und eine große

Marco Reus,
Nuri Sahin (r.) und
weitere Spieler von
Dortmund halten
nach dem Spiel
ein Trikot des
verletzten Marc
Bartra hoch

Foto: Ina Fassbender / dpa

Marco Reus, Nuri Sahin (r.) und weitere Spieler von Dortmund halten nach dem Spiel ein Trikot des verletzten Marc Bartra hoch

Der BVB findet bei dem 3:1-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt langsam wieder in den Alltag zurück.

Dortmund.  Es waren kleine Gesten im Stadion-Inneren. Der freundschaftliche Klaps von Gonzalo Castro für Nuri Sahin. Der fast väterliche und laute Handschlag von Trainer Thomas Tuchel mit seinem Verteidiger Sokratis. Die Nachricht des beim Anschlag auf den Mannschaftsbus vor dem Viertelfinalhinspiel in der Champions League gegen AS Monaco am vergangenen Dienstag verletzten Abwehrspielers Marc Bartra, der der BVB-Mannschaft zu ihrem 3:1-Erfolg über Eintracht Frankfurt gratulierte.

Und es war die große Geste auf großer Bühne. Unmittelbar nach dem Abpfiff liefen die BVB-Spieler zusammen, eng umschlungen standen sie vor der Südtribüne und hielten gemeinsam ein Bartra-Trikot in die Höhe, während 25.000 schwarz-gelbe Anhänger den Namen des Spaniers skandierten. "Das wird uns als Mannschaft zusammenschweißen", meinte Kapitän Marcel Schmelzer.

Therapie vor laufender Kamera

Gruppentherapie vor laufender Kamera. Die vielen Gesten zeigen: Der BVB rückt zusammen. Eine neue Nähe hat sich gebildet – innerhalb der Mannschaft, zwischen Spielern und Fans, wohl auch zum Trainer. Eine Nähe, die die Dortmunder gegen Frankfurt in eine beeindruckende Energieleistung verwandeln konnten. Eine Nähe, die am Mittwoch im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinales gegen Frankreichs Tabellenführer helfen kann, die 2:3-Niederlage aus dem Hinspiel umzubiegen.

Hoffnung für die Partie in Monaco (20.45 Uhr/ZDF und Sky) macht, dass die Mannschaft nach dem traumatischen Attentat auf dem Platz funktioniert – und dass die erfahrenen Spieler vorangehen. Den Schwarz-Gelben wurde nach den schwankenden Auftritten in dieser Saison oft Charakterschwäche vorgeworfen, jetzt werden sie für ihre Charakterstärke gefeiert.

Dramatische 24 Stunden

Sie werden sie brauchen. Bei den Monegassen werden die dramatischen 24 Stunden rund um das Hinspiel hochkommen. Die Explosionen. Die Spielabsage. Die Tränen beim Nachholspiel am Abend danach. Das Attentat auf das eigene Leben vor einer Woche hat tiefe Spuren hinterlassen. Nach dem Frankfurt-Spiel räumte Schmelzer mit feuchten Augen ein, wie unwichtig ihm Fußball immer noch erscheine.

Doch gespielt werden muss trotzdem. Und sportlich wird es eine Mammutaufgabe beim Spitzenreiter der französischen Liga, dem die Generalprobe am Sonnabend mit einem 2:1-Sieg gegen Dijon glückte. Mindestens zwei Tore muss der BVB erzielen. Schwierig. Noch schwieriger wird es sein, gegen die offensivstarken Monegassen keinen Gegentreffer zu kassieren. Denn in der Dortmunder Defensive klafften auch gegen Frankfurt einige Löcher. Auch wenn Tuchel die Spielfreude lobte; mit mehr Konsequenz im Abschluss hätten die Gäste einen Punkt gewinnen können.

Tuchel lobte seine Mannschaft

Kritik äußerte Tuchel aber nicht. Er lobte seine Mannschaft: "Es ist nicht hoch genug zu würdigen, wie sie sich auf diese Aufgabe eingelassen hat." Auch nach Schlusspfiff forderte er das ganze Stadion auf, für seine Akteure zu klatschen, zu schreien. Tuchel weiß, was seine Elf leistet. Es wird ihn deswegen beruhigen, dass bei dieser Leistung die Erfahrenen vorangehen.

Gegen Frankfurt glänzte der 28 Jahre alte Sokratis in der Defensive und machte das 2:1 durch ein Traumtor. Der gleichaltrige Sahin ordnete das Mittelfeld, leitete das 3:1 ein. Marco Reus (27) wirkte so, als hätte es die fünfwöchige Verletzungspause nie gegeben, erzielte das 1:0 per Hackentrick. In der Halbzeitpause wurde er zur Sicherheit ausgewechselt. Schmelzer (29) lobte den Offensivkünstler: "Wir brauchen nur wenige Worte, um klarzukommen." Erfahrung eben.

Besuch von früheren Barça-Kollegen

Am Mittwoch braucht es diese Erfahrung. Und es braucht die neue Nähe. Sokratis etwa beschrieb seinen Treffer als das schönste Tor seiner Karriere. Wichtiger war ihm aber zu sagen: "Mein Tor ist für Marc." Noch eine kleine Geste, der am Ostersonntag eine Überraschung folgte. Als Zeichen der Solidarität bekam der Spanier Besuch aus der Heimat. Jordi Alba und Sergio Busquets, Bartras ehemalige Kollegen vom FC Barcelona, kamen in Dortmund auf eine Stippvisite vorbei.

Bei Instagram postete Alba ein Foto, das die drei Kumpels auf einer Couch zeigt. "Was für eine Freude, dich zu sehen und gemeinsam mit dir zu lachen, mein Freund", schrieb Alba. Bartra bedankte sich bei Twitter für den Besuch. "Überraschungsbesuche, die dich erfreuen und die man niemals vergisst. Danke von Herzen, Freunde", schrieb der 26-Jährige zu einem Foto der drei Fußballprofis.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.

Abendblatt Digital

Testen Sie jetzt 2 Wochen gratis das digitale Hamburger Abendblatt!