Formel 1

Sebastian Vettel bezeichnet Niki Lauda als "geizigen Sack"

Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda in Shanghai

Foto: Getty Images

Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda in Shanghai

Nach Platz drei im Qualifying für den großen Preis von China sorgte eine Wette für gespielten Missmut beim Ferrari-Piloten.

Shanghai. Einen kleinen Erfolg konnte Toto Wolff schon vor dem Formel-1-Rennen von China feiern. Mit Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda hatte der Motorsportchef der Silberpfeile nämlich vor der Qualifikation in Shanghai gewettet.

Lauda meinte, dass Mercedes am Sonnabend im Duell mit Ferrari nicht ganz vorn lande, Wolff hielt dagegen und hatte am Ende recht. Lewis Hamilton raste auf die Pole Position, Rang drei holte Teamkollege Valtteri Bottas. Im TV-Sender Sky zeigte Wolff den Wetteinsatz und sagte: "Die zehn Euro werde ich mit großer Freude ausgeben."

Ferrari-Star Vettel verpasste als Zweiter den besten Startplatz und meinte später augenzwinkernd mit Blick auf Laudas überschaubaren Wetteinsatz: "Nur zehn Euro? Geiziger Sack." Da habe Lauda aber "nicht viel Vertrauen" in die Scuderia gehabt, sagte Vettel lachend.

Vettel bleibt dennoch optimistisch

Nach der verpassten Pole Position hatte der Ex-Weltmeister zuvor einen langen prüfenden Blick auf den Silberpfeil seines Konkurrenten Hamilton geworfen, dem er sich mit einem Rückstand von 0,186 Sekunden geschlagen geben musste. Nur ein Tausendstel langsamer als der Heppenheimer war Bottas, der sich Rang drei vor Vettels Stallrivale Kimi Räikkönen sicherte.

Während sich Vettel auf dem Shanghai International Circuit wie schon beim Auftakt-Grand-Prix in Australien mit Rang zwei begnügen musste, schnappte sich Hamilton die 63. Pole seiner Karriere und die sechste in China. "Es war eine schöne Session am Ende. Ich hab's genossen, ich hätte es aber noch mehr genossen, wenn ich noch schneller gewesen wäre", meinte Vettel. Siegchancen im erwarteten Regenrennen sieht er natürlich. "Wir haben für morgen gute Karten, das hängt aber auch davon ab, was diese zwei Jungs machen", sagte Vettel und deutete auf die Mercedes-Rivalen Hamilton und Bottas.

Renault-Pilot Nico Hülkenberg landete auf einem starken siebten Platz. "Das war eine schöne Überraschung", meinte er nach der Qualifikation im Trockenen. "Ich lasse mich von den Bedingungen überraschen, mag Regen gern. Ich geh das ganz entspannt an."

Hamilton kommt Schumacher immer näher

Viel Zeit, um die richtige Abstimmung für ihre Autos zu finden, hatten die Formel-1-Piloten vor der Qualifikation nicht. Wegen Sicherheitsbedenken war das zweite Freitagstraining komplett gestrichen worden. Daher mussten Vettel & Co. ihr Programm für den Sonnabend erheblich straffen.

"Je länger du fährst, desto mehr minimierst du den Verlust an Erkenntnissen", sagte Hamilton, der nach der 75. Pole der Silberpfeile in der ewigen Rangliste Michael Schumacher (68) immer näher rückt. "Du denkst nur an die Schritte, die du ergreifen musst. Man geht in den Tag, als ob man nichts verloren hätte."

Der Grund für das Mini-Programm lag an dem dichten Nebel tags zuvor. Bei eingeschränkter Sicht hätte im Notfall der Rettungshubschrauber nicht am nahe gelegenen Krankenhaus landen können. Dies ist aber eine Voraussetzung, damit die Autos auf den Kurs fahren dürfen. Für den Rennsonntag ist ähnliches Wetter wie am Freitag vorhergesagt, der Motorsport-Weltverband FIA hat jedoch Vorsorge getroffen. Eine Polizeieskorte soll im äußersten Fall dafür sorgen, dass ein Krankenwagen schnell zum Hospital kommt.

Hamilton warnt vor Vettel

Australien-Sieger Vettel und Hamilton richten ihre Gedanken indes auf den nächsten Zweikampf. "Ferrari hat ein sehr sehr starkes Auto", warnte der Brite, der sich zum Schluss der Qualifikation ganz nach vorne schob. "Wir haben aber hart gearbeitet, um unseren Wagen besser zu verstehen." Auf Regen würde sich Hamilton freuen: "Es wird Spaß machen, wenn es feucht wird. Morgen wird eine neue Lektion."

Hamiltons Freude über die Pole konnte sein Teamchef Toto Wolff nur bedingt teilen. "Das ist nix wert. Morgen ist es zehn Grad kälter mit Regen. Für die Ingenieure sind mangelnde Daten eine Katastrophe", sagte Wolff mit Blick auf die absehbar veränderten Bedingungen am Renn-Sonntag. "Wir wissen überhaupt nicht, wo stehen wir mit dem Setup. Wir wissen überhaupt nicht, ob wir das im Rennen im richtigen Fenster haben. In Australien ist die Hitze gegen uns gegangen. Vielleicht hilft uns das diesmal."

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