Eine Woche nach Anschlag

Polizei hält BVB-Bus ohne Gründe auf: Tuchel außer sich

Der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund wurde erst mit Verspätung zum Stadion gelassen

Foto: Claude Paris/AP/dpa

Der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund wurde erst mit Verspätung zum Stadion gelassen

Auch beim Rückspiel gegen Monaco steht der Mannschaftsbus von Dortmund im Fokus. Wieder rückt Fußball in den Hintergrund.

Monaco. Acht Tage nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund sind Szenen im Inneren des Fahrzeugs erneut in den Mittelpunkt gerückt. Wie der BVB mitteilte, ließ die Polizei den Teambus ohne Angaben von Gründen knapp 20 Minuten verspätet vom Hotel zum Stadion losfahren. Der Anpfiff des Viertelfinal-Rückspiels in der Champions League beim AS Monaco verzögerte sich deshalb um fünf Minuten.

Trainer Thomas Tuchel kritisierte das Vorgehen der Beamten aufs Schärfste: "Gerade mal eine Woche nach dem Anschlag war das extrem unglücklich. Wir standen 16 bis 17 Minuten auf der Stelle, ohne zu wissen, wieso. Ein Polizist sagte uns nur immer wieder, es geschehe 'aus Sicherheit'", sagte der Coach bei Sky. "Das hat sich nicht gut angefühlt. Jeder hat sich seine Gedanken gemacht, an Fußball dachte in dem Moment keiner mehr. "

Nationalspieler Marco Reus wollte diesen Vorfall aber nicht aus Ausrede für das Ausscheiden in der Champions League gelten lassen. "Ich glaube nicht, dass dieses Geschehen Auswirkungen auf unsere Leistung hatte", sagte der Angreifer.

Bartra spricht in Kabine zum BVB

Am Dienstag vor einer Woche waren drei Sprengsätze am BVB-Bus explodiert. Verteidiger Marc Bartra verletzte sich dabei schwer an der Hand und musste operiert werden. Der Verein ließ ihn als Motivationsspritze für das Rückspiel nach Monaco einfliegen. "Ich habe ihn gefragt, weil er immer positive Energie ausstrahlt und er war sofort Feuer und Flamme", so Tuchel. Die Mannschaft habe davon erst am Mittwochvormittag erfahren. "Er bekommt die letzte halbe Minute in der Kabine – mal sehen, was er daraus macht", scherzte der Trainer.

"Er hat uns gesagt, dass noch nichts verloren ist und wir kämpfen sollen", sagte Reus über den Inhalt von Bartras Ansprache.

Tuchel hofft auf Spielglück

Doch Bartras Worte sollten nicht für eine Aufholjagd reichen. Nach der 2:3-Niederlage im Hinspiel, das keine 24 Stunden nach dem Attentat ausgetragen wurde, platzte der Dortmunder Traum vom Einzug ins Halbfinale durch die 1:3-Pleite im Rückspiel. Jungstar Kylian Mbappe (3.), Altmeister Radamel Falcao (17.) und 3:1 Valère Germain (81.) trafen für Monaco. Für Dortmund erzielte Reus (48.) kurz nach Wiederanpfiff den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer.

"Wir trauen uns zu, hier zu gewinnen", hatte Tuchel noch vor dem Anpfiff gesagt. Dabei setzte der Coach auf ungewöhnliche Faktoren, von denen die Bayern am gestrigen Abend zu wenig hatten. "Ich hoffe auch auf ein bisschen Spielglück." Am Ende fehlt nicht nur das nötige Glück, der BVB bekam auch keinen Zugriff und schied verdient aus.

Die Aufstellungen

Monaco: 1 Subasic - 38 Toure, 25 Glik, 5 Jemerson, 23 Mendy - 14 Bakayoko, 8 Moutinho - 10 Silva, 27 Lemar - 29 Mbappe, 9 Falcao. - Trainer: Jardim

Dortmund: 38 Bürki - 26 Piszczek, 25 Sokratis, 28 Ginter, 37 Durm - 33 Weigl, 8 Sahin - 11 Reus, 23 Kagawa, 13 Guerreiro - 17 Aubameyang.

Schiedsrichter: Damir Skomina (Slowenien)

Zuschauer: 17.000

Tore: 1:0 Mbappe (3.), 2:0 Falcao (17.), 2:1 Reus (48.), 3:1 Germain (81.)

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