Hamburg

Hawesko erprobt Weinbars

Hamburger Händler wächst mit neuen Konzepten, der Kette Jacques' und online

Hamburg.  Die Atmosphäre im Weinladen.de auf St. Pauli ist eher ungezwungen. Nicht nur edle Tropfen können die Kunden an der Paul-Roosen-Straße erwerben, sondern auch Freunde treffen, Winzer kennenlernen oder einfach entspannen. Mit der Mischung aus Bar und Shop will der Weinhändler Hawesko ein junges, städtisches Publikum ansprechen. Das Geschäft auf dem Kiez ist ein Prototyp, zwei weitere Läden sollen noch in diesem Jahr in Düsseldorf und Berlin aufmachen.

Weinladen.de ist eines jener neuen Konzepte, mit denen Hawesko-Chef Thorsten Hermelink das Wachstum der Hamburger Gruppe vorantreibt. Nach einem minimalen Plus von 0,9 Prozent auf 481 Millionen Euro 2016 soll der Umsatz in diesem Jahr um rund fünf Prozent klettern, wie der Vorstand am Donnerstag in Hamburg erklärte.

Im stationären Einzelhandel soll vor allem die schon etablierte Kette Jacques' Wein-Depot kräftig ausgebaut werden. "Wir planen, die Zahl der Geschäfte von 300 auf 350 in den kommenden drei Jahren zu erhöhen", sagte Hermelink. Zugleich setzt der Vorstandschef aber auch auf die Digitalisierung. Der Onlinehandel werde in der Gruppe stark an Bedeutung gewinnen, sagte er.

Hawesko ist mit insgesamt 17 verschiedenen Unternehmen und Markenauftritten im Groß-, Einzel- und Versandhandel mit Wein aktiv. Dazu zählen neben Jacques' Wein-Depot auch der führende deutsche Wein-Versender Hawesko.de, Vertriebskanäle für Restaurants und Hotels sowie Spezialanbieter. "Die Einzelunternehmen sollen gegenüber dem Kunden eigenständig agieren, aber in den rückwärtigen Diensten, wo es die Kunden nicht sehen können, sollen die Marken konzernweite Dienste in Anspruch nehmen", sagte Hermelink.

100 Mitarbeiter wechseln von Tornesch nach Hamburg

Er kam vor eineinhalb Jahren zu Hawesko, nachdem der langjährige Großaktionär und Vorstandschef Alexander Margaritoff das Unternehmen nach einem verlorenen Machtkampf verlassen hatte. "Unser Team hat in dieser Zeit vieles bewirkt und neue Entwicklungen anstoßen können", sagte Hermelink. Die Rolle der Unternehmensholding sei zu einer steuernden und strategisch lenkenden Führungseinheit ausgebaut worden.

Bereits 2016 hat Hermelink den Sitz der Holding mit gut einem Dutzend Mitarbeitern aus dem schleswig-holsteinischen Tornesch nach Hamburg an die Große Elbstraße verlagert. Im Sommer dieses Jahres sollen weitere 100 Beschäftigte aus dem Marketing dreier Tochtergesellschaften von Tornesch in die Hansestadt ziehen. Sie werden gemeinsam in den Gebäuden einer ehemaligen Marzipanfabrik in Bahrenfeld arbeiten. Davon verspricht sich der Vorstand mehr Effizienz.

Die neuen Strukturen sind bewusst darauf ausgelegt, weitere Firmen rasch in die Hawesko-Gruppe integrieren zu können. Vor allem in Österreich und in der Schweiz kann sich Hermelink die Übernahme von Konkurrenten vorstellen. Die finanzielle Ausstattung lässt dies zu: Im vergangenen Jahr wurde etwa die Übernahme der Weinhandelsplattform WirWinzer komplett aus dem Cashflow gestemmt. Der Konzern sei derzeit schuldenfrei, erklärte Finanzvorstand Raimund Hackenberger. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg im vergangenen Jahr deutlich von 20,1 auf 29,6 Millionen Euro und erreichte damit einen historischen Höchstwert. Dies hatte allerdings auch mit positiven Sondereffekten in Verbindung mit dem Vorstandswechsel zu tun.