Hamburg

Airbus liefert in Hamburg ersten A321neo aus

Premierenfeier für sparsamen Jet. Brisant: Virgin America, Betreiber des Flugzeugs, gehört mittlerweile einem überzeugten Boeing-Kunden

Hamburg. Mit dem nagelneuen, weiß-roten Jet auf dem Vorfeld macht Virgin America einen großen Sprung nach vorne – in mehrfacher Hinsicht: Die US-Fluggesellschaft betreibt damit das derzeit modernste Flugzeug in Nordamerika, denn bei dem Flieger handelt es sich um den allerersten A321neo, den Airbus ausliefert.

Anlässlich der feierlichen Übergabe im Hamburger Werk des Flugzeugbauers erklärte Peter Hunt, Präsident von Virgin America, was dies für die kalifornische Airline konkret bedeutet: Weil die Maschine größer ist als die bisher betriebenen A319- und A320-Jets und sie außerdem mit deutlich sparsameren Triebwerken ausgestattet ist, verbessere sich die Effizienz erheblich. "Der Kraftstoffverbrauch pro Sitzplatz nimmt gegenüber den anderen Maschinen in unserer Flotte um 20 Prozent ab", erklärte Hunt.

An Airbus liegt es nicht, dass aber die Feierstimmung am Donnerstagvormittag – dem strahlenden Sonnenschein in Hamburg zum Trotz – ebenso leicht getrübt war wie schon bei der Erstauslieferung des A320neo im Januar 2016 an die Lufthansa. Wegen Problemen mit dem vom US-Konzern Pratt & Whitney stammenden Triebwerk hatte sich die Auslieferung damals mehrfach verzögert; außerdem war klar, dass die Kinderkrankheiten des neuartigen Antriebs noch nicht restlos behoben sind.

Diesmal wurde die Übergabezeremonie nicht von technischen Schwierigkeiten überschattet, zumal sich Virgin America für Triebwerke eines anderen Herstellers – CFM, eine Gemeinschaftsfirma von General Electric (USA) und Safran (Frankreich) – entschieden hat. Aber die von dem britischen Unternehmer Richard Branson im Jahr 2005 gegründete Fluggesellschaft ist im vergangenen Jahr von dem deutlich größeren Wettbewerber Alaska Airlines übernommen worden. Und zu dessen erklärter Firmenpolitik gehört es, ausschließlich Boeing-Maschinen zu betreiben. "Proudly All Boeing" prangt am Rumpf aller 155 Alaska-Flugzeuge.

Insofern ist unklar, wie man mit den nun 64 Airbus-Jets von Virgin America umgehen wird. Von dem neuen Typ A321neo sollen bisherigen Plänen zufolge zehn Maschinen betrieben werden, die allerdings der Leasinggesellschaft Gecas gehören. Im Februar hatte eine Virgin-America-Sprecherin dem Branchenportal aero.de gesagt, alle zehn dieser Flugzeuge würden bis zum dritten Quartal 2018 in der Flotte eintreffen. Fraglich ist aber, wie man mit dem Auftrag über 30 Maschinen des Typs A320neo, die Virgin America selbst geordert hatte, verfahren will. Die Marke jedenfalls soll nach Angaben von Alaska Airlines "irgendwann im Jahr 2019" aufgegeben werden.

Abgesehen von diesen speziellen Umständen der jüngsten Erstauslieferung gab es für Airbus durchaus Grund zum Feiern. "Für uns ist das ein großer Tag – ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des A320-Programms", sagte Andreas Fehring, Leiter des Hamburger Werks und stellvertretender Chef von Airbus Deutschland. "Wir stehen aktuell kurz vor der Auslieferung des 100. Neo-Flugzeugs." In diesem Jahr wird die Produktion dieser modernen Ausführung der A320-Familie erheblich an Tempo gewinnen: "Im vorigen Jahr haben wir 68 Flugzeuge der Neo-Variante ausgeliefert, 2017 sollen es etwa 200 sein", so Fehring. Fast alle bisher produzierten Maschinen waren mit CFM-Triebwerken ausgestattet. Die Auslieferung solcher Flugzeuge war vorgezogen worden, um Pratt & Whitney Zeit zu geben, die Schwierigkeiten mit deren Motoren auszuräumen.

Der Treibstoffverbrauch sinkt um 15 Prozent

Beide Antriebe verbrauchen nach Angaben der Hersteller rund 15 Prozent weniger Treibstoff als die bisherigen Triebwerke. Angesichts dieses Vorteils verkaufen sich die Neo-Maschinen sehr gut: Fast 5000 davon stehen im Auftragsbuch – neben knapp 600 Jets mit den traditionellen Antrieben. Um die Bestellungen in vertretbarer Zeit abarbeiten zu können, baut Airbus die Fertigungskapazität derzeit weiter aus. "Beim Produktionshochlauf der A320-Familie bis auf 60 Jets im Monat im Jahr 2019 gibt es noch einige Herausforderungen, nicht zuletzt im Hinblick auf die Zulieferkette", räumt Fehring ein. "Aber wir sehen keine größeren Risiken und wir liegen im Plan." Derzeit würden monatlich 50 Maschinen der A320-Familie gefertigt, in Hamburg seien es 32.

Erfreulich für Airbus: Der Anteil des A321, des größten und mit einem Listenpreis von bis zu 118 Millionen Euro teuersten Familienmitglieds, steigt stetig. Maximal 240 Fluggäste kann ein A321 befördern. Virgin America aber gönnt den Passagieren etwas mehr Platz: Der am Donnerstag ausgelieferte Jet hat nur 185 Sitze.