Hamburg

Mit den Mitteln des Tanzes gegen Mauern kämpfen

"Against A Hard Surface"aus Palästina gastiert beim "Theater der Welt"-Festival

Hamburg.  Die Mauer ist nicht erst seit Trump-Zeiten ein starkes Symbol von Ausgrenzung und Abschottung. Auf der Bühne liefert so eine Mauer eine starke, eindeutige Metapher. In der Produktion "Against A Hard Surface" der palästinensischen Choreografen Samar Haddad King und Amir Nizar Zuabi, die derzeit beim Festival "Theater der Welt" gastiert, erhebt sie sich grau, schwer und undurchdringlich auf der Bühne des Thalia in der Gaußstraße.

Es ist klar, dass die neun Tänzerinnen und Tänzer sich mal allein, mal in Gruppen gegen sie stemmen werden. Der Widerstand ist für das Publikum sicht-, spür- und hörbar. In sanften, runden Bewegungen scheinen sich die Akteure erst Mut zu machen, um dann umso härter an der Mauer zu landen, die Spuren an den Körpern hinterlässt. So wie an allen von der Außenwelt Abgeschnittenen, und natürlich denkt der Zuschauer etwa an den Gazastreifen in den palästinensischen Autonomiegebieten.

Es gibt schöne Zweierszenen, zart, ineinandergreifend. Es gibt Soli, in denen sich ein Kletterer an der immerhin mit ein paar Grifflöchern versehenen Wand emporhangelt. Die Musik wummert elektronisch aus den Boxen, die Dynamik ist gerade in den Gruppen­tableaus eindrucksvoll hoch.

Häufig ist es besser, den Tanz für sich sprechen zu lassen. Und so mindern allzu eindeutige Bilder die Qualität des Abends. Die immer wieder sich an der Mauer abarbeitenden Tänzer, der Zitternde, die Verzweifelte, zu viel der eindeutigen Symbolik, zu viel der künstlichen Emphase, die es nicht gebraucht hätte.

Samir Haddad King/Amir Nizar Zuabi: "Against A Hard Surface" 8.6., 19.00, Thalia Gaußstraße, Festival "Theater der Welt 2017" noch bis zum 11.6., www.theaterderwelt.de

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