Elbphilharmonie

"Ein Vehikel in eine andere mentale Dimension"

Edgar Froese (Tangerine Dream) und
Bianca Froese-Acquaye

Foto: Eastgate Music

Edgar Froese (Tangerine Dream) und Bianca Froese-Acquaye

Legendäre Electronic-Band "Tangerine Dream" kommt in die Elbphilharmonie. Die Witwe des Gründers kündigt ein besonderes Konzert an.

Hamburg.  Vor 50 Jahren wurde die deutsche Electronic-Band Tangerine Dream von Edgar Froese gegründet, 1970 erschien mit "Electronic Mediation" das erste Album, und schon bald hatten die sphärischen Synthesizerklänge auch international riesigen Erfolg. Im Februar 2018 kommt Tangerine Dream, deren Gründer inzwischen gestorben ist, in die Elbphilharmonie. Für das Konzert gibt es noch Restkarten. Froeses Witwe Bianca Froese-Acquaye, die das bandeigene Label verantwortet und zahlreiche Albumcover entworfen hat, erzählt, was die Fans erwartet.

Nach dem Tod von Edgar Froese im Januar 2015 rechneten viele Fans mit dem Ende von Tangerine Dream. Warum geht es dennoch weiter?

Bianca Froese-Acquaye: Edgar hatte noch im Sommer 2014, nach unserer "Phaedra Farewell"-Tour, beschlossen, eine neue Phase von Tangerine Dream einzuleiten, die sogenannten "Quantum Years". Edgar war schon in seinen jungen Jahren sehr an Quantenphysik und –philosophie interessiert und hatte konkrete Vorstellungen, die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus diesem Bereich in Musik umzuwandeln. Bereits im November 2014 spielten wir drei Konzerte in Australien mit dieser neuen Ausrichtung und in neuer Formation. Für mich und auch für die Band war es eine Herzensangelegenheit, Edgars letzte Vision zu realisieren.

In den frühen Siebzigern wurde Tangerine Dream zur Legende. Wie konnte die Band so lange durchhalten?

Froese-Acquaye: Weil es nie um die Band an sich ging, sondern immer um das Konzept, die Idee, die Philosophie, die dahinter stand. Als Gründer und Kopf der Band war ­Edgar die treibende Kraft und hielt als einziges konstantes Mitglied bis zu seinem Tod 47 Jahre lang die Fäden in den Händen. Edgars kompromissloses Motto war stets: "Die Musik ist der Star."

Für das Elbphilharmonie-Konzert ist neben neuen Kompositionen auch ein "Best of der Klassiker" angekündigt? Welche sind das?

Froese-Acquaye: Sicherlich werden wir TD-Klassiker wie "Phaedra", "Rubycon", "Das Mädchen auf der Treppe" (eine bekannte "Schimanski-Tatort"-Melodie), "Logos", "Stratosfear", "Cloudburst Flight" und so weiter, aber auch neuere sowie ganz neue Kompositionen aus dem aktuellen Album "Quantum Gate", das am 29. September erscheint, hören.

Wer in den 70er-Jahren als Jugendlicher Tangerine Dream gehört hat, ist heute im Rentenalter. Ist bei Konzerten also Grau die dominierende Haarfarbe?

Froese-Acquaye: Weit gefehlt! Die Musik ist so zeitlos wie ihre Zuhörer. Wer bewusst in ein Tangerine-Dream-Konzert geht, nimmt sich die Zeit zum Träumen, und wer noch träumt, kann definitiv nicht alt sein!

Die Musik von Tangerine Dream galt früher als Soundtrack zum Drogentrip. Was wird denn heute so eingeworfen?

Froese-Acquaye: Zum Soundtrack von Tangerine Dream muss nichts eingeworfen werden, er hat die Kraft, als Vehikel in eine andere mentale Dimension zu dienen, und der Zuhörer kommt in den Genuss, sein ganz eigenes, individuelles "Kino im Kopf" zu erleben. Was braucht man mehr?

Hamburg-Konzert: 7.2.2018, 20.30 Uhr, Elbphilharmonie, Karten ab 73,50 Euro unter www.elbphilharmonie.de,
Internet: www.tangerinedream-music.com und www.bianca-froese-acquaye.com

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