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Pilawa und Wolter: Vom Schulfreund zum Geschäftspartner

Moderator Jörg Pilawa in den Kulissen der ARD-Quizshow
„Paarduell“

Foto: picture alliance / Horst Galusch

Moderator Jörg Pilawa in den Kulissen der ARD-Quizshow „Paarduell“

Moderator Jörg Pilawa und TV-Manager Marcus Wolter über ihre Cowboystiefel-Beziehung, ihre Firma Herr P. und den Reiz von Quizshows.

Hamburg.  Der eine ist einer der bekanntesten Moderatoren Deutschlands. Der andere ist einer der wichtigsten Fernsehmacher Deutschlands. Jörg Pilawa und den Endemol-Shine-Deutschland-Chef Marcus Wolter eint mehr als die Leidenschaft fürs Unterhaltungsfernsehen. Die Hamburger verbindet eine gemeinsame Jugend. Ein Gespräch in Pilawas Firma Herr P., die unter anderem das Vorabendquiz "Schätzen Sie mal!" produziert, das die ARD von heute an fünfmal pro Woche zeigt.

Wie lange kennen Sie beide sich eigentlich?

Marcus Wolter: Wir sind zusammen zur Schule gegangen.

Jörg Pilawa: Ich war einige Klassen über ihm. Aber meine erste richtige Freundin hatte eine kleine Schwester, die wiederum mit Marcus liiert war.

Wolter: Jörg fuhr damals bereits eine Ente, ich fuhr ein Mofa. Außerdem trug er so eine Schimanski-Jacke und Cowboystiefel vom Kiez. Jörg war DJ, Tanzlehrer in der Tanzschule Wendt, eine große Nummer halt. Ich hab bei meiner Freundin geklingelt, und da standen diese Cowboystiefel. Mein Herz rutschte in die Hose, und ich dachte nur: "Wie willst du denn jetzt bei diesem Mädchen landen?" (Pilawa lacht) Dann war er aber total nett. Später war Jörg der einzige Radiomoderator, der meine Band gespielt hat.

Pilawa: Die Love Pirates.

Klangen die so, wie sich der Bandname anhört?

Pilawa: Besser. Viel besser.

Wie hat sich der Kontakt erhalten?

Pilawa: Es gab lange Funkstille. Ich hab in Ansätzen verfolgt, was Marcus alles sehr Erfolgreiches gemacht hat: Viva, die Stefan-Raab-Geschichten (Wolter war einer der Entdecker von Stefan Raab). Kontakt hatten wir aber erst 2010 wieder, durch "Rette die Million". Ein Endemol-Format, das Marcus mir angeboten hat. Und dann war das mit uns wie früher – tiefe Liebe!

Wolter: So war's. Jörg war damals in einer einjährigen Auszeit und eigentlich für niemanden zu sprechen. Ich habe aber so sehr an "Rette die Million" geglaubt und daran, dass Jörg das moderieren muss, dass ich nach Kanada geflogen bin und es ihm dort angeboten habe.

Pilawa: Ich wundere mich bis heute, wie du mich am Flughafen erkannt hast. Ich hatte nämlich so einen Bart (zeigt Gandalf-mäßige Ausmaße) und lange Haare.

Und Cowboystiefel?

Pilawa: Ich war schon weiter: barfuß. (lacht) So sind wir wieder zusammengekommen. Und dann haben wir eine Firma gegründet, die Herr P.

Die Herr P. haben Sie gemeinsam gegründet? Es klang bisher immer so, als ob Marcus Wolter mit Endemol erst später eingestiegen wäre.

Pilawa: Die Zusammenarbeit bei "Rette die Million" habe ich zum Anlass genommen, mit Endemol eine neue Firma zu gründen. Und da war Marcus ein Grund: Eigentlich hatte ich gar keine Lust mehr, mir das noch einmal anzutun. Meine erste Firma White Balance hatte ich ja schon Jahre vorher verkauft. Aber mit Marcus hatte ich da schon Bock drauf.

Endemol Shine hält 51 Prozent an der Herr P. Wer entscheidet da?

Pilawa: Ich sag, wie's gemacht wird, und Endemol macht das dann so.

Wolter: So isses. (lacht) Ich unterstütze, wo ich kann. Und weil wir befreundet sind, ist das hier eine etwas andere Firma. Am Ende des Tages würde ich sagen, bei einer Firma, die Herr P. heißt, trifft Jörg Pilawa die Entscheidungen – und das ist richtig so.

Pilawa: Wir profitieren ja voneinander: Formate, die wir hier in Hamburg für den deutschen Markt entwickeln, verkauft Endemol für uns weltweit. Das könnte ich allein gar nicht.

Der alte Spruch "Bei Geld hört die Freundschaft auf" gilt bei Ihnen nicht?

Pilawa: Ja, das ist definitiv so, weil Marcus mir vertraut. Wenn ich sage "Pass auf, wir haben gerade eine Phase, in der wir nicht so viel Gewinn generieren, aber ich glaube, das ist eine Investition in die Zukunft", wird Marcus immer "ja" sagen. Das wäre bei einem anderen Konzern, bei dem es diese enge Bindung nicht gibt, so nicht möglich. Aber die brauche ich, und die brauchen meine Leute auch.

Also nimmt Pilawas Firma im Portfolio von Endemol Shine eine Sonderstellung ein?

Wolter: Herr P. ist für mich eine besondere Firma, weil Jörg und ich uns seit Cowboystiefel-Tagen kennen. Weil ganz viel ... Love Pirates drin steckt?

Herr Pilawa, Sie sind Deutschlands Quizonkel, Ihre Firma produziert primär Quizshows: Was macht das Genre besonders?

Pilawa: Als ich damit angefangen habe – das ist jetzt 17, 18 Jahre und gut 3000 Sendungen her – habe ich in einem meiner ersten Interviews gesagt: "Wenn ein Quiz zwei Jahre läuft, dann haben wir Glück". Was für ein Schwachsinn. Heute sage ich: Im Jahr 2078 wird sich das lineare Fernsehen mit einer Quizshow verabschieden. Ich bin überzeugt, dass sie etwas bedienen, was im Fernsehen ganz wichtig ist: eine Form von Interaktion. Eine Quizfrage löst sofort den Reflex aus, mitzuraten.

Haben Sie überhaupt noch Lust, Kandidaten Quizfragen zu stellen?

Pilawa: Es sind gar nicht die Fragen: Es sind die Kandidaten. So lange ich Spaß an Menschen habe, werde ich auch Spaß an Quizshows haben. Das Phänomenale ist, wie sich Kandidaten verändern im Lauf einer Sendung. Es gibt zum Beispiel den Ich-kann-alles-Kandidaten, der reinkommt und sagt "Attacke, die Million ist meine!". Und wenn der ein, zwei Fragen bekommt, bei denen er nichts weiß, geht der ein bisschen gebückt aus dem Studio. Und das Publikum freut sich. Es gibt aber auch die Fälle, dass ein Ehepaar bei mir spielt. Der Mann vorneweg, die Frau hinterher; seit 25 Jahren verheiratet, er hatte immer das Sagen. Und sie schafft es innerhalb von drei Fragen, ihm zweimal ein Veto reinzuknallen. Die gehen genau andersherum aus dem Studio. Das sind Momente, in denen ich sage: "Was für einen geilen Job habe ich eigentlich?"

"Schätzen Sie mal!", ab 16.6., Mo.–Fr., 16.15 Uhr, ARD

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