Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. Juni 2017

Dekadent!

14. Juni: Umstrittene Kunstaktion.
Blattgold für die Veddel

Da müssen Menschen in dieser Stadt teilweise bei Tafeln ihr Essen holen, weil sie sonst nichts im Kühlschrank haben, und in einem der davon betroffenen Stadtteile wird Blattgold an die Wände gekleistert von einem sogenannten Künstler. Dekadent! Und das von Steuergeldern. Schämt euch, Kulturbehörde.

Angelika und Volker Westphalen, Reinbek

Und hinter der Fassade?

Wie mag es hinter der bald vergoldeten Hausfassade, also im Innern, aussehen? Ja, das wird nicht berichtet, der "Künstler" darf ja nicht gestört werden und hüllt sich in Stillschweigen. Und eine Stiftung der Saga-Unternehmensgruppe unterstützt das noch alles.

Inge Nolting, per E-Mail

Teurer Blödsinn

Man mag über die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit von "Quartierskünstlern" streiten, aber wenn auf Kosten von uns allen ein derartiger teurer Blödsinn betrieben wird, fällt das Urteil nicht schwer. Unsere Schulen leiden unter Renovierungsstau, in Afrika droht 23 Millionen Menschen der Hungertod, aber die Behörde lässt für 85.000 Euro eine Hauswand vergolden. Nicht jede Aktion wird dadurch zum Kunstwerk, weil sie den Betrachter maximal provoziert.

Dr. Thomas Koch, per E-Mail

Der Künstler hat sein Ziel erreicht

Wie beruhigend, dass es auch noch eine Meinung gibt, wie Nico Binde sie äußert.

Die 85.622 Euro wären ja nicht automatisch, hätte der Künstler Boran Burchhardt auf sein Projekt verzichtet, dem Stadtteil Veddel zugutegekommen. Es stimmt: Der Künstler hat sein Ziel erreicht, noch bevor er das Projekt abgeschlossen hat. Das kann nur Kunst bewirken.

Ingrid Weißmann, Norderstedt

Vom Gold geblendet

Viele Menschen, Kulturschaffende und besonders die politisch aktiven Gremien scheinen jeden Maßstab verloren zu haben. Es gilt das Motto: Geld regiert die Welt. Menschlichkeit, Humanität, Verstand oder soziale Verantwortung sind aussterbende Eigenschaften, und es ist uns unverständlich, wie Behörden und Entscheidungsträger bei dem Elend in der Welt die Augen bei einer vergoldeten Fassade verschließen können. Möglicherweise sind sie von dem Gold geblendet worden. Wir sind empört über diese Steuergeldverschwendung.

Eleonore und Klaus Hellberg, Hamburg

Integrationsprojekte fördern

Das "Kunstprojekt" auf der Veddel kann nicht überzeugen. Denn auch wenn es stimmt, dass der Stadtteil mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdient hätte, da hier beispielsweise im Zuge des Olympia-Referendums kein einziges Mal eine offizielle Informationsveranstaltung des Senats stattgefunden hat, wäre das nicht wenige Steuergeld eindeutig besser angelegt in einem der zahlreichen örtlichen Integrationsprojekte. Zudem zeugt es von fehlender künstlerischer Selbstreflexion, die allerdings nicht selten vorkommt, wenn man eine Idee konsequent durchzieht, von der man weiß, dass sie sehr viele betroffene Menschen, wie in diesem Fall die Bewohner, in dem Viertel überhaupt nicht wollen. Deshalb bleibt die Hauptkritik, dass die goldene Fassade nicht dem Gemeinwohl, sondern dessen Gegenteil dient.

Rasmus Ph. Helt, Hamburg-Veddel

Sinnvollere Möglichkeiten

Unfassbar, dass so etwas den nicht gerade wohlhabenden Bewohnern ungefragt vorgesetzt wird. Obwohl die Kulturbehörde den ihr zugestandenen Betrag von über 85.000 Euro ja irgendwie "verbraten" muss, hätte es doch sinnvollere Möglichkeiten gegeben.

Swantje Pöhls, per E-Mail

Unnötiges Forum

13. Juni: ,Pri­vi­le­gien der Kirche gehören ab­ge­schafft'. Das ,Säkulare Forum' sieht sich als Interessenvertretung der konfessionsfreien Hamburger

Das Interview mit den beiden älteren Herren, die offensichtlich dringend nach Aufgaben suchen, ist wirklich befremdlich. Was für eine unnötige und falsche Signale aussendende Botschaft in dieser ohnehin schon "gottlosen" Stadt. Unser christlich abendländisch geprägtes Leben erodiert auf alle Ebenen – und jetzt auch noch so ein unnötiges Wichtigtuer-Forum! Oh My God!

Alexandra von Rehlingen, Hamburg

Spielerische Qualität wird reduziert

15. Juni: Bruch­ha­gen: ,Wir sind hand­lungs­fä­hig'. HSV-Chef widerspricht der Darstellung, der Club müsse erst Spieler veräußern, um Neuzugänge zu bezahlen

Man kann es auch so sehen: Die sogenannten Sparzwänge führen dazu, Spieler zu verkaufen, für die noch Ablösen zu erzielen und nennenswerte Gehaltseinsparungen zu erzielen sind. Anders ausgedrückt: Spieler mit Marktwert und/oder Entwicklungspotenzial werden abgegeben, damit die ohne Perspektive und Marktwert finanziert werden können. Noch anders ausgedrückt: Man reduziert Qualität, damit mindere Qualität bleiben kann. Strategisch orientierte Personalpolitik stelle ich mir anders vor. Das gegenwärtige Hauruck-Verfahren steigert das große Risiko enorm: Das finanzielle wird (etwas) verkleinert, das sportliche (massiv) vergrößert. Man scheint dabei zu vergessen, dass dem sportlichen Erfolg der wirtschaftliche folgt. Das gilt umgekehrt übrigens auch. Also handelt mit Augenmaß, macht euch frei von dem Druck von Aufsichtsräten. Seid mutig, entschlossen und nervenstark. Handelt als Unternehmer und nicht als subalterne Angestellte/Buchhalter/Controller, ihr HSV-Verantwortlichen.️Verhaltet euch endlich so, wie ihr es von euren Spielern erwartet.

Sven Kröger, Hamburg

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.

Abendblatt Digital

Testen Sie jetzt 2 Wochen gratis das digitale Hamburger Abendblatt!