Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 29. Juni 2017

CDU schlachtet heilige Kuh

28. Juni: Ehe für alle: Ab­stim­mung wohl noch diese Woche. Große Mehrheit im Bundestag könnte Gleichstellung homosexueller Partnerschaften beschließen

Die CDU fischt nun an allen Ecken nach Stimmen, selbst wenn es um heilige Kühe geht. Ich lehne die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ab. Allerdings befürworte ich eingetragene Partnerschaften mit nahezu gleichen Rechten. Steuerliche Vorteile sollten allerdings Paaren, die Kinder zeugen und aufziehen, vorbehalten sein, da sie der Gesellschaft die Zukunft sichern. Auch die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare halte ich für ein schwieriges Thema.

Peter Groth, Ellerau

SPD führt Koalitionspartner vor

Seit 35 Jahren lebe ich mit meinem Partner zusammen und uns verbindet eine eingetragene Partnerschaft. Eigentlich sollte ich mich freuen, dass jetzt anscheinend etwas Elementares passiert, und wir als verheiratet gelten werden. Was ich aber ablehne, ist die Einstellung der SPD zu dem geschlossenen Koalitionsvertrag, der wechselnde Mehrheiten ausschließt, jetzt aber wohl dazu führen wird, mit der Linken, FDP und Grünen den Koalitionspartner nicht nur zu brüskieren, sondern vorzuführen. Die Große Koalition hat "Die Ehe für alle" nicht als Thema gehabt – warum jetzt am Ende der gemeinsamen und vertrauensvollen Regierungsarbeit? Klüger wäre es auch für die SPD gewesen, die "Ehe für alle" als Wahlaussage festzuschreiben und sich damit von der CDU abzugrenzen und den Koalitionsvertrag einzuhalten.

Dietmar Johnen-Kluge, per E-Mail

Verwerfliche Tat

27. Juni: Rad­mut­tern von Po­li­zis­ten­au­tos gelockert – Sabotage wegen G20? Ermittler schließen po­li­ti­sches Motiv nicht aus

Es ist für mich unbegreiflich, wie Menschen mit dem Leben Anderer so fahrlässig umgehen. Kritik an G20 ist das eine. Wenn aber Radmuttern an Privatfahrzeugen von Polizisten gelockert werden, dann hat das nichts mehr mit Protest zu tun. Diese Kriminellen nehmen in Kauf, dass die ganze Familie auf dem Weg zum Kindergarten oder zur Schule verunglückt. Das ist verwerflich und gehört bestraft.

Thomas Köpke, Itzstedt

So wird der Frieden verhindert

Was ist in den Köpfen dieser Leute los? Statt Menschen in Not zu helfen, nutzen sie ihre Lebenszeit, um Menschen zu verletzen. So wird die Möglichkeit, einer friedlicheren, sozial gerechteren Welt sicher verhindert.

Markus Erich-Delattre, Hamburg

Unglaubliche Urteilsbegründung

27. Juni: Kind am Jung­fern­stieg ver­ge­wal­tigt – drei­ein­halb Jahre Haft

Ist in unserem Rechtsstaat wirklich eine solch unglaubliche Urteilsbegründung möglich? Ja, das Gericht sieht mildernde Umstände für den irakischen Angeklagten Ali D., der ein 13-jähriges Mädchen vergewaltigte, weil er sie für älter hielt. Was ist das für ein Richter, der die Strafe für eine Vergewaltigung einer Frau von der Einschätzung des Alters der Vergewaltigten abhängig macht? Eine Vergewaltigung ist immer eine Vergewaltigung. Da kann es doch keinen Rabatt auf die Strafe geben. Hätte Ali D. etwa noch weniger an Strafe erhalten, wenn er das Mädchen für 18 oder 23 Jahre gehalten hätte? Vielleicht gibt es dann ja gar keine Strafe mehr. Das Urteil und die Begründung muss für die Eltern und für das Mädchen, das dieses traumatische Erlebnis sein ganzes Leben lang nicht vergessen wird, wie blanker Hohn wirken.

Willibald Brendel, Norderstedt

Kirchen könnten Platz bieten

26. Juni: Trotz Urteils – Hamburgs Grüne fordern Camp für G20-Gegner. Ver­an­stal­ter rufen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt an

Sowohl Frau Göring-Eckardt als auch die Bischöfin Frau Fehrs könnten sich endlich einmal profilieren, indem sie den 10.000 G20-Gegnerinnen und Gegnern in ihren 162 evangelischen Kirchen in Hamburg einen Platz anbieten. Das wären pro Kirche 62 Menschen. Als Reserve stünden 42 katholische Kirchen zur Verfügung. Vorteile: Die Kirchen wären endlich einmal voller, Frau Fehrs könnte den G20-Gegnerinnen und Gegnern Ihren Segen spenden und diejenigen, die gewaltbereit sind, zur Mäßigung ermahnen.

Heiko Gerdau, Hamburg

Argumente statt Hass-Parolen

Redlicher wäre es gewesen, wenn die Grünen sich gegen Demonstrationstourismus und für ein ausschließliches Demonstrationsrecht am Wohnort eingesetzt hätten. Viele Millionen Euro für Polizeieinsätze würden den Kommunen erspart bleiben und könnten dann für mehr Bildung ausgegeben werden. So aber verfälschen reisende Demonstranten nur die Wirklichkeit. Nicht Lautstärke und Hass-Parolen, sondern Argumente zählen beim Wähler.

Siegfried Meyn, per E-Mail

Lärm nur für einen Tag

26. Juni: Harley Days. Wenn die Luft bebt und die Ohren dröhnen

Weil fortlaufend kontrovers über die Harley Days berichtet wird, habe ich sie mir erstmals selbst angesehen und gehört: Jede Menge wichtig aussehender Männer mit Frau und Kind – und ihrem Lieblingsspielzeug. Die Harley ist einfach ein Hingucker, mal kunstvoll, mal martialisch, aber auch verspielt und meist ordentlich rausgeputzt. Der Rolls-Royce unter den Motorrädern. Ein gewisser Geräuschpegel gehört – wie beim Flughafen – dazu. Der Unterschied: Bei den Harley Days kann ich mich von der Straße fernhalten oder im Haus die Fenster schließen. Im Gegensatz zur Flugbelastung in Quickborn, Norderstedt oder Henstedt-Rehn ist doch klar: Der Lärm kommt nicht am nächsten Tag wieder.

Johannes Zink, Norderstedt

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