Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 13. Juli 2017

Flagge zeigen gegen links

12. Juli: G20 in Hamburg

Liebe Hamburgerinnen und Hamburger,

mein Name ist Anja und ich bin die Frau eines rheinland-pfälzischen Bereitschaftspolizisten, der bei Euch anlässlich des G20-Gipfels eingesetzt war. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, welche Ängste ich um ihn ausgestanden habe. Ich kann mir aber auch vorstellen, welche Ängste ihr ausgestanden haben müsst – um euer Hamburg, euer Eigentum und um eure körperliche Unversehrtheit als die linken Gewalttäter marodierend durch eure Straßen gezogen sind. Ich bewundere euch Hamburger, denn ihr habt am Sonntag in beeindruckender Weise mit der Aktion "Hamburg räumt auf" gezeigt, wie Hamburger zusammenstehen und sich gegenseitig helfen. Ihr habt euer Schanzenviertel gemeinsam binnen kürzester Zeit wieder "auf Vordermann" gebracht. Ich bewundere euch auch dafür, wie ihr euch in der Vergangenheit gegen rechte Gewalt gestellt und Kante gezeigt habt. Wann immer es galt, wart ihr da mit Demonstrationen, Lichterketten, Mahnwachen oder sonstigen Aktionen um Stellung gegen Rechts zu beziehen. Was ich im Moment jedoch vermisse ist genau dieses "Kante zeigen" gegen die linke Gewalt. Hätten rechte Gewalttäter eure Schanze verwüstet, dann wäret ihr schon längst mit Lichterketten oder Mahnwachen wieder auf der Straße. Es würde mich sehr freuen, wenn von euch gegen linke Gewalt jetzt ein klares Zeichen gesetzt werden würde, distanziert euch von den linken Gewalttätern, denn es gibt keine gute linke Gewalt. Zeigt Flagge, so wie ihr es bei allen anderen Anlässen auch getan habt. Wenn ihr das tut, dann waren auch die über 500 verletzten Kolleginnen und Kollegen meines Mannes nicht umsonst.

Eure Anja

Gern geschehen!

Ich bin ein Polizist aus Hessen, der am Wochenende auch in Hamburg war, unter anderem auch in der Schanzenstraße/Ecke Schulterblatt. Ich finde die Aktion "Hamburg sagt Danke" echt super, möchte Ihnen aber auch sagen, das wir alle gerne alles uns Mögliche für die Hamburger Bürger gegeben haben, um diese einfach tolle Stadt mit ihren Menschen zu schützen. Selbst im Einsatz gab es ganz tolle Situationen mit Menschen, die uns gedankt haben. Ich behalte Hamburg in guter Erinnerung und werde sicher noch oft zu Besuch kommen.

Michael Hei aus Hessen

Engagierte Berichterstattung

Alle demokratischen Bürger, die weltoffene Gemeinwesen in Europa schätzen, danken den Männern und Frauen der Polizei, die unter Lebensgefahr die Durchführung des G20-Gipfels ermöglichten. Das von Ihnen angeregte Dankeskonzert übermorgen für die Polizeikräfte ist mindestens so wichtig wie das Konzert vom letzten Freitag für die Staatsgäste. Ich danke Ihnen für die engagierte Berichterstattung.

Hansjörg Bopp, Solingen

Gemeinsame Entscheidung

Die Aussagen von Kanzleramtsminister Altmaier sind begrüßenswert, unterstreicht er doch die gemeinsame Entscheidung von Bund und Land für Hamburg als Standort für den G-20-Gipfel und somit auch die gemeinsame Verantwortung. Das Problem der Gewalt hätte man auch in jeder anderen Stadt gehabt. Die Auffassung von Herrn Trepoll (CDU), der Bürgermeister hätte sein Sicherheitsversprechen gebrochen und müsse deshalb zurücktreten, ist rein parteipolitisch zu sehen und wird der Situation nicht gerecht. Die Toleranzpolitik gegenüber der Roten Flora gibt es seit vielen Jahren, auch der langjährige CDU-Senat hat daran nichts geändert. Jetzt waren aber nicht nur sogenannte Linke, sondern Chaoten aller Couleur am Werk, nur um zu randalieren und zu zerstören.

Kai Müller, per E-Mail

Rücktrittsforderung ist naiv

Es ist naiv, wenn CDU-Bürgerschaftsfraktionschef Andre Trepoll jetzt ins parteipolitische Horn stößt und den Rücktritt von Olaf Scholz fordert. Ich empfehle ein klärendes Gespräch mit Kanzleramtsminister Altmaier sagte kürzlich, dass die Sicherheitsvorkehrungen beim G20-Gipfel von der Stadt Hamburg und den Bundesbehörden gemeinsam durchgeführt und geplant wurden. Wenn also Olaf Scholz nach den Ereignissen als Bürgermeister seinen Hut nehmen soll, müsste in der Konsequenz genauso die Bundeskanzlerin als politisch Verantwortliche zurücktreten. Der Aufruf ist blanker Populismus und am Ende leider zu kurz gedacht.

Dirk Adamek, per E-Mail

Scholz gibt trauriges Bild ab

Verfolge ich in den letzten Tage die Handlungsweise unseres Bürgermeisters Olaf Scholz, so ergibt sich ein trauriges Bild. Wehleidig kommentiert er das Geschehene, duckt sich hinter den radikalen Demonstranten ab, dankt vielfach den Einsatzkräften und verspricht, die Straftäter mit hohen Strafen zu belegen. Hat sich Olaf Scholz eigentlich bei den Geschädigten Hamburgern schon entschuldigt, hat er sich mal persönlich im Schanzenviertel blicken lassen und mit den Betroffenen gesprochen? Es ergibt sich für mich das traurige Bild, dass sich unser Bürgermeister komplett von seinen Bürgern entkoppelt hat. Für wen hat er eigentlich seinen Amtseid abgelegt?

Thomas Fels, Hamburg

Wo war Frau Fegebank?

Bei allem Drama um die Chaostage hat mich das Verhalten unserer zweiten Bürgermeisterin Katarina Fegebank entsetzt. Ist sie sich eigentlich bewusst, welche Position sie innehat. Ich empfinde es als ganz schlechten Stil, sich bei unschönen Bildern wegzuschleichen, während Olaf Scholz sich schon vom ersten Moment an in der Elbphilharmonie um Hilfe und Schadensregulierung bemüht. Es ist in meinen Augen auch in ihrer Verantwortung was in Hamburg passiert. Wo bleibt das gemeinsame Regieren!

Karin Kosbü, Hamburg-Wandsbek

Globale Probleme bleiben ungelöst

Ich verurteile die kriminellen Handlungen an diesem Wochenende auf das Schärfste und habe hierfür kein Verständnis. Lob und Dank gebührt der Polizei für ihren unermüdlichen Einsatz. Der Meinung der Politiker, dass der Gipfel ein Erfolg gewesen ist, kann ich aber nicht folgen. Wesentliche Probleme der Welt blieben ungelöst. Hier sind insbesondere der Klimaschutz, Hunger, die Flüchtlingsproblematik, der Gegensatz zwischen sehr reich und bitterarm und die Kriege zu nennen. Als besonders bedenklich empfinde ich es, dass die Ereignisse des Wochenendes nur und ausschließlich dazu geführt haben, dass die Politik nach härteren Gesetzen ruft. Ist es nicht ebenso wichtig, weltweit das Übel an der Wurzel anzupacken. Von keinem Politiker habe ich bisher Äußerungen vernommen, dass es an der Zeit ist, sich mit den Ursachen der Gewalt zu befassen. Allein mehr Gesetze, mehr Polizei, mehr Überwachung lösen das Problem nicht. Hier sind Eltern, Schulen, Politik und unsere Gesellschaft gefordert. Nur dies kann der Weg zu einer wehrhaften Demokratie sein.

Rupprecht Schaper, per E-Mail

Den Gipfel in Ruhe aufarbeiten

Wenn man nicht aus Hamburg kommt, könnte man denken, hier liegt jetzt alles in Schutt und Asche. Die Bevölkerung besteht aus kriminellen Linken, heldenhaften Polizisten, SPD-Politikern, die auf dem linken Auge blind sind und Herrn Trepoll, der alles besser gemacht hätte. Ohne die zweifellos kriminellen Steinewerfer zu bagatellisieren, das alles hat mit der Realität inzwischen nichts mehr zu tun. Bereits Montag herrschte hier wieder Normalbetrieb und Schäden waren kaum noch erkennbar. Man kann die Herren Scholz, Grote und Dudde auch kritisieren, aber wer sie kennt, weiß, dass sie auf dem linken Auge nicht blind sind. Und der ältere Teil der Bevölkerung wird sich erinnern, dass derartige Ausschreitungen leider schon öfter stattfanden. Auch schon, als es noch keine Rote Flora gab. Also, bitte wieder abregen und das Geschehene sachlich und in Ruhe aufarbeiten – und vor allem nicht zum Wahlkampfthema machen.

Roland Möck, per E-Mail

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