Meinung
Kommentar

Tempo 30 nachts – was soll das?

Hamburger Senat setzt weiter auf eine Verkehrspolitik zulasten der Autofahrer

Im Senat setzen sich immer deutlicher diejenigen durch, die angetreten sind, den Hamburgern das Autofahren zu verleiden; diejenigen, die die Stadt umbauen mit dem Ziel, Radfahren und öffentlichen Nahverkehr auf Kosten der Autos zu stärken. Jüngstes Beispiel: Tempo 30 nachts auf Hauptstraßen, an denen wenige Hundert Menschen leben.

Bis weit in die 80er-Jahre war Politik auch in Hamburg geprägt durch eine einseitige Förderung des Autoverkehrs. Freie Fahrt für freie Bürger lautete einer der dusseligen Sprüche jener Zeit. Keine Straße konnte breit genug sein, kein Platz, der sich nicht eignete, um zum Parken missbraucht zu werden. Das Rad – ein Fortbewegungsmittel für Kinder und Studenten und vielleicht für die Fahrt zum Bäcker. Um Abgase, Stickoxide oder Feinstaub scherte sich bis zur Gründung der Grünen kaum jemand.

Diese Zeit ist glücklicherweise vorüber. Der Anteil des Radverkehrs in der Stadt liegt bei mehr als zehn Prozent, Tendenz steigend. Banker auf dem Weg zur Arbeit nutzen das Rad so selbstverständlich wie Studenten. So weit, so gut.

Doch was eine der Wirtschaft nahestehende SPD offensichtlich unter Druck des grünen Juniorpartners und unter dem Deckmantel der Fahrradförderung macht, passt nicht zu Hamburg. Straßen werden in Fahrradstraßen umgewandelt, auf denen Autos gerade noch geduldet werden; Spuren, bislang von Autos genutzt, werden in Fahrradstreifen umgebaut; Gehwege werden verbreitert. Und jetzt der Feldversuch mit Tempo 30 nachts auf Hauptstraßen in der Wirtschaftsmetropole Hamburg, die auf fließenden Verkehr angewiesen ist.

An einem dieser Abschnitte wohnen 203, an einem anderen 395 Lärm- und Abgasgeplagte. Es gibt aber Zweifel, dass sie von einer Geschwindigkeitsreduzierung auch nur den geringsten Nutzen haben. Der Lärm ist bei 30 oder 50 km/h, besagen Studien, in etwa gleich, die Schadstoffbelastung bei gleichmäßig Tempo 50 angeblich eher geringer. Wozu dann also Tempo 30, wenn nicht als Dogma einer neuen Verkehrspolitik?

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