Pellworm

Als einziger Polizist auf einer kleinen Insel

Markus Stephan tritt am 1. Mai seinen Dienst auf Pellworm an

Foto: Carsten Rehder / dpa

Markus Stephan tritt am 1. Mai seinen Dienst auf Pellworm an

Kein Dienstwagen, keine Kollegen und nur ein kleines Büro. Und doch hat Markus Stephan seinen Traumjob gefunden – auf Pellworm.

Pellworm.  Markus Stephan lacht viel. Der Polizist wirkt gelöst und entspannt. Trotz Wind, Regen und Temperaturen im einstelligen Bereich Mitte April. Trotz Umzugsstress. Der 46-Jährige scheint angekommen am Ziel seiner Träume. "Bei schönem Wetter denke ich oft: "Mein Gott, was ist das für ein Traum. Das ist der schönste Ort"", sagt der Polizist über Pellworm, seine neue Dienststelle. Bei Wetter wie an diesem Regentag aber auch mal: "Hoffentlich bleibt das nicht immer so", gibt der große, sportliche Mann zu und lacht.

Seit dem 1. März ist Stephan im Norden. Derzeit wird er in Husum eingearbeitet, bald beginnt der Dienst auf der Pellwormer Ein-Mann-Wache. Bisher hat er in Nordrhein-Westfalen gelebt und gearbeitet. Zuletzt in Krefeld am Niederrhein, gut 220.000 Einwohner, 138 Quadratkilometer groß.

Ein Blaulicht hat er sich schon zugelegt

Und jetzt Pellworm – ein 37 Quadratkilometer großes Eiland im nordfriesischen Wattenmeer mit rund 1100 Einwohnern. Hier ist vieles anders. Stephans nächste Kollegen sitzen auf dem Festland. Dienstwagen? Gibt es nicht. Der Inselpolizist von Pellworm benutzt traditionell seinen Privatwagen, im Sommer vielleicht auch das Motorrad oder das Fahrrad. Ein Blaulicht hat sich Stephan schon zugelegt. Wenn auch wohl nicht um damit zu einem Einsatz zu rasen, sondern eher um etwa beim Einsatz eines Rettungshubschraubers den Ort zeigen zu können, wie er sagt.

Stephans Augen leuchten, wenn er von seiner neuen Heimat und der Polizeiarbeit erzählt. "Ich finde es schön, wenn die Polizei präsent ist", sagt er. Wenn der Polizist von den Menschen erkannt werde, dazu gehöre als wichtiger Teil der Gemeinde, wie der Bäcker oder der Arzt. Der nicht nur stur Knöllchen verteile, sondern mit den Leuten rede. Pellworm sei wirklich ein schöner Ort, "hier kann man gut leben", sagt Stephan. Er würde sich freuen, wenn noch mehr Menschen seinem Beispiel folgten. Die Insel hätte das verdient, findet er.

"Man ist mehr oder weniger Sozialarbeiter"

Paul Pastoors nickt. Er ist Stephans Vorgänger als Inselpolizist. Er kam wie Stephan aus Nordrhein-Westfalen, bevor er sich 2003 nach Pellworm versetzen ließ. 1995 kamen er und seine Familie erstmals auf die grüne Insel ohne Sandstrand. Sie verliebten sich sofort in die Insel, die oft im Schatten ihrer Schwestern Sylt, Amrum und Föhr steht, kauften 1999 ein altes Reetdachhaus und renovierten es. Als er gehört hatte, dass der damalige Inselpolizist 2003 in Ruhestand gehen wollte, bewarb Pastoors sich auf die Stelle und bekam sie. Jetzt geht der 62-Jährige selbst in Pension. Am 1. Mai ist es soweit. Bis dahin gibt er Stephan noch Tipps, weiht ihn in die Besonderheiten des Jobs als Inselpolizist ein. Die Männer verstehen sich.

"Man ist mehr oder weniger Sozialarbeiter", sagt Pastoors. Vieles werde im Gespräch geklärt. "Es sei denn, es handelt sich um Straftaten." Da könne man kein Auge zudrücken. Aber das wüssten die Pellwormer auch. Und wenn das Polizeibüro im Zimmer neben dem Standesamt im Amtshaus mal nicht besetzt ist, kommt es auch mal vor, dass die Leute beim Polizisten vor der Haustür stehen. Fast so wie beim Landarzt.

Mal gibt es Fahrrad- oder Ladendiebstähle

Zu tun gibt es immer, "aber das Einsatzaufkommen ist nicht so hoch", sagt Pastoors. Die Kriminalität halte sich in Grenzen. Es gebe mal Fahrrad- oder Ladendiebstähle. Manchmal passieren Verkehrsunfälle, zu denen er gerufen wird. Aber ein richtiges Kapitalverbrechen habe er nicht erlebt in seiner Zeit als Inselpolizist.

Lange hat Pastoors nach einem Nachfolger gesucht. "Es waren ein paar Bewerber da, aber irgendwie passte das nicht", erzählt der 62-Jährige. "Und mit Markus passte das", sagt er. "Das ist der Kollege, der hier hinpasst." Wichtig sei ja, dass jemand wirklich auf Pellworm Dienst tun und leben wolle. Aus Schleswig-Holstein habe niemand hierher gewollt, ergänzt Stephan. Vielleicht auch, weil der Partner nicht mitziehen will oder einen Job auf dem Festland hat. Die eher sporadischen Fährverbindungen nach Nordstrand machen ein tägliches Pendeln selbst nach Husum eigentlich unmöglich.

Bei der Stellenausschreibung wurde er schnell aktiv

Stephans Frau konnte sich den Wechsel vom Niederrhein an die Nordsee gut vorstellen. Sie ist direkt mitgezogen. Oft hatten die beiden, die gerne im November auf Hallig Hooge Urlaub machten, überlegt, wie es sein würde, im Norden zu wohnen.

2016, zwei Tage bevor Stephan und seine Frau in den Sommerurlaub starten wollten, bekam der 46-Jährige eine E-Mail von seinem besten Freund, auch gebürtiger Nordrhein-Westfale, seit Jahren Polizist in Schleswig-Holstein. Betreff: "Futter für deine Träume". Darin enthalten die Stellenausschreibung für Pellworm. Stephan wurde schnell aktiv. Er schrieb ein Versetzungsgesuch auf Länderwechsel, ein nicht ganz leichtes Unterfangen. Doch er hatte Glück und bekam den Job auf der Insel. Weg will er hier nicht mehr so schnell.

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