Norderstedt
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Großer Andrang: Alle wollen aufs Gymnasium

Foto: Juergen Joost

Anmeldezahlen: Fast 62 Prozent der Eltern haben ihre Kinder angemeldet. Vielen Gemeinschaftsschulen fehlen hingegen die Schüler.

Norderstedt.  Der Andrang auf die Gymnasien ist ungebrochen. Vielen Gemeinschaftsschulen hingegen fehlen die Schüler. Das ergibt sich aus den Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr. Besonders heftig hat es die Gemeinschaftsschule Ossenmoorpark getroffen. An der Norderstedter Schule im Schulzentrum Süd haben die Eltern nur 19 Schüler angemeldet. "Das ist ein Problem, mit dem wir uns als Verwaltung gemeinsam mit der Politik in nächster Zeit intensiv beschäftigen werden, vor allem vor dem Hintergrund, dass wir das Schulzentrum Süd neu bauen wollen", sagt Norderstedts Schuldezernentin. Bisher sähen die Pläne jeweils vier Parallelklassen für die Ossenmoorparkschule und das Lise-Meitner-Gymnasium vor.

Der anhaltende Trend zum Gymnasium bestimme auch die Schulentwicklungsplanung. Schon im vorigen Jahr habe sich die Frage gestellt, ob Norderstedt auf Dauer noch vier Gemeinschaftsschulen braucht.

Werden auch in den nächsten Jahren so wenige Kinder an der Gemeinschaftsschule Ossenmoorpark angemeldet, könnte das die Existenz langfristig gefährden: Das Bildungsministerium schreibt vor, dass eine Gemeinschaftsschule mindestens 300 Schüler haben muss. Diese Vorgabe erfüllt die Schule mit zurzeit 335 Schülern. Aber: Bei sechs Jahrgangsstufen bedeutet die Auflage aus Kiel rein rechnerisch 50 Schüler pro Jahrgang, die auf zwei Parallelklassen verteilt werden. In der Folge müssten jedes Jahr 50 Jungen und Mädchen in die fünften Klassen aufgenommen werden. Das ist im vergangenen Jahr auch gelungen, zurzeit lernen 48 Jungen und Mädchen an der Schule. "Die jetzigen Zahlen werden so nicht bleiben, sie stammen von der ersten Anmelderunde und sind vorläufig", sagt Reinders. Hinzu kommt, dass die Schule in den vorigen Jahren intern stark gefordert war, galt es doch, die Fusion mit der Horst-Embacher-Schule zu stemmen.

In einer zweiten und dritten Runde gehe es darum, Schüler, die aus Kapazitätsgründen an der Wunschschule nicht aufgenommen werden können, und nachgemeldete Schüler auf die Schulen zu verteilen. "Zudem müssen wir ermitteln, welche Eltern ihre Kinder nicht an einer weiterführenden Schule angemeldet haben, und wie viele sich für eine Schule in Hamburg oder Stormarn entschieden haben", sagt Segebergs Schulrat Jürgen Hübner.

Auch die Gemeinschaftsschule Friedrichsgabe liegt mit 47 Anmeldungen unter dem Soll, zum laufenden Schuljahr wurden 62 Jungen und Mädchen in die fünften Klassen aufgenommen. Die beiden anderen Norderstedter Gemeinschaftsschulen hingegen verzeichnen mehr Anmeldungen als Plätze.

Nach dem Elternwillen sollen 93 Kinder an der Gemeinschaftsschule Harksheide in die fünfte Klasse starten. 69 hat die Schule im Vorjahr aufgenommen. 105 Grundschüler wurden an der Willy-Brandt-Schule angemeldet – an der einzigen Gemeinschaftsschule mit eigener Oberstufe in Norderstedt übersteigen die Anmeldezahlen traditionell die Aufnahmekapazität. "Die Gemeinschaftsschule Harksheide hat sich mit der Auszeichnung als beste Schule Schleswig-Holsteins einen guten Ruf erarbeitet und ist für Eltern offensichtlich attraktiv", sagt Segebergs Schulrat Jürgen Hübner.

Für die vier Norderstedter Gymnasien liegen 422 Anmeldungen vor, 264 Viertklässler sollen künftig eine Gemeinschaftsschule besuchen. Fast 62 Prozent der Eltern haben sich für das Lessing-, Coppernicus- und Lise-Meitner-Gymnasium sowie das Gymnasium Harksheide entschieden. Damit bestätigt sich der Trend aus dem Vorjahr mit einem fast identischen Prozentwert. Für das Coppernicus-Gymnasium gibt es 122 Anmeldungen, für das Lessing-Gymnasium 111, für das Gymnasium Harksheide 108 und für das Lise-Meitner-Gymnasium 81. Auch im Kreis Segeberg insgesamt haben die Gymnasien hohe Anmeldezahlen (s. Info-Kasten).

"Landesweit ist die Situation eher umgekehrt, da sind die Gemeinschaftsschulen beliebt", sagt Reinders, die sich so richtig auch nicht erklären kann, warum "alle aufs Gymnasium wollen". Eine Ursache könne die gesellschaftliche Struktur in Norderstedt sein, die eher bürgerlich geprägt ist. "Die Eltern waren schon auf dem Gymnasium, da sollen die Kinder den gleichen Weg gehen", vermutet Schulrat Hübner. Zudem hätten die Gymnasien in den letzten Jahren ihre Angebote ausgeweitet, sowohl Fördermaßnahmen für leistungsschwächere Schüler als auch AGs für speziell interessierte und begabte Jugendliche organisiert.

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