Norderstedt
Landtagswahl

Zwei Frauen machen sich für Norderstedt stark

Katja Rathje-Hoffmann (links) und Katrin Fedrowitz kämpfen in Norderstedt und Umgebung für eine Fahrkarte nach Kiel

Foto: Heike Linde-Lembke

Katja Rathje-Hoffmann (links) und Katrin Fedrowitz kämpfen in Norderstedt und Umgebung für eine Fahrkarte nach Kiel

Katja Rathje-Hoffman (CDU) und Katrin Fedrowitz (SPD) treten bei der Landtagswahl am 7. Mai gegeneinander an

Norderstedt.  "Ich will den Wahlkreis direkt gewinnen." Das sagen die beiden Frauen, die in Norderstedt und Umgebung für eine Fahrkarte nach Kiel kämpfen und ihre Arbeit im Schleswig-Holsteinischen Landtag fortsetzen wollen. Katrin Fedrowitz tritt für die SPD an, Katja-Rathje-Hoffmann für die CDU. Bei der Wahl vor fünf Jahren hatte die Christdemokratin die Nase knapp vorn, 1500 Stimmen mehr konnte sie auf sich vereinigen. Ihrer Konkurrentin rückte Anfang 2016 nach.

Das Duo will sich nicht auf die Landesliste verlassen. Fedrowitz rangiert für die Wahl am 7. Mai auf Position 18, ein Platz, der nicht zwingend reichen muss, um in Kiel weiter Politik für Norderstedt zu machen. Zurzeit sitzen 22 Sozialdemokraten im Landtag, und die SPD ist nach den jüngsten Umfragen im Aufwind, aber: "Man weiß ja nie, wie viele Direktmandate wir holen, sodass schon vor Platz 18 Schluss sein könnte", sagt die 44 Jahre alte SPD-Kandidatin.

Katja Rathje-Hoffmann will sich nicht einmal auf Platz drei der Landeliste verlassen und verweist auf das Debakel für den damaligen Landesvorsitzenden Jost de Jager bei der Landtagswahl 2012. Obwohl de Jager Spitzenkandidat war, zog er nicht in den Landtag ein, weil die CDU alle Direktmandate im Norden holte.

Vor einem Schulz-Effekt hat die 53-jährige CDU-Frau dagegen keine Angst – der Kanzlerkandidat der SPD hat den Sozialdemokraten einen kaum erhofften Aufschwung in den Umfragen beschert. "Wir setzen unsere Kanzlerin dagegen, die – krisenfest, international anerkannt und unaufgeregt – Deutschland mit ruhiger Hand führt." Wer sich ansehen will, ob die Attribute zutreffen, muss sich am Freitag, 5. Mai, auf den Weg in den Norderstedter Stadtpark machen. Zwei Tage vor der Wahl will Merkel kräftig für die CDU und die Wahlkreiskandidatin werben. Spitzenkandidat Daniel Günther wird Rathje-Hoffmann am 5. April in Tangstedt und am 19. April in Kisdorf unterstützen – beide Gemeinden gehören zum Wahlkreis Norderstedt, auf dem Land holt die CDU traditionell mehr Stimmen als die SPD. Für eine frauenpolitische Diskussion am 4. Mai in Tangstedt hat die Bewerberin die parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium und Vorsitzende der Bundes-Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz, gewonnen.

"Frauenthemen liegen mir am Herzen", sagt Rathje-Hoffmann, die auch Vorsitzende der Landes-Frauen-Union ist. Gleicher Lohn, Kinderbetreuung, familiengerechte Arbeitsplätze – das sind Wahlkampfschwerpunkte. Energie, Verkehr, speziell Radverkehr seien weitere Themen, "gerade in Norderstedt". Darüber will sie mit den Wählern nicht nur an den zahlreichen Infoständen sprechen, sondern auch bei einer Radtour am 29. April durch Norderstedt. "Wir machen einen komprimierten Wahlkampf, der am kommenden Montag mit der Plakatierung beginnt", sagt Rathje-Hoffmann

Katrin Fedrowitz begrüßt zwar den Schwung, den Hoffnungsträger Schulz der SPD gebracht hat, verlässt sich im Landtagswahlkampf aber "lieber auf sich selbst und ihr engagiertes Team". Dennoch sei mehr soziale Gerechtigkeit, die Schulz einfordert, auch ein Thema der Landes-SPD. Dabei gehe es nicht nur um längeren Bezug von Arbeitslosengeld, sondern auch langfristig um kostenlose Kinderbetreuung und sozialen Wohnungsbau – angesichts des Mangels an bezahlbarem Wohnraum gerade in Norderstedt ein drängendes Thema.

Auch die SPD-Bewerberin erwartet Prominenz: Am 8. April kommt Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz ins Strandhaus im Stadtpark, am 19. April wird SPD-Landeschef und -Bundesvize im Alten Reporter mit den Bürgern diskutieren.

Fedrowitz setzt vor allem darauf, dass sie in Norderstedt fest verwurzelt, hier aufgewachsen und als Stadtvertreterin und bei den Schützen aktiv ist. Wie ihre Kontrahentin wird sie mit den Wählern an Info-Ständen diskutieren und dort sein, wo Bürger sind, beim Maischollenessen des THW oder beim SPD-Fahrrad-Flohmarkt. Und sie verspricht noch Überraschungen für den Wahlkampf.

Während das Frauen-Duo gute Chancen hat, wieder in den Landtag einzuziehen, ist das für die anderen Kandidaten so gut wie ausgeschlossen. Im Wahlkreis 27/Norderstedt treten außerdem Detlev Grube, Fraktionschef der örtlichen Grünen, Tobis Claßen, FDP-Stadtvertreter und Ortsvorsitzender, Miro Berbig, Fraktionschef der Linken, Sven Stückelschweiger für die Piratenpartei, Thomas Thedens für die Freien Wähler und der Ellerauer Gemeindevertreter Heiko Evermann für die AfD an.

Die Bürger können sich am Mittwoch, 29. März, ein Bild von den Kandidaten und ihren politischen Vorstellungen machen. Pastor Gunner Urbach hat wieder zur "Elefantenrunde" eingeladen, die allerdings ohne den AfD-Kandidaten ab 20 Uhr in der Thomaskirche am Glashütter Kirchenweg 20 informiert und diskutiert. Urbach wird auch moderieren.

Im Mittelpunkt werden "weiche" Themen wie soziale Gerechtigkeit, Altersarmut, bezahlbarer Wohnraum, Migration und Integration stehen. "Die Stadtgespräche der Kirchengemeinde zu den Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen haben bereits eine lange Tradition in Norderstedt und sind immer gut besucht", sagt der Organisator.

Schon vorher tritt Bundesprominenz von Linken und FDP in Norderstedt auf. Am Dienstag, 28. März, wird der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner ab 15.30 Uhr im Spectrum-Kino an der Rathausallee in einem Kurzvortrag seine politischen Vorstellungen beschreiben und sich anschließend den Fragen der Bürger stellen. Unter dem Motto "Prekär ist nicht genug" wird die Bundesvorsitzende der Linken, Katja Kipping, am Montag, 27. März, ab 19 Uhr im Jugendhaus Bunker, Rathausallee 33a, über sozialpolitische Forderungen, aktuelle Themen in Schleswig-Holstein und die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung sprechen und mit den Besuchern diskutieren.

"Elefantenrunde" zur Landtagswahl mit Pastor Urbach, Mittwoch, 29. März, 20 Uhr, Thomaskirche, Glashütter Kirchenweg 20.

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