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Kreis Pinneberg

Mieten: Wenn das Wohnen unbezahlbar wird

Bezahlbare Mieten: Das wünschen sich viele im Kreis Pinneberg

Foto: Jens Kalaene / picture alliance / dpa

Bezahlbare Mieten: Das wünschen sich viele im Kreis Pinneberg

Die Mieten im Kreis Pinneberg steigen stark. Das Bundesbauministerin fordert bei Besuch in Wedel mehr Sozialwohnungen.

Kreis Pinneberg.  Drei Zimmer in Wedeler Zentrumslage, nach Vermieterangaben neuwertig, nach der Fotolage zu urteilen in gutem Zustand, 87,81 Quadratmeter groß, für 966 Euro pro Monat. Kalt und ohne Betriebskosten. Macht glatte elf Euro pro Quadratmeter: Ein kurzer Blick in ein einschlägiges Immobilienportal im Internet wirft ein Schlaglicht auf den Mietwohnungsmarkt in der Stadt. Und dieses erste Angebot ganz oben auf der Liste ist mitnichten das teuerste. Wer genug Geld hat, kann einige Straßen weiter auch 13,92 Euro pro Quadratmeter ausgeben.

Preise, die noch vor zehn Jahren allenfalls in Hamburgs innenstadtnahen Nobelquartieren aufgerufen wurden, sind inzwischen Standard im Umlandstädtchen an der Elbe. "Es wird ganz schön zugelangt", sagt Alexander Schiermann, Vorsitzender des örtlichen Mietervereins. "Gerade in Wedel sehen die Vermieter wenig Grenzen nach oben." Das treibt die Menschen in die Beratungsstelle des mit rund 1400 Mitgliedern zweitgrößten Vereins in der Stadt. Schiermann spricht von durchschnittlich 30 Terminen pro Woche. Macht etwa 1500 pro Jahr. "Das sind schätzungsweise 20 bis 30 Prozent mehr als vor zehn Jahren", sagt der Rechtsanwalt.

Mieten steigen stärker als Inflation und Lohnniveau

Meist geht es den Klienten ums Geld. Darum, dass Wohnen immer teurer wird, dass die Mieten stärker steigen als die Einkommen. Und das ist nicht nur ein Wedeler Problem. Bundesbauministerin Barbara Hendricks, mit dem Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann und dem Landtagsabgeordneten Thomas Hölck (alle SPD) beim Verein an der Bahnhofstraße zu Gast, nennt Zahlen, die das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung zusammengestellt hat.

Demnach ist die durchschnittliche Angebotsmiete im Kreis Pinneberg, also der Quadratmeterpreis bei einer Neuvermietung, zwischen 2011 und 2016 von 7,24 auf 8,29 Euro gestiegen. Hendricks: "Das sind 2,8 Prozent pro Jahr. Mehr als die Inflation und mehr als die Lohnsteigerung."

Auch Lutz Witt, Rechtsanwalt in Diensten des Mietervereins Pinneberg, beobachtet: "Die Vermieter versuchen rauszuholen, was rauszuholen ist." Gleichzeitig müssten viele Menschen stärker als früher "auf den Pfennig gucken", sodass schon Mieterhöhungen von 20 Euro richtig schmerzten. Resultat: rund 2000 Beratungen pro Jahr in der Kreisstadt. Und Rechtsanwalt Hauke Petersen vom Mieterverein Mittelholstein, zuständig auch für Elmshorn, sagt mit Blick auf den Wohnungsmarkt in der größten Stadt im Kreis Pinneberg: "Es wird immer schwieriger."

Was die Politik bislang unternommen hat, bringt jedenfalls nicht viel, darin sind sich die Experten einig. Die von der Landesregierung angeordnete Mietpreisbremse (bei Neuvermietungen darf die Miete höchstens zehn Prozent über dem Ortsüblichen liegen) gilt im Kreis Pinneberg ohnehin nur für Halstenbek. Und wo sie gelte, sei der Markt so angespannt, dass sich Mieter alles gefallen ließen. Thomas Hölck meint, die Mietpreisbremse müsse weiterentwickelt werden.

Und die ebenfalls beschlossene Kappungsgrenze (Erhöhung von Bestandsmieten um maximal 15 statt 20 Prozent innerhalb von drei Jahren bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete) gilt im Kreis nur für Wedel. Und ist nach den Worten von Mieterschützer Alexander Schiermann in Städten ohne Mietenspiegel nur schwer nachzuhalten.

Schließlich kann Mietern noch eine Mieterhöhung infolge einer Modernisierung ins Haus flattern, es ist die womöglich teuerste von allen. Eigentümer dürfen elf Prozent der Investition auf jede Jahresmiete draufschlagen – unbegrenzt. Hendricks, Hölck und Rossmann plädieren dafür, diesen Satz abzusenken – oder, wie Rossmann anregt, zumindest in Relation zum Zinsniveau zu stellen.

Ferner sprechen sich die Sozialdemokraten für eine deutliche Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus aus. Die Bundesbauministerin beklagt, dass Sozialwohnungen und deren Bewohner noch zu oft stigmatisiert werden. Hendricks: "40 Prozent der Deutschen haben ein Anrecht auf eine öffentlich geförderte Wohnung." Sie spricht von der "Mitte der Gesellschaft" und nennt beispielhaft "alle Rentner ohne private Zusatzversicherung" und "alle Familien mit zwei Kindern, in denen ein Elternteil halbtags arbeitet". Doch es gebe nur acht Prozent Sozialwohnungen.

Neue bauen zu lassen liege nun in der Hand der Kommunen. Oft dauere die Planung dafür zu lange, kritisiert Hendricks. Für zielführend hält sie eine Quote für öffentlich geförderte Wohnungen bei Neubauprojekten, wie sie in Wedel schon gilt.

An diesem Sonnabend ist Barbara Hendricks als Bundesumweltministerin ab 10.30 Uhr in der Kommunalen Halle (Am Markt 1) in Barmstedt zu Gast. Thema: "Starker Naturschutz für den Erhalt von Vielfalt – Eine Erfolgsbilanz für Lebensgrundlage und Kulturerbe"

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