Pinneberg
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Bauhofchefin droht Entlassung – wegen 160 Euro

Silkata Sahin-Adu ist seit 2014 Leiterin des Kommunalen Servicebetriebes in Pinneberg

Foto: Andreas Schmidt

Silkata Sahin-Adu ist seit 2014 Leiterin des Kommunalen Servicebetriebes in Pinneberg

Schon wieder Wirbel ums Personal der Stadt: Abrechnung von Seminarkosten könnte Silkata Sahin-Adu zum Verhängnis werden

Andreas Daebeler.  Es geht um ein Seminar und um 160 Euro, die dafür abgerechnet worden sein sollen. Und es geht um die Zukunft einer Frau, die seit 2014 auf vielen Baustellen das Sagen hat. Seinerzeit übernahm die Architektin Silkata Sahin-Adu den Job als Chefin beim Kommunalen Servicebetrieb Pinneberg. Bei jenem Eigenbetrieb der Stadt also, zu dem der Bauhof gehört, der sich um den Friedhof sowie städtische Gebäude kümmert – und somit auch die Mammutaufgabe Schulsanierung zu schultern hat. Sahin-Adu droht jetzt das Aus.

Wie das Abendblatt aus sicherer Quelle erfuhr, schlägt Bürgermeisterin Urte Steinberg der Politik vor, sich unverzüglich von der Bauhofchefin zu trennen. Ein Paukenschlag. Und wieder mal mächtig Wirbel ums Personal. Sahin-Adu wird offenbar vorgeworfen, 2016 ein Seminar zum Thema Friedhof ohne Genehmigung der Stadt besucht und später entstandene Kosten abgerechnet zu haben. Das Vertrauensverhältnis sei nunmehr nachhaltig gestört, heißt es aus dem Rathaus. Die Tätigkeit als Leitung des Kommunalen Servicebetriebs setze Loyalität voraus, an der es offenkundig fehle. Zudem wird angesichts der aktuellen Diskussion eine Geschichte von vor drei Jahren wieder aufgewärmt. Seinerzeit soll Sahin-Adu vorgeworfen worden sein, sich Parkgebühren ohne Dienstanlass erstatten lassen zu haben. Nach Abendblatt-Informationen soll es hier um rund zehn Euro gegangen sein.

Hauptausschuss setzt für diese Woche eine Sondersitzung an

Pinnebergs Bürgermeisterin hatte den Angaben zufolge schon am Donnerstagabend während der vertraulichen Sitzung des Hauptausschusses angekündigt, sich von Sahin-Adu trennen zu wollen. Und es soll offenkundig möglichst schnell gehen.

Eine kurzerhand für diese Woche anberaumte Sondersitzung des Gremiums spricht eine deutliche Sprache. Schon am Mittwoch könnten Nägel mit Köpfen gemacht werden. Eine umfangreiche Verwaltungsvorlage zum Thema ist bereits an die beteiligten Politiker rausgeschickt worden. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt soll bereits informiert sein, der Personalrat müsse noch einbezogen werden.

Aktuell stehen drei Szenarien im Raum. So könnte die Bürgermeisterin, die sich zu Personalfragen grundsätzlich nicht öffentlich äußert und dies auch in diesem Fall am Sonntag am Telefon nicht wollte, die Tage bis zum Mittwoch nutzen, um eine Einigung mit der Chefin des Servicebetriebs zu erzielen. Man könnte sich auf einen Auflösungsvertrag verständigen. Eine andere Variante ist eine fristgerechte Kündigung. Die fristlose Entlassung ist ebenfalls denkbar, auch sie könnte vom Hauptausschuss auf den Weg gebracht werden. Ob sich dafür eine Mehrheit findet, ist zumindest fraglich. Es gibt Volksvertreter, die eine hohe Meinung von Sahin-Adu haben.

Der Vorschlag der Bürgermeisterin sorgte am Wochenende für Diskussionen. Zwischen den Kommunalpolitikern glühten die Drähte. Da es um eine personalrechtliche Angelegenheit geht, äußert sich niemand offen zu dem Sachverhalt. Hinter vorgehaltener Hand zweifeln aber nicht wenige daran, dass eine fristlose Kündigung vor einem Arbeitsgericht überhaupt Bestand haben würde. Zwar gibt es in Pinnebergs Politik auch fachliche Kritik an der Chefin des Eigenbetriebs, weil es immer wieder zu Problemen bei der Schulsanierung komme. Manch einer vermutet jedoch persönliche Differenzen mit Sahin-Adu hinter dem Vorpreschen der Bürgermeisterin.

Das Abendblatt erreichte Sahin-Adu am Sonntagabend. Die Architektin fiel aus allen Wolken. Weder Politiker noch jemand aus dem Rathaus hätten sie vom Geschehen im Hauptausschuss am Donnerstag in Kenntnis gesetzt. "Ich weiß von gar nichts, niemand hat mich informiert." Sie habe für besagtes Seminar 2016 sogar Urlaub genommen, obwohl die Veranstaltung gut für die Interessen der Stadt gewesen sei.

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