Pinneberg
Vereinsleben

Pinnebergs Tierschützer nach Wirbel mit neuem Mut

Peter Dorendorf und Brigitte Meier blicken optimistisch in die Zukunft

Foto: Andreas Daebeler / HA

Peter Dorendorf und Brigitte Meier blicken optimistisch in die Zukunft

Die mittlerweile eingestellten Ermittlungen des Staatsanwalts schadeten dem Verein laut Vorstand nicht. Sponsoren und Mitglieder seien vielmehr treu geblieben

Pinneberg.  Knapp ein Jahr ist es her, dass Pinnebergs Tierschutzverein in schweres Fahrwasser geriet. Im April 2016 leitete die Staatsanwaltschaft Itzehoe ein Ermittlungsverfahren ein. Im Fokus: eine ehemalige Kassenwartin des Vereins, die über Jahre Geld abgezweigt hatte. Dem aktuellen Vereinsvorstand war gar Vertuschung vorgeworfen worden. Nachdem die Staatsanwaltschaft Itzehoe die Ermittlungen kürzlich eingestellt hat, atmen Pinnebergs Tierschützer jetzt durch. Und sie blicken optimistisch in die Zukunft. Der Wirbel habe dem Verein nicht geschadet. Sponsoren seien treu geblieben. Die Zahl der Mitglieder sei stabil. "Es gab bei uns im Verein keine Welle von Austritten", sagt Pressesprecher Peter Dorendorf.

Die Staatsanwaltschaft hatte nach zehn Monaten Prüfung auf eine Anklage gegen die frühere Kassenwartin verzichtet, weil der Fall inzwischen verjährt sei. Die Beschuldigte hatte während ihrer mehrjährigen Tätigkeit in den Jahren 2004 bis 2010 rund 63.000 Euro eingesteckt.

Ein ehemaliges Vorstandsmitglied des Tierschutzvereins hatte im Februar 2016 Strafanzeige bei der Pinneberger Kriminalpolizei gestellt. Zu spät für eine nachträgliche Strafverfolgung. Gegenüber dem Vorstand des Pinneberger Tierschutzvereins hatte die Ex-Kassenwartin ihr Vergehen ohnehin eingeräumt – und sich im Dezember 2012 im Beisein eines Notars zu einer Rückzahlung des veruntreuten Betrags bereiterklärt. Meier und Dorendorf haben stets betont, dass der Vorfall nicht vertuscht, sondern im Vereinsvorstand lediglich vertraulich behandelt worden sei. Für die Staatsanwaltschaft eine schlüssige Darstellung – sie stellte auch die Ermittlungen gegen den Vorstand wegen mangelnden Tatverdachts ein.

Bei Pinnebergs Tierschützern kann nun also nach vorn geblickt werden. Vereinschefin Brigitte Meier macht jedoch aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Der Wirbel der vergangenen Monate habe durchaus Spuren hinterlassen. "Ja, das hat schon belastet und genervt", sagt Meier. "Wir sind hinterrücks angegriffen worden, nie offen", ergänzt Dorendorf. Querulanten hätten ihr Unwesen getrieben, um dem Verein zu schaden. "Aber das ist jetzt Schnee von gestern."

Dass der Ruf der Pinneberger Tierschützer offenkundig wirklich kaum gelitten hat, wurde kürzlich deutlich, als sich 34 Sponsoren zusammenfanden, um dem Verein ein neues Fahrzeug zu finanzieren. Mit dem Renault können Meier und ihre Mitstreiter ausrücken, wenn Tiere in Not sind. Das geschah im abgelaufenen Jahr so oft wie nie vorher. Laut Statistik kamen 2016 insgesamt 238 Einsätze zusammen. 2015 hatten die Tierschützer nur 174 mal ausrücken müssen. 6000 Kilometer wurden 2016 im in die Jahre gekommenen Vereinsfahrzeug zurückgelegt, das nun ausrangiert werden konnte.

Meier und Dorendorf wollen jetzt vor allem eines – in Ruhe die Zukunft des Vereins gestalten. So soll auf dem Gelände am Hafen weiter ausgebaut werden den. "Wir planen eine Auslauffläche für Hunde", sagt Dorendorf. Auch das 2012 von ihm initiierte Projekt Tiertafel wird 2017 fortgesetzt. An zwei Sonnabenden im Monat bekommen sozial benachteiligte Tierhalter am Hafen Gelegenheit, sich mit Futter und nützlichen Utensilien einzudecken. Meier hat ein Team von Ehrenamtlichen am Start, das bei der Ausgabe hilft. Die Nachfrage ist groß.

Die Ex-Kassenwartin wird übrigens noch lange an ihrer Schuld zu tragen haben. Monat für Monat zahlt sie das Geld zurück, alle zwei Jahre dazu eine größere Summe. Aber letztlich kann auch sie durchatmen, weil sie sich nicht vor Gericht verantworten muss.

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