Pinneberg
Konzert

Jan Josef Liefers wäre fast ein Quickborner geworden

Begleitet von 90 Hörern der Welle Nord reisten Jan Josef Liefers und seine Band mit dem AKN-NDR-Sonderzug von Ort zu Ort

Foto: Burkhard Fuchs / HA

Begleitet von 90 Hörern der Welle Nord reisten Jan Josef Liefers und seine Band mit dem AKN-NDR-Sonderzug von Ort zu Ort

Das Dreifach-Konzert von Jan Josef Liefers mit seiner Band Radio Doria auf dem AKN-NDR-Musikzug kommt beim Publikum sehr gut an.

Quickborn/Kaltenkirchen/Bad Bramstedt.  Mit Quickborn habe er noch ein Hühnchen zu rupfen, begann Jan Josef Liefers seinen umjubelten Auftritt samt Band Radio Doria am Sonnabend im Zelt auf dem Rathausplatz. Der Vermieter seiner Zweier-WG in Blankenese habe ihn vor gut 20 Jahren aus der Wohnung geworfen, weil er mit seiner Freundin zusammenziehen wollte – "und die kam aus Quickborn", erzählte der Schauspieler und Bandleader. Dafür hätte er deren Wohnung in Quickborn kriegen können, was er abgelehnt hatte. "Fast wäre ich also Quickborner geworden", sagte der Mann, den fast jeder von seiner Rolle als Gerichtsmediziner Professor Boerne aus dem Münsteraner Tatort kennt, mit einem Lachen – und das Quickborner Publikum war aus dem Häuschen.

Die NDR Welle Nord und die AKN hatten Liefers und seine Band zu einer Bahnhofsshow in den Norden eingeladen. Dreimal traten die fünf Musiker mit ihrem charismatischen Sänger auf den Bahnhofsvorplätzen nacheinander in Bad Bramstedt, Kaltenkirchen und Quickborn zu gut einstündigen kostenlosen Konzerten auf, zu denen jeweils 2000 bis 3000 begeisterte Fans kamen. Jedes Mal reiste die Band mit dem AKN-Sonderzug an, begleitet von 90 Hörern der Welle Nord, die der NDR zu einem persönlichen "meet and greet"-Treffen mit ihrem Star eingeladen hatte.

Das war besonders für Bianca Wendler aus Glückstadt ein spannender Moment. Sie hatte sich mit einer emotionalen E-Mail beworben, die Liefers im Zug zwischen Kaltenkirchen und Quickborn vorlas und dabei stark berührt wirkte. Sie hätten ja beide eine ähnliche Vergangenheit, erinnerte die ehemalige Greifswalderin den früheren DDR-Bürger an die gemeinsamen Wurzeln. "Mich haben seine Songs mit den deutschen Texten immer so berührt, weil sie mich wie bei ,verlorene Kinder' an meine eigene Kindheit und die Tradition der Liedermacher in der DDR erinnerten", so Bianca Wendler, die Tränen in den Augen hatte, als Liefers sie spontan in den Arm nahm.

Den 52-Jährigen schien die sechsstündige Tour mit AKN und NDR kaum anzustrengen. Locker, sympathisch und offen beantworte er Fragen der mitgereisten Fans, die NDR-Reporterin Mandy Schmidt ihm stellte. "Mir macht das unheimlich viel Spaß hier" sagte er. "Es ist eine verrückte Idee, aber sie gefällt mir." Als Verfilmung böte sich für diesen ungewöhnlichen Musikzug natürlich "der Mord im Orient-Express" an, witzelte der Berliner. Und dreimal hintereinander sei er noch nie mit seiner Band aufgetreten. "Das ist heute meine Defloration", sagte Liefers. "Jetzt spricht er auch noch ausländisch", wunderte sich ein Fan. Die Stimmung im Zug war fröhlich, es wurde gesungen und gelacht – und nachgefragt.

Wie er sich habe trauen können, als 25-Jähriger wenige Tage vor dem Mauerfall im November 1989 vor Hunderttausenden von Menschen auf dem Berliner Alexanderplatz zu reden, fragte ein NDR-Hörer. "Es war wichtig, das zu tun", antwortete Liefers. "Ich war jung und hatte keine Ahnung. Es war eine sehr emotionale und aufwühlende Zeit", an die er sich gern einmal im Jahr erinnere. In Berlin hatte er damals gesagt: "Wir müssen neue Strukturen entwickeln, für einen demokratischen Sozialismus. Und das heißt für mich unter anderem auch Aufteilung der Macht zwischen der Mehrheit und den Minderheiten."

Die Veranstalter waren ebenso begeistert wie die Fans. "Eine Super-Aktion und eine so entspannte Stimmung im Zug und auf der Bühne", sagte Andreas Schmidt vom NDR. "Ein voller Erfolg mit einem sehr sympathischen Star." AKN-Sprecherin Christiane Lage-Kress: "Ein tolles Event mit entspannten Fans." "Endlich ist hier mal was los", sagte Rentnerin Frida Post aus Quickborn, als Liefers die Bühne betrat.

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