Pinneberg
Wirtschaft

Insolvente Creatrade Holding: Wedel bangt um Versandfirma

Insolvenzverfahren gegen die Wedeler Firma beantragt

Foto: Anne Dewitz / HA

Insolvenzverfahren gegen die Wedeler Firma beantragt

Die Mutterfirma Creatrade Holding ist insolvent. 640 Arbeitsplätze in der Schneider-Gruppe sind gefährdet.

Wedel.  640 Mitarbeiter der Schneider-Versand GmbH in Wedel bangen um ihren Arbeitsplatz. Die Versandfirma für Werbemittel ist einer der größten Arbeitgeber der Rolandstadt – und seit Gründonnerstag ebenso insolvent wie ihre Mutterfirma Creatrade Holding GmbH. Dienstag informierte der Insolvenzverwalter Oliver Dankert die Mitarbeiter, dass der Geschäftsbetrieb fortgeführt wird. Die Löhne und Gehälter sind bis Ende Juni gesichert.

Das einst von Heiner Schneider gegründete Familienunternehmen schwamm jahrzehntelang auf einer Erfolgswelle. Umsatz und Mitarbeiterzahl wuchsen stetig, ebenso wie die Geschäftsfelder und die angeschlossenen Firmen. Tochterfirmen wie Impressionen, MiaVilla und Conleys, die sich auf den Versand von Mode, Möbel und Lifestyle spezialisiert haben, sind nicht von der Insolvenz betroffen. Für ihre Kunden sowie die 110 Mitarbeiter dieser Gesellschaften soll sich nichts ändern.

2005 veräußerte der Gründer die Schneider-Gruppe mehrheitlich an die Investmentgesellschaft Barclays Private Equity. 2010 folgte der nächste Besitzerwechsel: Der Finanzinvestor Silverfleet Capital übernahm. Damals betrug der Jahresumsatz der Gruppe 241 Millionen Euro. Er konnte bis auf 246 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2014 gesteigert werden. Seitdem hat die Gruppe, die seit Anfang 2013 unter dem Dach der Creatrade-Holding firmiert, keine Umsatzzahlen mehr vorgelegt. In der Folge machte sie mit Umbesetzungen in der Geschäftsführung die Rede. Nachdem 2015 mit Risto Pfalz einer der beiden Geschäftsführer ging, nahm 2016 auch der Hauptgeschäftsführer Ulf Cronenberg den Hut. Er vertrat eine andere Auffassung als die Eigentümer, was eine neue Unternehmensstrategie betraf.

Die führte nicht zum Erfolg. Laut Insolvenzverwalter setzte die Unternehmensgruppe zuletzt nur noch 200 Millionen Euro im Jahr um. Jetzt scheiterte eine Refinanzierung – "überraschend", wie Marc Breitfeld, einer der heutigen Geschäftsführer, betont. Daher sei der Insolvenzantrag alternativlos gewesen. Breitfeld: "Wir werden den vorläufigen Insolvenzverwalter tatkräftig unterstützen, um den Geschäftsbetrieb so reibungslos wie möglich fortzuführen." lra Wülfing, Sprecherin von Silverfleet Capital, spricht von einem zunehmend schwierigen Marktumfeld. "Als Mehrheitseigentümer haben wir mehrere Monate an verschiedenen Lösungen gearbeitet, unter anderem an der Bereitstellung von Wachstumskapital. Trotz intensiver Bemühungen haben wir uns mit den Banken leider auf keine Lösung einigen können, die auch der Verantwortung gegenüber den Investoren unserer Fonds entsprochen hätte." Laut Insolvenzverwalter Dankert werden "alle wirtschaftlich Beteiligten einen Sanierungsbeitrag leisten müssen, um eine tragfähige Fortführungslösung zu erarbeiten." Er wolle die Gruppe auf Dauer wettbewerbsfähig im Markt positionieren. Dazu sei eine reibungslose Fortführung unerlässlich.

Wedels Bürgermeister Niels Schmidt hatte Donnerstag durch Mitarbeiter von den Vorgängen erfahren. Er habe den Eindruck, dass im Unternehmen weiter alle an einem Strang ziehen würden. Dies hätten ihm auch Insolvenzverwalter Dankert und Geschäftsführer Breitfeld berichtet. "Sie haben auch glaubwürdig versichert, dass es beabsichtigt ist, das Unternehmen fortzuführen." Die Stadt habe allein schon durch die Tradition eine emotionale Bindung zu dem Unternehmen. Wichtig sei jetzt die Sicherung der Arbeitsplätze. 350 bis 400 seien es in Wedel, so Schmidt. "Die Stadt hat ein höchstes Interesse, dass das Unternehmen hier im Standort erhalten bleibt. Aber klar ist in einer solchen Situation auch, dass nichts sicher ist."

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