Pinneberg
Soziales

Aktionstag gegen Armut im Kreis Pinneberg

Peter Brandt (v.l.), Hans-Jürgen Damm, Kai Trulsson und Günter Hell bei der Awo in Elmshorn

Foto: Anne Dewitz / HA

Peter Brandt (v.l.), Hans-Jürgen Damm, Kai Trulsson und Günter Hell bei der Awo in Elmshorn

Bündnis fordert vor Landtagswahl einen Kurswechsel in der Rentenpolitik. Im Kreisgebiet beziehen etwa 21.000 Menschen Geld vom Staat.

Elmshorn.  Laut Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Union, ist in Deutschland jeder Fünfte von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das sind 16,1 Millionen Menschen. 2030 droht jedem zweiten Neurentner eine Rente unterhalb der Armutsgrenze. Risikogruppen sind insbesondere Frauen, Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose und Migranten. Im Kreis Pinneberg beziehen etwa 21.000 Menschen Grundsicherung.

Mit einem Aktionstag gegen Armut und Altersarmut will das Bündnis gegen Armut im Kreis Pinneberg am Sonnabend, 29. April, von 10 bis 13 Uhr am Alter Markt in Elmshorn auf das Thema aufmerksam machen. Zu den Initiatoren gehören die Awo Kreisverband Pinneberg, der DGB-Kreisverband Pinneberg, die IG Metall Unterelbe, Ver.di Bezirk Pinneberg-Steinburg, der Sozialverband Deutschland Kreisverband Pinneberg und das Elmshorner Spendenparlament. Ihre Vertreter kamen am Mittwoch in der Awo-Geschäftsstelle in Elmshorn zusammen, um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen.

"Menschen mit weniger Einkommen als dem Armutsschwellenwert von 942 Euro monatlich sind von vielen Lebensbereichen ausgeschlossen", sagt Peter Brandt, Kreisvorsitzender DGB. Mal ins Kino oder einen Kaffee trinken gehen, wären nicht drin. So würde bei einem Einkommen von 2500 Euro brutto, beim Rentenniveau von 47,9 Prozent nach 30 Jahren eine Rente von 673 Euro bedeuten, bei einem Rentenniveau von 43 Prozent wären es 604 Euro.

Die Ursachen für Armut sieht Brandt in prekären Arbeitsverhältnisse wie zum Beispiel der Leiharbeit, Leistungskürzungen im Rentenrecht und fehlende Korrekturen in der Rentenpolitik. "Wir fordern ein paritätisch finanziertes und solidarisches Alterssicherungssystem auf Basis der gesetzlichen Rentenversicherung, das auch durch Umverteilung wieder auf eine sichere finanzielle Basis gestellt wird", sagt er.

Kai Trulsson, Geschäftsführer IG Metall Unterelbe, verweist auf das gute Rentensystem in den Nachbarländern Österreich und Schweiz. "Auch in Deutschland muss die gesetzliche Rente für ein menschenwürdiges Leben im Alter reichen", so Trulsson. Das gesetzliche Rentenniveau müsse wieder angehoben und Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente abgeschafft werden.

"Relative Armut wird für uns zum Beispiel sichtbar durch die Tafel", sagt Hans-Jürgen Damm, Kreisvorsitzender der Awo. Und am Ende seien es auch die Kinder der Armen, die soziale Ausgrenzung erfahren würden, weil sich die Eltern Klassenreisen oder Nachhilfe nicht leisten können. "Und wer einmal arm ist, bleibt in der Regel auch arm", sagt Damm. Er geht allein in Elmshorn von 2100 Kindern aus, die an der Armutsgrenze leben.

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