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Elmshorn

Ganze Arbeit beim Brückenabriss in Elmshorn

Thomas Kintzer (v.l.), Leiter Team Tiefbau beim Kreis, Kreissprecher Oliver Carstens und Ingenieur Jochen Wittemann vor der Baustelle

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Thomas Kintzer (v.l.), Leiter Team Tiefbau beim Kreis, Kreissprecher Oliver Carstens und Ingenieur Jochen Wittemann vor der Baustelle

Bauwerk in der Wittenberger Straße in Elmshorn, über das täglich 20.000 Fahrzeuge rollten, wird abgebrochen. Neubau bis Weihnachten.

Elmshorn.  Der Lärm, mit dem sich der Stemmmeißel des Baggers in den Beton bohrt, ist ohrenbetäubend. Ein zweiter Bagger räumt die Betontrümmer zur Seite. In dieser Woche hat in Elmshorn der Abriss der Krückau-Brücke an der Wittenberger Straße (K 23) begonnen. Das marode Bauwerk, über das sonst täglich mehr als 20.000 Autos rollen, wird bis Ende nächster Woche komplett verschwunden sein. Der Neubau der Stahlbetonbrücke dauert deutlich länger als der Abriss. Bis Ende Dezember bleibt die wichtigste Umgehungsstraße der Stadt gesperrt.

"Die meiste Zeit verlieren wir durch die Gründung", sagt Jochen Wittemann vom Ingenieurbüro Arndt IDC aus Hamburg. Der Boden sei an der Stelle, wo die K 23 die Krückau überspannt, erst in einer sehr tiefen Schicht tragfähig. 20 Pfähle müssen elf Meter tief in den Boden getrieben werden, zuvor müssen die Pfähle der alten Brücke teilweise entfernt werden. "Es gibt keine Unterlagen mehr über die alte Brücke. Daher wissen wir nicht, ob die alten Pfähle die geforderte Traglast bewältigen könnten", sagt Wittemann.

Aufwändige Vorarbeiten sind notwendig

Die Gründungsarbeiten erfolgen mittels einer sogenannten Drehbohranlage. Der 50 Tonnen schwere Koloss wird von einem Schwertransport an der Baustelle abgeliefert. Damit die Anlage zum Einsatz kommen kann, muss zunächst ein Plateau errichtet werden, das die Last tragen kann. Sind die Pfähle erst einmal im Boden, wird darauf eine sogenannte Pfahlkopfplatte betoniert. An ihr werden die Stützen unter der Brücke und die Widerlager installiert, die in den Uferbereichen nötig sind. Es folgen der Überbau, die Abdichtung, die Straßendämme sowie die Asphaltierungsarbeiten, bevor Geländer, Schutzplanken und die Fahrbahnmarkierung angegangen werden können.

"Spätestens bis Weihnachten sind wir fertig", sagt Silke Dräger, beim Kreis Leiterin des Fachdienstes Straßenbau und Verkehrssicherheit. Der Zeitplan für das 1,5 Millionen Euro teure Projekt sei "sehr, sehr sportlich". Beim Bauen im Bestand "können hindernde widrige Umstände auftreten", sagt Ingenieur Wittemann. Bisher seien zwar keine Probleme sichtbar geworden. "Aber wenn es so kommt, müssen und werden wir uns darauf einstellen."

Seit dem 3. April ist die K 23 voll gesperrt. Zunächst mussten Strom- und Telekommunikationsleitungen, die im Bereich der Baustelle verliefen, verlegt werden. Als nächstes errichteten die Arbeiter eine Hilfskonstruktion unter der Brücke. Sie verhindert, dass während des Abbruchs Betonbrocken und verunreinigtes Oberflächenwasser in den Fluss gelangen, wo schützenswerte Tierarten leben. "Wir mussten dazu Auflagen der Umweltbehörde erfüllen", sagt Ingenieur Wittemann. Später werden auch Spundwände eingebracht, um die Baugrube abdichten zu können.

Bei der Brücke war Gefahr im Verzug

"Bei dieser Brücke war Gefahr im Verzug, wir mussten schnell handeln", sagt Kreis-Mitarbeiterin Silke Dräger. Das marode Bauwerk stammt aus dem Jahr 1953. Drei weitere Brücken entlang der K 23 sind gleichalt – und längst im Fokus des Kreises. "Wir lassen die Bauwerke überprüfen. Klar ist bereits jetzt, dass auch dort Handlungsbedarf besteht", sagt Dräger. Sie gehe davon aus, dass die Schäden nicht ganz so schlimm wie an der Wittenberger Straße sind. Dräger: "Wir werden wohl zunächst mit Sanierungsmaßnahmen auskommen." Langfristig sei auch ein Ersatz dieser Brücken nicht ausgeschlossen.

Worte, die Petra Langefeld vom Flächenmanagement der Stadt nicht gerne hören wird. Seit Sperrung der Wittenberger Straße weicht ein Großteil des Verkehrs auf das Stadtgebiet aus. "Dank der Osterferien ist es noch weitestgehend ruhig", sagt Langefeld. Und fügt hinzu: "Bis auf die Spitzenzeiten natürlich." Sieben Ampelanlagen entlang der wichtigsten Umfahrungsstrecken hat die Stadt umprogrammiert, um den Verkehrsfluss zu verbessern. "Wir haben rausgeholt, was wir konnten", sagt Langefeld. Allerdings liege der Gewinn im Sekundenbereich – und zwar im einstelligen.

Auf der gesamten Länge der Köllner Chaussee hat die Stadt Tempo 30 angeordnet. "Das bleibt solange, wie die Baustelle auf der K 23 existiert." Inzwischen habe die Polizei dort auch einmal geblitzt. Langefeld hofft, dass sich nächste Woche zum Schulbeginn die Situation nicht verschlimmert. Helfen könnte, wenn der überregionale Verkehr weiträumig über Barmstedt ausweicht und Autofahrer alternativ die Auf- und Abfahrt Horst/Elmshorn nutzen.

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