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Umwelt

Wedel: Die Suche nach Schadstoffen beginnt

Der Ausstoß des Kraftwerkes in Wedel macht den Anwohnern Sorgen

Foto: dpa Picture-Alliance / Daniel Bockwoldt / picture alliance / dpa

Der Ausstoß des Kraftwerkes in Wedel macht den Anwohnern Sorgen

Rund ums Kraftwerkin fangen Experten Staub auf und testen diesen. So soll geklärt werden, ob der Ausstoß gesundheitsgefährdend ist.

Wedel.  Sieht aus wie eine zweiarmige Gartenlaterne, die jemand mehr schlecht als recht zusammengebastelt hat, ist aber ein allgemein anerkanntes Messgerät. "Ein sogenannter Berger-hoff-Sammler", sagt Alexander Ropertz. Der promovierte Ingenieur, Geschäftsführer bei der Münchener Müller-BBM GmbH, und sein Mitarbeiter Christian Peetzmeier sind am Morgen aus der Niederlassung im nordrhein-westfälischen Gelsenkirchen angereist. Es ist Donnerstag, 11.30 Uhr, als sie in einem Reihenhausgarten im Wedeler Osten letzte Schrauben festziehen. Einen Steinwurf entfernt: die Schornsteine des örtlichen Kraftwerks.

Vier Sammelinstallationen haben nun ihren Platz in dem Wohngebiet gefunden. Ob ihrer Höhe von dreieinhalb Metern sind sie schon von Weitem zu sehen, und das hat durchaus eine gewisse Signalwirkung in dem Viertel: Hier wird jetzt aufgefangen, gemessen und bewertet, was das Kraftwerk von Zeit zu Zeit ausspuckt, was in der Vergangenheit schon Autolack verätzt und gläserne Wintergartendächer beschädigt hat. "Es geht los", sagt Kerstin Lueckow, die an der Straße Hellgrund wohnt und seit Langem gegen die vom Kraftwerk ausgehenden Belastungen kämpft. Sie freut sich.

Runder Tisch beim Minister brachte den Durchbruch

Die Installationen sollen ein Jahr lang stehen bleiben. Es ist ein steiniger Weg gewesen bis zu diesem Moment. Lange hatten sich Kraftwerksbetreiber Vattenfall, das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) als Aufsichtsbehörde und Lueckows Bürgerinitiative "Stopp! Kein Mega-Kraftwerk für Wedel" nicht darauf verständigen können, ob, wo und nach welchen Kriterien gemessen werden soll. Erst ein Runder Tisch bei Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) im Februar ebnete den Weg für Messungen, die alle Beteiligten anerkennen, deren Ergebnis sie akzeptieren wollen.

Bergerhoff also. In den Gefäßen wird jeglicher Grobstaub aufgefangen, der über dem Gebiet niedergeht. "Bei diesem Verfahren können wir Masse in Relation zu Fläche und Zeit setzen", sagt Ingenieur Ropertz. Alle vier Wochen, in den ersten zwei Monaten sogar alle zwei Wochen, tauschen Müller-BBM-Mitarbeiter die Gefäße aus. "Den Inhalt dampfen wir dann bei 105 Grad Celsius ein", erklärt Ropertz, "anschließend analysieren wir ihn." Dabei geht es dann darum, den Gehalt von Arsen, Blei, Cadmium, Chrom und Nickel zu bestimmen. Auf diese Stoffe hatten sich die Teilnehmer des Runden Tisch bei Minister Habeck verständigt.

Bei aller Freude über den Beginn der Messungen ist Kerstin Lueckow mit dem Standort einer der vier Messstationen nicht ganz zufrieden. Während zwei in privaten Gärten und eine weitere auf dem Parkplatz am Ende der Straße Hellgrund in unmittelbarer Nachbarschaft des Kraftwerks aufgebaut sind, ist die vierte an der Königsbergstraße in Höhe des Discounters ein ganzes Stück weiter entfernt. Und: Da ein Block des Kraftwerks schon Ende der kommenden Woche für etwa ein Vierteljahr in die Revision geht, könnte es sein, dass es zunächst gar nichts zu messen gibt. Zuletzt war über dem Wohngebiet mehrfach Grobstaub niedergegangen, während sich der Beginn der Messungen immer wieder verzögert hatte.

Noch nicht abschließend geklärt ist, wann und in welchen Intervallen die Fachleute aus dem Hause Müller-BBM ihre aus den Messungen gewonnenen Erkenntnisse veröffentlichen werden.

Offenbar soll das aber nicht allzu oft geschehen, da Einzelwerte ein verfälschtes, da aus dem Zusammenhang gerissenes Bild ergeben können – in die eine oder die andere Richtung. Ingenieur Alexander Ropertz betont allerdings, dass seine Firma allzu bedenkliche Werte nicht in der Schublade behalten würde. Auch wenn es eine rein hypothetische Aussage sei: "Wenn wir sehen, dass da was durch die Decke geht, müssen wir reagieren."

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