Pinneberg
Stadtentwicklung

Pinneberg halbiert den Leerstand in der City

Wirtschaftsförderer Stefan Krappa und seine Auszubildende Jana Sophie Pointner in der Pinneberger City

Foto: Andreas Daebeler / HA

Wirtschaftsförderer Stefan Krappa und seine Auszubildende Jana Sophie Pointner in der Pinneberger City

Stadt treibt Umbau der westlichen Innenstadt voran, dort soll ein Programmkino eröffnen. Was sich die Kunden sonst noch wünschen.

Pinneberg.  Stefan Krappa steht an der unteren Dingstätte. Hier endet Pinnebergs Fußgängerzone, die noch vor wenigen Jahren im Sterben zu liegen schien. Bei etwa 15 Prozent habe die Leerstandsquote 2014 gelegen, erinnert sich der Wirtschaftsförderer, dem vor allem die Abwanderung der Kreisverwaltung bei seinen Bemühungen um die City in die Parade gefahren war. Blickt Krappa sich heute um, huscht ein Lächeln über sein Gesicht.

Allein im abgelaufenen Jahr gab es 13 Neuansiedlungen in der Innenstadt. Bei nur noch 7,7 Prozent liegt die einst so bedrohliche Quote verwaister Läden. Für Bürgermeisterin Urte Steinberg keineswegs das Ende der Fahnenstange. Sie strebt eine Reduzierung des Leerstands auf vier Prozent an. Zum vergleich: In Itzehoe etwa liegt die Leerstandsquote bei 20, in Uetersen bei zehn Prozent.

Für Krappa sind regionale Investoren der Schlüssel für den erkennbaren Schub, den die Pinneberger City in den vergangenen drei Jahren erlebte. "Hier wurde etwas gewagt", sagt der Wirtschaftsförderer mit Blick auf den Edeka-Neubau der Kaufmannsfamilie Meyer. Auch die Entscheidung der Volksbank, an der Bismarckstraße einen neuen Hauptsitz und an der Friedrich-Ebert-Straße ein Parkhaus hochzuziehen, sei zur Initialzündung geworden. Krappa hat Zahlen parat: "Seit 2014 sind 18 Projekte mit einem Investitionsvolumen von 108 Millionen Euro angepackt worden."

Nur deshalb sei es in der Folge gelungen, Schlüsselmarken wie H&M und Hunkemöller in die City zu locken. Geschäftsaufgaben wie sie derzeit bei S.Oliver und Taifun anstünden, führten nicht mehr zu dauerhafter Tristesse: "Die Flächen sind schnell wieder vergeben." Krappa lobt das Engagement der Wirtschaftsgemeinschaft, die etwa mit dem City-Gutschein ein gutes Signal sende. Das Stadtmarketing engagiere sich bei der Akquise, um Leerstad zu beseitigen.

Investoren wollen 2018 das Pinnau-Center umbauen

Aktuell laufen Verhandlungen mit Investoren, die den westlichen Teil der Innenstadt in den Fokus nehmen. Dort hat sich bereits einiges getan, der Branchenmix wurde erweitert. Als gelungenes Beispiel dient das Keks-Backstübchen. Gleich nebenan gibt es den Laden Kunterkreativ, in dem Regina Molero-Eichwein Nähzubehör, Stoffe und Kinderklamotten anbietet. Auch Pläne für ein Programmkino an der unteren Dingstätte seien realistisch, so Krappa: "Wir sprechen mit Betreibern."

Ein paar Meter weiter tut sich bereits viel. Das Pinnau-Center, das seit Jahren ein Schattendasein fristet, wird voraussichtlich 2018 teilweise entkernt und umgebaut. Savas und Namid Ardic, die ihr Geld einst in Pinnebergs City mit Döner verdienten, investieren eine Million Euro in 14 Wohnungen. Ins Erdgeschoss soll ein Supermarkt einziehen.

Nicht verschwiegen werden darf, dass es häufig Billigketten sind, die in die Innenstädte drängen. Sie erobern auch Top-Lagen in den Fußgängerzonen. Das ist auch in Pinneberg zu beobachten. Wo der kleine Einzelhändler vor hohen Mieten kapituliert, schlagen umsatzstarke Ketten wie das zum Tengelmann-Konzern gehörende Tedi zu. Gleich nebenan ist eine Filiale der Kette Woolworth, die ein ähnliches Sortiment hat. Betreiber von Ein-Euro-Shops zahlen in Top-Lagen Mieten von bis zu 20 Euro pro Quadratmeter, sogar in B-Lagen noch 18 Euro. Da könnten kleine Einzelhändler oft nicht mithalten.

Mieten in der City variieren zwischen fünf und 30 Euro

Laut Krappa variieren die aufgerufenen Mieten in Pinneberg immens. So gebe es immer noch Hauseigentümer, die am Lindenplatz bis zu 30 Euro pro Quadratmeter aufriefen, während andere sich im Randbereich mit fünf Euro zufriedengäben. "Wucher darf nicht sein", appelliert Krappa. Wie es geht, haben die Stadtwerke gezeigt. Im Schulterschluss mit der Familie Gloyer, die Geld in die Hand nahm, um die Fassade ihres Hauses aufzuwerten, konnte ein Leerstand beseitigt werden, der in bester Lage seit Jahren wie eine offene Wunde klaffte. Das nun an der mittleren Dingstätte eröffnete Kundencenter der Stadtwerke könnte Frequenz bringen.

Und was wünschen sich die Kunden? "Mir fehlt hier ein gutes Lokal, wo man gemütlich sein Bier trinken kann und gutes Essen aufgetischt bekommt", sagt Rentner Holger Wilms. Thorsten Bockhorst beklagt insgesamt mangelndes City-Ambiente. "Wenn es hier ein Kino gäbe, würden wir das auf jeden Fall regelmäßig besuchen", sagt er. "Es gibt zu viele Bäcker", klagt die Kummerfelderin Monika Trampnau. Ein Fachgeschäft für Haushaltswaren fehle.

Bürgermeisterin Steinberg verfolgt seit 2013 einen strategischen Ansatz. Sie lädt regelmäßig zu City-Gesprächen ein, um ihr Ohr bei Grundstücksbesitzern und Geschäftsleuten zu haben.

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