Pinneberg
Schenefeld

Wahl: der Zweikampf um das Bürgermeisteramt

Am 24. September entscheiden die Schenefelder Wähler

Foto: CHROMORANGE / Ernst Weingartner / picture alliance

Am 24. September entscheiden die Schenefelder Wähler

Arne Kolarczyk hat mit Christiane Küchenhof und Herausforderer Constantin von Piechowski über deren Strategien gesprochen.

Christiane Küchenhof ist 49 Jahre alt – und hat ein Ziel: "Ich will hier in Schenefeld Bürgermeisterin bleiben, weil ich diese Stadt liebe und der Job mir unheimlich viel Spaß macht." Seit zwölf Jahren residiert sie im sechsten Stock des Rathauses – und ist alles andere als amtsmüde. "Ich kann noch vieles bewegen, und Schenefeld kann weiterhin von mir profitieren." Küchenhof ist in Schenefeld geboren, aufgewachsen und hat dort mit Ehemann Jörg eine Familie gegründet. Die gelernte Verwaltungswirtin hat eine Tochter und einen Sohn, die 23 und 26 Jahre alt sind. Beide haben das Elternhaus verlassen. Schenefeld verlassen, woanders Karriere machen – für Küchenhof kam das nie infrage. "Ich habe keine Ambitionen, nach Kiel oder Berlin zu gehen. Mein Platz ist hier. Ich habe einen tollen Job, der jeden Tag spannend und abwechslungsreich ist", sagt die SPD-Landesvizechefin. Um ihn weitere sechs Jahre zu behalten, muss sie sich etwas mehr ins Zeug legen als geplant. Kurz vor Ende der Bewerbungsfrist warf ein Gegenkandidat seinen Hut in den Ring. "Ich werde jetzt nicht in wilden Aktionismus verfallen. Ich bin sehr präsent und bekannt in der Stadt, halte kontinuierlich den Kontakt zu allen Institutionen und habe viel Struktur in meiner Arbeit, von der ich jetzt zu profitieren hoffe."

Christiane Küchenhof wird auf Hausbesuche verzichten

Auf Hausbesuche wird Küchenhof im Gegensatz zu ihrem Herausforderer verzichten. "Für eine Amtsinhaberin ist das aus meiner Sicht nicht die richtige Maßnahme. Wer sich nach zwölf Jahren im Amt noch den Bürgern vorstellen muss, hat aus meiner Sicht etwas falsch gemacht."

Sie wird 60 Plakate mit ihrem Konterfei aufstellen, einen Flyer an alle Haushalte verteilen lassen sowie auf dem Wochenmarkt und im Stadtzentrum präsent sein. In den sozialen Medien setzt sie auf ihre Facebook-Seite. Ob es wie 2011 auch eine Homepage gibt, ist noch nicht entschieden.

"Ich gehe optimistisch und selbstbewusst in die Wahl", sagt Küchenhof. Ihre Bilanz aus zwölf Jahren Bürgermeisteramt könne sich sehen lassen. "Wir haben zweimal in Folge einen ausgeglichenen Haushalt aufstellen können, der einstimmig von der Politik beschlossen wurde", sagt sie. Und fügt hinzu: "Das ist ein Verdienst des gesamten Rathausteams und der Politik. Ich sehe mich als Team-Player, der gut mit allen zusammenarbeiten kann."

Gemeinsam sei es gelungen, Flächen für Gewerbeansiedlungen aufzukaufen, mit dem Schleswig-Holstein Musik Festival ein kulturelles Highlight nach Schenefeld zu holen und mit dem Stadt- und dem Oktoberfest zwei Großveranstaltungen zu etablieren.

Sie stehe als Gründungsmitglied der Schenefelder Tafel, des KräLa-Vereins und des Vereins Glücksgriff für soziales Engagement. "Ich mag Menschen und stehe für bürgernahes, transparentes Verwaltungshandeln." Was sie nicht mag? "Versprechungen. Ich habe nur während meines ersten Wahlkampfes ein Versprechen gemacht, nämlich dass ich eine Bürgersprechstunde einführe. Das habe ich gehalten, und die Sprechstunde wird bis heute viel genutzt." Auch die von ihr initiierten Bürgerkongresse seien erfolgreich verlaufen.

Die Visionen ihres Herausforderers will Küchenhof am liebsten gar nicht kommentieren. "Aber er sollte schon mal sagen, wie das alles finanziert werden soll", sagt sie dann doch. Sie stehe zu den Eckpunkten der Stadtkernentwicklung, die "seit drei Jahren in der Diskussion stehen und mit großer Bürgerbeteiligung entwickelt worden sind". Das Bürgerzentrum als Herzstück, wo in barrierefreien Räumen alle Dienstleistungen für die Einwohner zusammengeführt werden sollen, hält die Amtsinhaberin für unverzichtbar. Und das Areal der ehemaligen Post, das die Stadt erworben hat, würde sich für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum eignen.

Mehr Familienfreundlichkeit hält Küchenhof für ein lohnendes Ziel. "Aber mir fällt da eher eine bessere Betreuung als ein Schwimmbad ein." Die Stadt investiere derzeit viel in die Kinderbetreuung, sei jedoch längst noch nicht am Ziel. Küchenhofs Ziel ist ein Wahlsieg am 24. September. Eine Woche vorher will sie ihren Wahlkampfabschluss feiern – mit einer Radtour durch ihre Lieblingsstadt.

Constantin von Piechowski ist 37 Jahre alt, Ehemann, Vater dreier kleiner Töchtern, Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei – und er hat eine Vision: "Ich will, dass Schenefeld zur ersten Familienstadt in Schleswig-Holstein wird." Der Herausforderer von Amtsinhaberin Christiane Küchenhof hat jetzt sein Wahlprogramm vorgestellt – und setzt darin ganz auf die Familienfreundlichkeit. "Das wird mein großes Thema sein, dem sich alles andere unterordnet", sagt der 37-Jährige, der von der FDP als Bürgermeisterkandidat vorgeschlagen wurde und auch Chef des Ortsverbandes ist. Er wolle einen Konsens zwischen Bürgern, Politikern, Institutionen und Unternehmen herstellen, um die Strukturen in der Stadt familienfreundlicher zu gestalten. "Es geht dabei nicht nur um Familien mit Kindern. Jeder hat eine Familie, sodass das Thema jeden betrifft", sagt der Kandidat. Und weiter: "Was wir dazu brauchen, ist kein Fördergeld, sondern sind tolle Ideen." Zwei seiner Visionen für ein familienfreundliches Schenefeld präsentiert von Piechowski, der in Schenefeld aufgewachsen ist und der städtischen Ratsversammlung angehört, auf seiner Homepage www.bürgermeisterwahl2017.de – und vier weitere sollen in diesem Monat noch dazukommen.

"Als Erstes habe ich mir die Stadtkernentwicklung vorgenommen, weil dafür jetzt die Weichen gestellt werden müssen", sagt von Piechowski. Seine Ideen unterscheiden sich diametral von dem Konzept, das bisher Konsens in der Politik war.

Statt für ein Bürgerzentrum zwischen Stadtzentrum und Rathaus auf dem Areal des jetzigen Bürgerbüros plädiert der Kandidat für einen Ziergarten an dieser Stelle. Schenefeld soll nach seinem Willen grüner werden und Naherholungsflächen mit Blumen, Brunnen und kleinen Teichen auch im Stadtkern erhalten. Ein verkleinertes Bürgerzentrum, bestehend aus Bürgerbüro und Bücherei, würde von Piechowski auf dem jetzigen Büchereigrundstück am Timmermannsweg ansiedeln.

Ein Schwimmbad im Stadtkern wäre eine echte Bereicherung

Auf dem 2500 Quadratmeter großen Areal der ehemaligen Post gegenüber dem Rathaus, das seit Längerem der Stadt gehört, wünscht sich von Piechowski ein Schwimmbad mit Kleinkinderbereich, Strömungskanal und 25-Meter-Becken. "Wir haben so viele Vereine, Schulen und Familien, dass eine Auslastung gegeben wäre. Und dank moderner, energieeffizienter Technik könnte man das wirtschaftlich betreiben", meint er.

Um mehr Grün nach Schenefeld zu bringen, schlägt von Piechowski vor, eine ungenutzte Wiese am Kiebitzweg zu einem Stadtpark umzugestalten. Ein Indoor-Spielplatz mit einem eigenen Bereich für Jugendliche in der Nähe des Stadtzentrums sowie eine Musikmuschel auf der Bürgerwiese, die für Konzerte, Theater oder Open-Air-Kino genutzt werden könnte, komplettieren das Diskussionspapier des Bürgermeisterkandidaten.

"Allein kann ich nichts erreichen, aber gemeinsam können wir etwas bewegen", sagt von Piechowski. "Gemeinsam Schenefeld voranbringen" lautet folgerichtig sein Wahlkampfslogan. Der Herausforderer verspricht "neue Ideen, Kompetenz und Herz". So wolle er beispielsweise keine Sprechstunden im Rathaus, sondern in der Öffentlichkeit anbieten. "Nicht die Bürger sollen ins Rathaus kommen, sondern ich will zu ihnen gehen", sagt er.

Er wolle ein überparteilich agierender Bürgermeister aller Schenefelder sein und neue Maßstabe in Sachen Bürgernähe setzen. Mit 50 Plakaten, die ab Mitte August aufgestellt werden, will er sich den Bürgern vorstellen. Und er setzt auf einen Flyer, der Ende des Monats an alle Haushalte verteilt wird, sowie auf Hausbesuche, mit denen er im September beginnen will.

Am Sonnabend, 2. September, will der Rechtsanwalt einen Termin anbieten, bei dem wiederum die FDP offizieller Veranstalter ist. Es soll einen Familienlauf vom Stadtzentrum zur Bürgerwiese und parallel eine Radtour auf einer längeren Route geben. "Bei diesem Termin will ich mich möglichst vielen Schenefeldern vorstellen. Schließlich entscheiden sie am 24. September, ob es ein Weiter-so gibt oder meine Ideen eine Chance bekommen."

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