Pinneberg
Schenefeld

Bürgermeisterkandidat erntet scharfe Kritik

Constatintin von Piechowski will ins Schenefelder Rathaus - und zwar als Bürgermeister

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Constatintin von Piechowski will ins Schenefelder Rathaus - und zwar als Bürgermeister

Politiker reagieren verärgert und auf Constantin von Piechowskis Ankündigung, die offizielle Kandidatenrunde zu boykottieren.

Schenefeld.  Die Ankündigung des Schenefelder Bürgermeisterkandidaten Constantin von Piechowski (FDP), die offizielle Kandidatenvorstellungsrunde der Stadt am 6. September boykottieren zu wollen, stößt in der Schenefelder Kommunalpolitik auf scharfe Kritik. Der 37-Jährige hatte verkündet, an der von einer unabhängigen Moderatorin geleiteten Veranstaltung nicht teilzunehmen, weil sie nicht in sein Format des Wahlkampfes passe.

"Für mich ist das Feigheit", kommentiert Grünen-Fraktionschef Mathias Schmitz die Absage. Von Piechowski lege ein "groteskes Verhalten" an den Tag – auch was seine Visionen wie ein Schwimmbad oder ein Stadtpark für Schenefeld angeht. "Wer an solchen Unsinn glaubt, der soll es gern tun." Von Piechowski sei seit vier Jahren Mitglied der Ratsversammlung. "Von ihm gingen in dieser Zeit kaum Wortbeiträge und erst recht keine großen Initiativen aus", so Schmitz weiter. Er erwarte schon, dass sich der Kandidat am 6. September der öffentlichen Diskussion stellt. Schmitz: "Schließlich haben die Bürger das Recht, die Persönlichkeiten und Ziele beider Bewerber kennenzulernen." Er sei dafür, die Veranstaltung trotzdem stattfinden zu lassen, selbst wenn nur die Amtsinhaberin komme.

CDU-Fraktionschef Hans-Jürgen Rüpcke sieht das anders. "Wir sollten das in dem Fall ganz lassen." Rüpcke, der den FDP-Mann von Piechowski nach der Kommunalwahl in seine Fraktion aufgenommen hat, hält sich mit Kritik am Kandidaten zurück. "Er muss selbst wissen, was für ihn sinnvoll ist. Es ist sein gutes Recht, da nicht hinzugehen." Rüpcke betont jedoch, dass seine Fraktion den FDP-Kandidaten nicht unterstützen werde. "Wir halten uns da raus."

Weniger zurückhaltend äußert sich Manfred Pfitzner (BFB). "Mit einem Boykott brüskiert er seine Gegenkandidatin." Er könne von Piechowski nur raten, sich dem Dialog mit der Amtsinhaberin und den Bürgern zu stellen.

Hauptausschuss hatte Kandidatenrunde beschlossen

Pfitzner: "Vielleicht ist ja nur sein jugendliches Temperament mit ihm durchgegangen und er überlegt sich das noch einmal anders." Letztlich könne man ihn aber nicht zwingen.

Andreas Wilken (OfS) erinnert daran, dass der Hauptausschuss, dem auch von Piechowski angehört, einstimmig für die laut Gesetz nicht mehr vorgeschriebene Vorstellungsrunde gestimmt hat. "Herr von Piechowski hat an dieser Sitzung zwar nicht teilgenommen, aber er wird sich ja mit seinem Vertreter abgesprochen haben. Ich finde es sehr schade, wenn jetzt von ihm einstimmige politische Beschlüsse einfach ignoriert werden." Die Vorstellung biete den Bürgern ein Forum, mehr über die Kandidaten und ihre Vorstellungen zu erfahren. Wilken: "Er erweist Frau Küchenhof einen Bärendienst, wenn er an dem Abend nicht erscheint."

SPD-Vize-Fraktionschefin Ingrid Pöhland spricht von einer "Selbstüberschätzung" des Kandidaten. "Er ist sich offenbar der Tragweite seiner Entscheidung nicht bewusst." Pöhland spricht von einem Affront gegen die Amtsinhaberin. "Der demokratisch gewählte Hauptausschuss hat beschlossen, dass es diese Veranstaltung geben soll. Damit sind Spielregeln aufgestellt, an die sich auch Herr Piechowski halten muss." Die Wirkung sei verheerend. "Das wird ihm noch einmal leid tun", so Pöhland.

"Ich hätte mir einen anderen Umgang gewünscht. Wenn man eine gemeinsame Veranstaltung macht, dann hätte man auch den Termin, die Art der Präsentation und den Ort gemeinsam abstimmen müssen", sagt von Piechowski. Die Amtsinhaberin habe den Termin so spät gelegt, "weil sie keine Ideen hat und erst noch ihr Wahlprogramm schreiben muss". Küchenhof selbst bedauert die Entscheidung. "Es wäre für den Bürger eine Gelegenheit gewesen, beide Kandidaten kennenzulernen." Für sie sei es unverständlich, dass er diese Chance nicht nutze. Sie werde sich auch allein aufs Podium setzen. Küchenhof: "Ich werde den Beschluss des Hauptausschusses nicht ignorieren."

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