Pinneberg
Schenefeld

Vom Tenniscenter bleibt nur noch ein Trümmerhaufen

Die Ruine des Tenniscenters am Osterbrooksweg in Schenefeld einen Tag nach dem Brand

Foto: Mirjam Rüscher / HA

Die Ruine des Tenniscenters am Osterbrooksweg in Schenefeld einen Tag nach dem Brand

Einen Tag nach dem Großbrand steht Schenefeld unter Schock. Helfer waren 24 Stunden im Einsatz. Löste die Sanierung den Brand aus?

Schenefeld.  Brandgeruch dringt in die Nase. Schwarze Ascheklumpen sind überall auf dem Boden verstreut. Vor der Absperrung versammeln sich Passanten zu kleinen Gruppen. Sie starren gebannt auf den Trümmerhaufen, der bis Donnerstagmorgen noch das Tennis- und Fitnesscenter RCS SportWelt in Schenefeld war. Zersprungene Scheiben, lose Steine, verbogenes Metall, die Treppe des ehemaligen Eingangsbereichs ist noch zu erkennen. Das Großfeuer, das am Donnerstag 420 Einsatzkräfte der Feuerwehren, Rettungsdienste, der Polizei, des Technischen Hilfswerks und des Deutschen Roten Kreuzes in Atem hielt, hat von der Anlage nicht viel übrig gelassen.

Am Freitagmittag wagen sich die Schenefelder Einsatzkräfte noch einmal in die Ruine, um die schwer zu erreichenden Stellen zu entschärfen. Die letzten Glutnester im vorderen Gebäudetrakt werden erstickt. 24 Stunden nach dem Ausbruch des Feuers sind die Lösch- und Aufräumarbeiten dann abgeschlossen und das letzte Fahrzeug der Schenefelder Wehr fährt vom Hof. Statt einer Rauchsäule hängen nur noch Dampfschwaden über dem Gebäude.

Tennishalle in Schenefeld in Flammen

Eigentümer Johann Timmermann kann das Ganze noch gar nicht richtig fassen. Nur kurz war er am Tag danach dort, wo einst die von ihm aufgebaute Tennishalle, samt Fitnesscenter und Restaurant stand. "Es ist wohl alles total kaputt", sagt der Schenefelder Unternehmer. Wie schlimm der Schaden genau ist, soll eine Begehung am Montag mit der Versicherung und der Kriminalpolizei ergeben.

Nach einer halben Stunde war alles zerstört

Ein Bild von der Situation vor Ort wollen sich am Freitagmittag viele Menschen selbst machen. Einige der Beobachter an der Absperrung waren regelmäßige Besucher des Centers, so wie Jürgen Neugebauer. Seit 1994 nutzte er dort das Fitnessangebot. "Ich musste mir das mit eigenen Augen ansehen", sagt Neugebauer. Unter seinem Regenschirm drehte er eine Runde um das Gelände. Seine Frau wollte nicht mitgehen, das Feuer habe sie sehr mitgenommen. "Hier kennt man sich, wir sind alle geschockt", so Neugebauer.

Wenige Meter weiter steht Sven-Oliver Petersen vom Sicherheitsdienst Weko auf dem Gelände der European XFEL GmbH. Sein Kollege und er konnten beobachten, wie zunächst heller Rauch über der Halle aufstieg. "Dann ging es wahnsinnig schnell. Nach einer halben Stunde war die Halle hin. Die Asche ist hier überall rumgeflogen", so Petersen.

Es geht auch um die Zukunft von 40 Angestellten

Das Feuer hat die Menschen in Schenefeld bewegt, viele nehmen Anteil am Schicksal der Familie Timmermann. Die ist währenddessen dabei, den Schaden, so weit es geht, zu begrenzen. "Man kann es nicht ändern, aber wir müssen nun sehen, wie man damit am besten umgeht", sagt der Unternehmer, der in Schenefeld unter anderem zahlreiche Wohnhäuser baute und dem der Reitstall Klövensteen gehört. So geht es auch um die Zukunft der 40 Angestellten. Laut Timmermann greift für solch einen Unglücksfall die abgeschlossene Betriebsunterbrechungsversicherung. Allerdings ist noch unklar, ob auch die selbstständig tätigen Trainer unter diese Vereinbarung fallen. Klar ist bereits, dass der geplante Wiederaufbau der Sportanlage Monate, wenn nicht Jahre in Anspruch nehmen wird.

Wie die Halle lichterloh brannte, musste auch Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof mit ansehen. Sie war am Donnerstag bis abends vor Ort und im Einsatz. "Die Kriminalpolizei hat das Gebiet zum Sperrbezirk erklärt. Es wurde ein 300 Meter langer Bauzaun benötigt", berichtet die Rathauschefin. Zusammen mit dem Eigentümer und mithilfe des städtischen Bauhofes konnte der Zaun besorgt und aufgestellt werden.

Löste die Sanierung den Brand aus?

In erster Linie ist Küchenhof froh, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist und auch die zahlreichen Helfer unverletzt nach Hause fahren konnten. "Wie alle bin ich schockiert", sagt Küchenhof. Die Sportwelt sei eine Institution, ein Treffpunkt für alle Schenefelder und auswärtige Gäste, die dort Fitness betrieben aber auch essen und feiern würden. "Das ist ein Verlust", so Küchenhof.

Den Eigentümer Timmermann stimmt traurig, dass die gerade laufenden Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten fast abgeschlossen waren. Unter anderem waren sanitäre Einrichtungen saniert, Fußböden erneuert und Wände gestrichen worden.

Ausgerechnet die Investition in die Zukunft könnte auch der Grund für den Brand gewesen sein. Denn das Feuer brach im Dachstuhlbereich aus. Zu diesem Zeitpunkt wurden Schweißarbeiten auf dem Dach vorgenommen, wie Timmermann bestätigt.

Die Kriminalpolizei Pinneberg wollte Aussagen zur Brandursache am Freitag nicht kommentieren. "Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen", sagte Nico Möller, Sprecher der Polizeidirektion Bad Segeberg. "Wir haben zwar bereits Ermittler vor Ort, aber zur Brandursache gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse."

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