Schleswig-Holstein

Jungstörche haben es im Norden immer schwerer

Wegen heftiger Regenfälle im Juni haben viele Jungstörche in Schleswig-Holstein in diesem Jahr nicht überlebt.

Foto: Jens Büttner / dpa

Wegen heftiger Regenfälle im Juni haben viele Jungstörche in Schleswig-Holstein in diesem Jahr nicht überlebt.

Nachdem 2016 Nahrung fehlte, kamen diesmal viele Jungvögel bei Starkregen um. Zu Problemen führen auch die veränderten Flugrouten.

Bergenhusen. Sie hatten keinen Chance: Als am 7. Juni dieses Jahres monsunartiger Regen viel, ertranken viele Jungstörche in ihren Nestern. "Sie hatten noch kein gewachstes Gefieder, sondern noch Daunen – und die sind nicht wasserabweisend", sagen Jörg Heyna und Uwe Peterson von der Nabu-Arbeitsgruppe Storchenschutz. "In den vollgelaufenen Nestern sind die durchkühlten Jungvögel dann umgekommen."

Generell sei 2017 ein schlechtes Jahr für die Störche in Schleswig-Holstein gewesen. Zwar wurden 358 Jungstörchen flügge und damit mehr als im vergangenen Jahr (344). Doch 2014 und 2015 waren es jeweils mehr als 500 Jungvögel gewesen.

Insgesamt hatten die 278 Brutpaare in Schleswig-Holstein in diesem Jahr rund 1400 Eier gelegt. Doch nur aus jedem vierten Ei ging am Ende ein flug- und damit überlebensfähiger Storch hervor.

Nahrungsmangel und Revierkämpfe

2017 ist für die Störche in Schleswig-Holstein bereits das zweite schlechte Jahr in Folge. 2016 hatte es zu wenig Mäuse gegeben, die zu ihrer Hauptnahrung gehören. "Es gab nicht genug zu fressen für den Nachwuchs", so Heyna. Außerdem seien bei Revierkämpfen durch späte Heimkehrer Jungvögel getötet beziehungsweise Gelege zerstört worden.

Dieses Problem hat sich laut Peterson auch 2017 fortgesetzt. Ursache ist, dass immer mehr Störche die mit 4000 Kilometer relativ kurze Westroute über Nordafrika nehmen, oder auch aus Spanien über Frankreich in den Norden kommen. "Diese Störche sind oft früher da als jene, die über die bis zu 10 000 Kilometer lange Ostroute kommen", erläutert Peterson. DerenRoute reiche über den Balkan nach Israel, den Sinai, Ägypten bis nach Südafrika und sei früher von viel mehr Störchen genutzt worden.

Wenn sogenannte Westzieher Nester schon belegen, die eigentlich Ostziehern gehörten, kann es zu heftigen Kämpfen zwischen den Tieren kommen. "Normalerweise kommen Störche Ende März, der früheste Storch ist jetzt schon am 26. Januar bei uns gesehen worden", sagt Peterson.

1940 gab es mehr als 5000 Jungestörche

Inzwischen deute sich auch die Tendenz an, dass Störche gar nicht mehr gen Süden ziehen, sondern im Norden bleiben. "Unklar ist aber, ob es sich dabei um Tiere aus Haltungen handelt oder um Wildstörche", so Peterson. Storch-Haltungen gebe es etwa im Westküstenpark in St. Peter Ording. Und in Hitzhusen (Kreis Segeberg) habe ein Privatmann eine Kolonie mit 33 Paaren "angefüttert". "Wieso sollen die Tiere noch die gefährliche Reise nach Süden machen, wenn sie hier durchgefüttert werden?"

Der Bestand an Brutpaaren in Schleswig-Holstein ist sei einigen Jahren relativ stabil. Die Zahl der Brutpaare war diesmal mit etwa 278 ein wenig höher als 2016 mit 269. Den absoluten Tiefpunkt bedeuteten 170 Horstpaare im Jahr 2005, den höchsten registrierten Bestand gab es 1940 mit 2175 Brutpaaren und 5216 flüggen Jungstörchen.

Dass die Störche immer weniger Lebensraum mit ausreichender Nahrung wie Mäusen oder Maulwürfen vorfinden, liege an der intensiven Landwirtschaft und dem zunehmenden Mangel von Feuchtwiesen, sagt Peterson.

Die meisten Störche gibt es in den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Schleswig-Flensburg mit dem "Storchenort" Bergenhusen. Im Kreis Plön dagegen gab es schon Jahre, in denen kein einziges Storchenpaar gesichtet wurde. Gering sind auch die Zahlen in den Kreisen Nordfriesland und Ostholstein.

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