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Oststeinbek: Fitnessstudio droht das Aus vor dem Start

Felix Seeliger (l.) und Jan-Oliver Wulf wollen in Oststeinbek expandieren. Sie betreiben bereits ein Fitnessstudio in Wilhelmshaven

Foto: René Soukup / HA

Felix Seeliger (l.) und Jan-Oliver Wulf wollen in Oststeinbek expandieren. Sie betreiben bereits ein Fitnessstudio in Wilhelmshaven

Unternehmer wollen Millionen in Fitnessstudio investieren. Oststeinbek müsste Bebauungsplan ändern. Politiker sind wohl dagegen.

Oststeinbek.  Sie haben Großes vor im Oststeinbeker Gewerbegebiet . Seit Wochen machen Felix Seeliger (35) und Jan-Oliver-Wulf (33) an ihrem Informationsstand vor dem Ostkreuz-Center am Willinghusener Weg Werbung für ihr geplantes Fitnessstudio. Den Mietvertrag für die 3200 Quadratmeter große Fläche im ersten Stock des Einkaufszentrums haben sie unterschrieben und sind sich mit einer Bank über einen Kredit einig geworden. Auch Aufträge für den Umbau sind vergeben. Ab 1. Juli sollen sich die Kunden dort in Form bringen. Doch daraus wird womöglich nichts. Denn laut dem Bebauungsplan ist ein solches Geschäft nicht zulässig – und die Kommunalpolitiker sind offenbar nicht gewillt, eine Änderung zu veranlassen. Sie fürchten Konkurrenz für den örtlichen Sportverein, der ebenfalls ein Fitnessstudio betreibt.

Die Gemeinde hatte die beiden Geschäftsführer, die aus Buxtehude stammen und bereits seit April 2011 ein Studio in Wilhelmshaven haben, vor Kurzem informiert, dass im B-Plan ein Sondergebiet mit großflächigem Einzelhandel festgelegt ist und ihr Vorhaben unter den jetzigen Voraussetzungen nicht zu verwirklichen ist. "Wir haben uns auf den Vermieter verlassen. Er hat gesagt, dass es keine Probleme gibt", sagt Seeliger. Der Eigentümer sei ein Immobilienfonds, sein Ansprechpartner käme aus Berlin. "Wir hatten keinen Grund, an den Aussagen zu zweifeln, weil die Dutzende Einkaufscenter mit Fitnessstudios haben", sagt Seeliger. Nun gesteht der Betriebswirt, einen Fehler gemacht zu haben: "Wir hätten selbst prüfen sollen, welche Nutzung möglich ist."

Betreiber wollen 35 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit einstellen

Zurückrudern wollen er und sein Jugendfreund allerdings nicht. "Wir sind überzeugt, dass wir hier aufmachen", sagt Jan-Oliver Wulf. Am vergangenen Freitag haben sie E-Mails an die Fraktionen verschickt, wollen den Entscheidungsträgern sich und ihr Konzept vorstellen.

Das sieht ein breites Sportangebot inklusive Saunalandschaft und Solarium vor – mit Preisen für Mitglieder, die bei unter 20 Euro im Monat starten. Zwei Millionen Euro wollen die beiden Jungunternehmer in den Standort investieren. Weitere 750.000 Euro sollen laut Seeliger vom Eigentümer kommen für einen neuen Eingangsbereich und einen Fahrstuhl. "Es werden 15 Fenster für mehr Tageslicht eingebaut", sagt er. Für den Umbau sind zweieinhalb Monate eingeplant.

35 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit wollen die Studiobetreiber in Oststeinbek einstellen, dazu vier Ausbildungsplätze zum Sport- und Fitnesskaufmann bieten. "Wir streben in ein paar Jahren 10.000 Mitglieder an, würden dann Gewerbesteuern im sechsstelligen Bereich zahlen", sagt Seeliger. Bisher hätten sich rund 200 Oststeinbeker und 90 Glinder angemeldet.

Auf ihrem Flyer werben die beiden Geschäftsführer unter anderem mit "umfassenden Parkmöglichkeiten". Rund 1500 Stellplätze gibt es auf dem Areal. Neben einem Real-Markt sowie einem Media-Markt gibt es im Ostkreuz-Center auch ein Tiernahrungsmittelgeschäft, mehrere Gastronomiebetriebe, eine Apotheke, einen Blumenhändler und ein Reisebüro.

Die Oststeinbeker SPD hat sich laut Fraktionschef Christian Höft noch nicht entschieden, ob sie die Fitnessstudio-Pläne unterstützt: "Der Verkehr im Bereich des Willinghusener Wegs wird beim Meinungsbildungsprozess auch eine Rolle spielen. Wir gehen offen an die Sache heran." Am morgigen Mittwoch haben die Sozialdemokraten Fraktionssitzung.

Rudi Hametner, Fraktionsvorsitzender der Oststeinbeker Wählergemeinschaft (OWG), sagt: "Die politische Stimmungslage ist so, dass die Sache nicht sehr positiv gesehen wird." Das bestätigt auch Hans-Joachim Vorbeck von der CDU: "Ich kann mir schwer vorstellen, dass es eine Änderung des Bebauungsplans gibt, weil wir das OSV-Studio nicht zugrunde richten wollen."

Hintergrund: Das sogenannte Medi-Terrain ist eine 100-prozentige Tochter des Oststeinbeker Sportvereins. Das Studio ist im ersten Stock der Walter-Ruckert-Sporthalle beheimatet und hat sich vor zwei Jahren vergrößert. Dafür hat Oststeinbek rund 350.000 Euro investiert. Das Medi-Terrain zahlt Miete an die Gemeinde. Dort beginnen die Monatsbeiträge für OSV-Mitglieder bei 49 Euro für den Premium-Tarif mit Wellness-, Fitness- und Kursangeboten. Vorbeck fürchtet, dass ein günstigerer Anbieter dem Medi-Terrain schadet. "Wir haben natürlich großes Interesse, dass das OSV-Studio weiterhin die Pacht bezahlen kann", sagt der CDU-Fraktionschef.

Gemeindevertretung berät sich am kommenden Montag

Felix Seeliger und Jan-Oliver Wulf können diese Bedenken nicht verstehen. "Der Bedarf ist da, das Medi-Terrain hat ein anderes Konzept. Wir sind nicht gekommen, um dem OSV-Studio etwas wegzunehmen", sagt Seeliger. Er beruft sich auf eine Marktanalyse, die Bestandteil des Businessplans ist.

Auch die Fraktion der Oststeinbeker Wählergemeinschaft wird sich an diesem Mittwoch zu dem Thema beraten. Am kommenden Montag könnten die Politiker das Aus für das Fitnessstudio-Projekt besiegeln. Dann treffen sich die Gemeindevertreter zu ihrer Sitzung und diskutieren im nicht öffentlichen Teil darüber.

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